Chronik | Österreich
22.10.2018

In Österreich sind Mordopfer überdurchschnittlich oft weiblich

Taucher suchten nach Mord in Zell am See die Waffe / Zahlen zeigen, dass bei Gewalttaten Frauen öfter Opfer sind

Jener Täter, der am Samstagabend in Zell am See (Salzburg) eine 20-jährige Einheimische durch mehrere Schüsse getötet hat, ist weiter auf der Flucht. Auch die Tatwaffe wird noch gesucht. Die Cobra tauchte am Montag nach dieser im Zeller See, wurde aber zunächst nicht fündig. Immerhin eine Täterbeschreibung auf Basis der Aussage einer Anrainerin gibt es: Männlich, schlank, circa 1,70 Meter groß, dunkel bekleidet und er hatte eine Kapuze über den Kopf gezogen.

Über das Motiv gibt es mangels Täter noch keine Informationen, dafür umso mehr Spekulationen. Laut Medienberichten sollte das Opfer im November in einem Drogenprozess als Zeugin aussagen. Das wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen weder bestätigen noch dementieren. Auch vonseiten der Justiz gab es dazu aus Opferschutzgründen keinen Kommentar.

„Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte Sprecherin Verena Rainer. Auch eine Beziehungstat wird nicht ausgeschlossen. Dass nach einem Verdächtigen gefahndet werde, einem gebürtigen Türken, der in Drogengeschäfte verwickelt gewesen sein soll, wurde ebenfalls nicht kommentiert.

Mordversuch in Niederösterreich

Die Bluttat reiht sich in eine Serie schwerer Gewalttaten an Frauen. In Rohrendorf bei Krems (NÖ) tappen die Ermittler bei der Motivsuche nach einem Mordversuch im Dunkeln. Walter A. hat in den Einvernahmen keine Gründe genannt, weshalb es in der Nacht im Schlafzimmer des Paares zur Tragödie gekommen ist. Der 50-Jährige soll seine um ein Jahr jüngere Frau mit einem Küchenmesser mehrmals in den Hals gestochen haben – womöglich als das Opfer schlief.

„Die Frau wurde bei dem Angriff lebensgefährlich verletzt. Er ließ von ihr ab und ging ins Freie, wo er auch von den eintreffenden Polizeibeamten angetroffen und festgenommen wurde“, erklärt Polizeisprecher Heinz Holub. Die 49-Jährige wurde notoperiert, ihr Zustand ist zwar immer noch lebensbedrohlich, aber stabil. Der Verdächtige ist bisher polizeilich ein unbeschriebenes Blatt. Weitere Aufschlüsse erwarten sich die Ermittler von der Befragung der Frau.

56 Prozent weiblich

In Österreich wurden heuer bereits 35 Morde und Mordversuche verübt, 31 Frauen verloren ihr Leben. Laut Eurostat (Europäisches Statistikamt) hat Österreich den unrühmlichen ersten Platz: Der Frauenanteil bei vorsätzlichen Tötungsdelikten ist europaweit am höchsten (siehe Grafik). 57 Mordopfer wurden 2016 hierzulande gezählt, bei denen 25 Männer und 32 Frauen gestorben sind: 56,1 Prozent der Opfer waren damit weiblich. Tschechien belegt Platz zwei (36 von 65), gefolgt von Lettland (34 von 69).

Statistisch gesehen komme im Vergleich zu den anderen EU-Ländern ein Mord in Österreich trotzdem eher selten vor. Pro 100.000 Einwohner komme man in Österreich auf 0,66 Tötungsdelikte, was in der unteren Tabellenhälfte zu finden ist. Zum Vergleich: In Deutschland erhält man einen Wert von 1,17.