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Chronik Österreich
09/26/2020

Instagram-Touristen: #allesfürsperfektefoto

Gut fürs (kostenlose) Marketing. Doch zuweilen wird der Andrang an den österreichischen Hotspots bereits zu viel.

von Elisabeth Holzer

Da baumelt ein junger Mann unter einer Hängebrücke und hält sich nur mit einer Hand fest. Fotografisch wurde das Kunststück natürlich festgehalten oder anders: Es wurde vermutlich überhaupt nur dafür gemacht - die Gage bestand aus herzigen Instagram-Likes.

Nun schwebt diese Brücke zwar nur zwei Meter über der Erde. „Aber irr sind solche Kunststücke schon“, kommentiert Willi Seifert vom Naturpark Zillertal. „Ein falscher Griff und der Typ landet im Stausee.“

Absturz wegen eines Fotos

Eine Gefahr, die in Bayern Ernst wurde: 2019 starben zwei Burschen, als sie in den Königsbach-Wasserfall in Berchtesgaden stürzten - sie hatten für das perfekte Bild posiert. Heuer war der Ansturm dort so riesig, dass die Verwaltung des Nationalparks sogar ein Betretungsverbot eines bei Foto-Jägern besonders begehrten Objekts andenkt: Ein kleiner Teich voller Quellwasser wurde auf Social Media als „Infinity pool“ dargestellt  - allein der Aufstieg dorthin ist nichts für Ungeübte, das Räkeln im Wasser zudem gefährlich, dahinter geht es steil bergab.

Von einer Sperre der Hängebrücke im Zillertal hält Willi Seifert wenig, wohl aber von einer Regulierung der Zufahrt über die Mautstraße etwa über ein Online-Reservierungssystem. Die Brücke, die sich in dem Tiroler Naturpark über den Stausee des Schlegeisspeichers spannt, ist weder lang noch besonders hoch, beschreibt Naturpark-Geschäftsführer Seifert. „Aber wenn man an der richtigen Stelle steht, dann ist das schon ein Motiv.“

Kein lockerer Spaziergang

So viel Motiv, dass diese Brücke mit dem türkisenblauen Teich darunter schon 110.000-mal auf Instagram verlinkt wurde. Was dabei meist nicht zu sehen ist: Um in die hübsche Kulisse zu gelangen, ist eine mehrstündige Wanderung nötig, Kondition und Bergschuhe sind also gefragt und nicht Flips-Flops und Sommerkleidchen. Auch solche Postings gab es schon, die suggerierten, es handle sich um einen lockeren Spaziergang.

Seifert schätzt, dass an schönen Sommertagen 100 bis 200 Personen nur deshalb den Berg nach oben steigen, um dort zu posieren und zu posten. „Das hat momentan schon Ausmaße angenommen, die gewisse Fragen aufwerfen, Kapazität der Brücke, Sicherheit der Leute. Manche unterschätzen den Berg leicht, andere haben überhaupt keine Ahnung.“

Von Dachstein bis Krimmler Wasserfälle

Im Februar, mitten im Winter, hätten Touristen nach der Brücke gefragt. „Teilweise haben die Leute keine Vorstellung, um welches Gelände es sich hier handelt.“

Medienbeobachtungsfirmen werten die „Hashtag-Präsenz“ von Tourismusmagneten aus. Unter den Wasserfällen lagen heuer die Krimmler Wasserfälle in den Hohen Tauern in Salzburg an erste Stelle: Bis Mitte August trugen rund 23.000 Postings ihren Hashtag, gefolgt von den Myrafällen in Niederösterreich (12.200) und dem Tiroler Stuibenfall (9.000)

Auch die virtuelle Präsenz der heimischen Bergwelt kann sich sehen lassen: Mit rund 130.000 Nennungen lag der Dachstein im steirisch-oberösterreichischen Grenzgebiet mit „Treppe ins Nichts“ und „Skywalk“ an der Spitze, gefolgt vom Arlberg (101.000) und dem Kitzsteinhorn (90.000).

Zahlen, die Schladming-Dachstein-Tourismuschef Matthias Schattleitner nur zu gerne liest. „Man kann immer alles als Fluch und Segen zugleich sehen. Aber die Vorteile von Instagram überwiegen.“ In der Region arbeite man daran, selbst Fotopunkte zu schaffen. „Man muss das aktiv angehen, dann kannst du was steuern. Sonst wirst du gesteuert.“

Reiseplanung nach Postings

Ein Teil der Gäste mache die Reiseplanung bereits nach Anregungen aus Instagram, weiß Schattleitner. „Je jünger die Zielgruppe, desto höher diese Wahrscheinlichkeit.“ Allerdings seien die Insta-Jünger nicht leicht zu locken: „Ob etwas zieht oder nicht, entscheidet immer noch die Crowd.“

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