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Chronik Österreich
03/19/2021

Impfung als Freunderlwirtschaft: Verdacht gegen mehrere Ärzte

Mehrere Verdachtsfälle gegen Arztpraxen in Niederösterreich werden geprüft. Vorwürfe über Whistleblower-System.

von Patrick Wammerl

Nicht die Hochrisikopatienten oder die über 80-Jährigen, sondern Familienmitglieder, Freunde, Bekannte und sogar Jugendliche sollen stattdessen den begehrten Pieks bekommen haben. Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, gibt es nach den Bürgermeistern als „Impf-Vordrängler“ die nächste Affäre rund um den Missbrauch mit gefragtem Corona-Impfstoff.

Laut Unterlagen, die dem KURIER zugespielt wurden, sollen bis zu drei Arztpraxen in Niederösterreich einen mehr als unorthodoxen Umgang mit der Verteilung des Corona-Impfstoffes betrieben haben. Anstatt gemäß dem nationalen Impfplan die vulnerablen Gruppen zu immunisieren, sollen die Mediziner bewusst andere Personen aus ihrem persönlichen Umfeld priorisiert haben. Genannt ist der Fall einer Ärztin und Gerichtssachverständigen, deren Kinder sogar extra für die Impfung aus dem Ausland nach Österreich zurückgekehrt sein sollen.

Ärztekammer wird eingeschalten

Auf Nachfrage bestätigt Patientenanwalt Gerald Bachinger, dass über das „Whistleblower-System“ der Patientenanwaltschaft diese Woche ähnlich gelagerte Vorwürfe eingelangt sind. Dabei wurden gleich mehrere Mediziner genannt. Aktuell gehe man dem Sachverhalt gerade nach. Auch die Ärztekammer und die zuständige Sanitätsdirektion werden über die möglichen Malversationen in Kenntnis gesetzt, bestätigt Bachinger.

Verfolgung

„So ein moralisch und ethisch verwerflicher Umgang wirft ein schlechtes Licht auf die große Mehrheit der Ärzte, die in der Pandemie hervorragende Arbeit leisten. Deshalb muss man solchen Missständen auch entschieden nachgehen“, sagt der Patientenanwalt. Die nötigen Schritte dazu werde er in die Wege leiten. Sollten sich die Fälle bestätigen, wird Bachinger außerdem ein Disziplinarverfahren bei der Ärztekammer anregen.

Da die Daten jeder Covid-19-Impfung auch im elektronischen Impfpass gespeichert werden, haben die Behörden die Möglichkeit einer Nachverfolgung. Beispielsweise dann, wenn der Impfstoff an Jugendliche gespritzt wird. Die Impfstoff von Biontech/Pfizer ist ab 16 Jahren zugelassen, jener von Astra Zeneca und Moderna ab 18 Jahren.

Für Restmengen gibt es Wartelisten

Generell bleibt bei fast jedem Impfstofffläschen eine Dosis als Restmenge übrig, die ebenfalls gemäß dem nationalen Impfplan injiziert werden soll. Dafür führen die Impfstellen Wartelisten mit entsprechend geeigneten Kandidaten. „Es herrscht dabei riesige Verunsicherung. Vor allem dann, wenn jemand von der Warteliste nicht erreicht wird“, sagt Stefan Spielbichler von der Impfkoordination in Niederösterreich. Seit der Debatte um die Impf-Vordrängler hätten die Impfstellen Angst, in Misskredit zu geraten. "Wir bekommen deshalb sehr viele Anrufe, weil Angst davor herrscht, die Impfdosen nicht an die richtigen Personen zu verimpfen", erklärt Spielbichler.

Es sei aber besser, irgend jemanden zu impfen, als den begehrten Impfstoff wegzuschmeißen. Auch dies sei nämlich schon vorgekommen. Bachinger begrüßt das transparente System der Wartelisten: "Das ist auch sinnvoll, damit keine Dosis übrig bleibt. Aber wenn nach einem System nur Günstlinge zum Zug kommen, bewegt man sich in den Niederungen der Korruption", sagt der Patientenanwalt.

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