Ein Sprengbefugter und ein Bundesheer-Soldat bereiten eine Lawinen-Sprengladung in Kötschach-Mauthen für den Einsatz vor.

© APA/MILITÄTKOMMANDO KÄRNTEN/ARNO

Winterwetter
02/06/2014

Den Schneemassen getrotzt

In Kärnten hat sich die Lage merklich entspannt. Das Bundesheer sprengt letzte Sperren mit Dynamit frei.

Nach einer Woche Schneechaos in Kärnten war am Donnerstag Entspannung in Sicht. Auf der Tauernbahn und der Tauernschleuse gibt es nach einer Lawinensprengung wieder regulären Betrieb. Am Donnerstagabend gelang den Einsatzkräften auch der Durchbruch ins Lesachtal. Es ist wieder von der Kärntner Seite aus erreichbar – allerdings vorerst nur für Notfälle und nicht für den normalen Verkehr. Für diesen sollte die Straße ab Freitagmorgen frei sein.

Am Plöckenpass wiederum warf das Bundesheer Sprengsätze ab. "Der Hubschrauber ist gestartet, die Lawinensprengung dürfte gerade im Gange sein", sagte Hofmeister am Nachmittag. Die Experten des Bundesheeres führen regelmäßig Lawinensprengungen vom Hubschrauber aus durch. Hofmeister erklärt das Prozedere so: "Es gibt ein Sprengbrett, wo die Sprengsätze montiert werden. Da ist eine Zündschnur dran. Die wird im Hubschrauber gezündet und das Paket dann abgeworfen." Zwei Minuten dauert es, bis der Sprengsatz explodiert. "Der Hubschrauber hat ausreichend Zeit, sich aus dem Staub zu machen."

Eine zweite Sprengung am Plöckenpass war geplant. Hofmeister: "Ob wir sie durchführen, hängt davon ab, wie viel Schnee bei der ersten Explosion schon mitgeht." Lawinensprengungen werden durchgeführt, um große Schneemassen am Berg, die als unkontrollierte, gefährliche Lawine abgehen könnten, unter sicheren Bedingungen ins Tal zu bringen. Wann die Straße über den Plöckenpass freigegeben wird, war zunächst unklar. "Das hängt davon ab, wie lang die Straßenmeistereien brauchen, um die Straße zu räumen", so Hofmeister.

Weitere Straßensperren gab es laut ÖAMTC ähnlich wie zuletzt am Wurzen- und am Loiblpass, am Katschberg sowie im Rosental. Besonders im Bezirk Hermagor waren auch noch einige Landesstraßen gesperrt. Die Plöckenpass Straße B 110 im Bereich des Gailbergsattels wurde am Nachmittag wieder für den Verkehr freigegeben.

Stromausfälle

Die Kärntner Bevölkerung musste auch am Donnerstag wieder mit einige Stromausfällen zurecht kommen. Bis zu 3.000 Haushalte waren im Laufe des Tages betroffen. Ein Sprecher des Energieversorgers Kelag sagte am Nachmittag: "Wir halten momentan bei circa 800 Haushalten ohne Strom. Wenn keine neuen Störungen dazukommen, soll diese Zahl noch heute auf rund 100 sinken." Betroffen waren zum Beispiel St. Veit, Bad Eisenkappel (Bezirk Völkermarkt), Zell-Pfarre (Bezirk Klagenfurt-Land) und das Loibltal (Bezirk Klagenfurt-Land).

Wie der Landespressedienst mitteilte, soll der Großteil der in Kärnten eingesetzten 300 Soldaten am Freitag abrücken. Eine weitere Unterstützung des Bundesheeres wurde nur mehr im Lesachtal, in Kötschach-Mauthen und in Hermagor benötigt. Fliegerkräfte sowie das schwere Gerät von Bundesheer und Feuerwehren sollen vorerst noch für alle Fälle vor Ort bleiben.

Der Landesschulrat kündigte an, dass im Lesachtal ab Freitag - dem letzten Tag vor den Semesterferien - wieder normaler Schulbetrieb stattfinden wird. Geschlossen bleiben die Volksschulen in Eisentratten und Kremsbrücke (Bezirk Spittal). Sollten Eltern jedoch Sicherheitsbedenken haben, können ihre Kinder zu Hause bleiben.

Pensionist vom Dach gestürzt

In Obervellach (Bezirk Spittal) ist unterdessen ein 67 Jahre alter Pensionist beim Schneeräumen vom Dach eines Kulturzentrums gestürzt. Laut Polizei war der Mann durch ein PVC-Wellendach gebrochen und fünf Meter unterhalb auf dem Asphaltboden aufgeschlagen. Nach der Erstversorgung wurde der Schwerverletzte mit dem Hubschrauber ins Klinikum Klagenfurt geflogen.

Es bleibt wechselhaft

Die Wetterlage bleibt so, wie man es von den vergangenen Tagen gewohnt ist: Föhn wechselt sich mit Kaltfronten ab, wobei allerdings wieder der Süden Österreichs erneut Schnee oder Regen abbekommen wird. Milder soll es laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik erst Montag werden. Allerdings sind ab Dienstag wieder Schneefälle prognostiziert, auch bis in tiefere Lagen.

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Österreich versinkt im Schnee:

Tauwetter bringt Gefahren für Helfer mit sich

Die Gefahr für die nö. Helfer in Slowenien steigt mit jeder Minute. Tauwetter hat in der Region eingesetzt. Und was noch vor wenigen Stunden unter dickem Eis lag, taut lagsam auf. Ein Riesenproblem in dieser waldreichen Region südwestlich der slowenischen Hauptstadt Ljubljana. Aktuell sind noch mehr als 100 Helfer aus Niederösterreich in Slowenien im Hilfseinsatz.

Lebensgefahr

Beim Lokalaugenschein wird die Gefahr deutlich hörbar: Allerorts knirscht und kracht es. Nahezu im Sekundentakt brechen Äste und stürzen halbe Bäume zu Boden. Auf die Helmpflicht für die Einsatzkräfte wird besonders verstärkt hingewiesen. Es herrscht Lebensgefahr.

"Tauwetter ist Sauwetter." Der Spruch macht innerhalb der Mannschaft die Runde. Nicht zu Unrecht. Einzelne Feuerwehrleute berichten, dass bei der Fahrt auf Waldwegen vor ihnen Bäume auf die Straße gestürzt sind. "Eine riesige Eisplatte ist uns direkt auf die Motorhaube gefallen."

Die Kommunikation wird langsam besser. Spezialisten aus Österreich sind seit Mittwoch mit dem Aufbau einer Tetron-Funkstation beschäftigt gewesen, damit die Verbindung zwischen den Helfern verbessert wird. Mittwochnacht mussten die Arbeiten aufgrund der Witterung unterbrochen werden. Seit Donnerstagmorgen arbeitet die Anlage.

Stromversorgung

Zu Beginn des Einsatzes waren 200.000 Haushalte ohne Strom. Seit heute morgen sind es "nur" noch 50.000. Das gelang durch das Zusammenwirken internationaler Kräfte und tatkräftiger Unterstützung der Niederösterreicher.

"Die Kapazität, die wir derzeit an Strom produzieren, entspricht 160 Windrädern", rechnet Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner vor. Die lokalen Behörden rechnen derzeit damit in zwei Wochen 90 Prozent der Bevölkerung wieder notstromversorgt zu haben. Das Wiederrichten der Masten wird dagegen Monate dauern. "Falls unser Einsatz länger als zwei Wochen dauern sollte, werden wir das sicherstellen können und wechseln unsere Kräfte weiter durch", kündigt Fahrafellner an. "Dass die Feuerwehr nach 24 Stunden im Einsatz erschöpft ist, ist eine Mär."

Applaus für die Helfer

Zum Teil herzergreifend sind die Geschichten, die die Kameraden vom Versorgungseinsatz mit in die Einsatzzentralen bringen. "Wir waren am Berg oben bei einer alten Frau. Die sitzt in ihrem eiskalten Haus, dort hat es vielleicht zehn Grad gehabt", erzählt Dominik Golser von der FF Amstetten.

Auch sein Vater Wolfgang ist mit nach Slowenien gekommen: "Ich hab einen pensionierten Arzt getroffen, der hat mir erzählt, dass sie heute Nacht eine Geburt gehabt haben. Ohne heißes Wasser, ohne elektrische Beleuchtung. Wie im Krieg, hat er gesagt." Er ist von der Dankbarkeit der Bevölkerung ganz ergriffen: "Die Leute haben geklatscht wie wir gekommen sind. Auf der Straßen sprechen die Menschen an und meinen: ,The Best!'" Ein Mann in Cerknica habe ihm erzählt, so eine Situation habe er in seinen 56 Lebensjahren nicht erlebt.

"Vielen Dank an alle Helfer", sagte auch Landesrat Stephan Pernkopf. "Euer Handeln zeigt, dass wir nicht nur daheim sondern auch beim Nachbarn schlagkräftig helfen können. Gott sei Dank haben wir auch die notwendige Ausrüstung dafür."

Todesfall bei Reparaturarbeiten

Unterdessen hat das Winterwetter in Slowenien das erste Todesopfer gefordert. Bei Reparaturarbeiten an einer umgestürzten Stromleitung in der Nähe von Maribor starb ein Elektriker. Der Unfall ereignete sich laut Medienberichten am Mittwoch gegen 18.00 Uhr auf dem Pohorje-Gebirge. Der 20-jährige Mann, der zusammen mit weiteren Mitarbeitern eine niedergerissene Stromleitung in einem Wald reparieren sollte, wurde durch einen Stromschlag getötet. Unklar war, weshalb die Leitung unter Strom stand.

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Eisschicht überzieht Slowenien:

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