© Jasmin Fischer

Chronik Österreich
11/07/2021

„Influencen“ direkt aus dem Kuhstall

Die studierte Historikerin Madeleine Becker zog vom Hörsaal auf den Bauernhof. 40.000 Follower sehen ihr dabei zu. Nur eines fehlt.

von Anja Kröll

15 Milchkühe, ein Stier, 15 Stück Jungvieh, 50 Hühner, ein Hahn, drei Kaninchen, drei Katzen und mittendrin Madeleine Becker. Seit zwei Jahren lebt die gebürtige Deutsche am Lindlerhof im kärntnerischen Mörtschach. Bauernhofleben auf 900 Metern Seehöhe zwischen Großglockner und Lienzer Dolomiten. So weit, so normal. Wären da nicht 40.000 Menschen, die jeden Schritt oder vielmehr jeden Post von Becker aka „frau_freudig“ auf Instagram verfolgen.

Denn die studierte Historikerin hat mit ihrem Umzug nach Kärnten auch ihre Community mit zum Bauernhofleben genommen.

Kein "glatt gelecktes" Profil

„Ich habe mich 2016 bei Instagram angemeldet. Als ich nach Mörtschach gezogen bin, fanden meine damals 10.000 Follower diese Reise nach Österreich und den Bauernhof mit Verlaub gesagt, so geil, dass sich die Sache von alleine entwickelt hat“, erzählt die Influencerin, die diesen Begriff eigentlich gar nicht mag. „Ich hätte mir doch nie gedacht, dass ich mit sozialen Medien einmal Geld verdiene. Influencerin wollte ich schon gar nie werden, da der Begriff sehr negativ konnotiert ist. Was schade ist, weil es ein echt anstrengender Job ist.“

Dass Beckers Zugang mit ihren Postings ein anderer ist, merkt man an ihrem Profil. Hinreißende Fotos von Kaninchen und Kuschelfotos mit Kühen verleiten zwar zur Bauernhof-Romantik, werden aber durch Texte über das eben nicht perfekte Leben und die Mühen des Bauernhofalltags durchbrochen. „Ich will keine verklärte Bauernhofidylle vermitteln. Ich finde nichts schlimmer als diese glatt geleckten Profile, wo alles fein ist und es keine grauen Tage gibt. Wenn ich fix und fertig nach Hause komme und so ein Profil sehe, dann kann ich nur mehr denken: Ich mach alles falsch“, erzählt Becker.

Insta-Bäuerin im 800-Einwohner-Dorf

Doch wie kam der Lindlerhof zu seiner Insta-Bäuerin? Becker kam eigentlich zum Urlauben auf den Hof, an den auch ein Campingplatz angeschlossen ist. „Ich war auf der Durchreise, wollte zwei Tage bleiben und am Ende sind zwölf daraus geworden“, erinnert sie sich. 2019 folgte dann ein Sommerpraktikum, bei dem sie drei Monate auf dem Hof mithalf. Und zur Liebe zum Bauernhofleben gesellte sich irgendwann die Liebe zum jüngsten Sohn der Bauernfamilie, Lukas. Am Ende packte sie ihre Koffer und zog von Jena ins knapp 800-Einwohner-Dorf Mörtschach. Ein Kulturschock? „Klar, ich vermisste die Stadt manchmal schon sehr. Aber das hier passt, wie man so schön sagt: Wie Arsch auf Eimer.“

"Die Damen" vom Hof

Kommendes Jahr wollen Becker und ihr Freund den Hof von den Eltern übernehmen. „Die Arbeit an der frischen Luft, wo man am Ende des Tages sieht, was man geleistet hat, das ist wunderschön.“

Am Hof haben es Becker vor allem die Kühe angetan, die sie liebevoll „die Damen“ nennt. So verwundert es auch nicht, dass der Sammelhashtag auf ihrem Profil #diemitderkuhtanzt lautet. Ihre Erlebnisse hat Becker in ein Buch verpackt. „Erstmal für immer. Vom Hörsaal in den Kuhstall“ erscheint im Jänner 2022. „Es geht um das Leben auf dem Land. Das manchmal ganz wunderbar und romantisch sein kann, aber eben auch einfach nur hart und anstrengend.“

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