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Chronik Österreich
08/01/2021

Impf-Lügen in Pfarrbrief: Verantwortlicher gilt als "stur"

In Preitenegg regt eine Mitteilung der Pfarre, in der von 12.000 Impftoten die Rede ist, auf. Diözese reagierte gelassen.

von Teresa Sturm

Im klassischen Pfarrbrief finden sich normalerweise Informationen zum katholischen Leben und Organisatorisches. Die aktuelle Mitteilung der Kärntner Gemeinde Preitenegg liest sich hingegeben anders. Darin ist von Impftoten und einer „Gefahr“ für Kinder zu lesen, wie die Kleine Zeitung berichtet.

„Es reicht! Schluss jetzt! Das Maß ist voll!“ ist auf der Titelseite zu lesen. Im Weiteren bezieht sich das Blatt auf angebliche Zahlen der Europäische Arzneimittel-Agentur EMA. Demnach wurden „in nur sechs Monaten alleine 12.000 Impfgetötete und 800.000 Impfgeschädigte“ verzeichnet. Doch dabei handelt es sich klar um eine Falschmeldung.

Eine Sprecherin der EMA kann sich die Zahlen nur durch eine Falschinterpretation der Daten, die öffentlich einsehbar sind, erklären. Das Pfarrblatt beschäftigt sich auf drei von den vier Seiten mit dem Thema Impfen.

"Impfverbrecher"

Dabei geht es auch um Kinderimpfungen. „Jetzt machen sich die Impfverbrecher schon über unsere Kinder her, die weder selbst Corona-gefährdet sind, noch eine Gefahr für andere darstellen“, wird da behauptet. Im Herbst gehe es „richtig los. Man wird Euch vielleicht sogar das Erziehungsrecht über Eure Kinder entziehen, wenn ihr Euch weigert“. Zuständig für den Inhalt des Blattes ist der Preitenegger Pfarrvorsteher, Eugeniusz Subocz, der für den KURIER nicht erreichbar war.

Gegenüber der Kleinen Zeitung verteidigte er sich damit, dass er die Passagen aus dem „Neuen Groschenblatt“ abgeschrieben habe. „Ich zweifle Sinn und Zweck der Corona-Impfung an. Die Leute sollen wissen, dass es viele Meinungen gibt“, sagt Subocz. Laut ihm soll im nächsten Pfarrbrief eine andere Meinung abgebildet werden.

Aussagen des Pfarrers waren auch in der Vergangenheit immer wieder Streitthema. Bereits vor fast genau einem Jahr trafen sich Vertreter von Pfarre und Vereinen um über und mit Subocz zu sprechen. Es gab Unmut über die Art, wie er das Amt führte.

Verschwörungstheorien

Unzufrieden zeigte sich auch Johann Sedlmaier, Generalvikar der Diözese Gurk-Klagenfurt. Er bestätigt, dass es mit Subocz auch bisher nicht immer leicht gewesen sei. Dieser gelte in der Bevölkerung als „stur“. Das Pfarrblatt sei nicht zur Verbreitung globaler Verschwörungstheorien vorgesehen: „Der Pfarrer ist nicht das Gesundheitsamt, für Corona sind Behörden und Ämter zuständig.“ Er möchte nun ein Gespräch mit Subocz führen, wie das Blatt künftig gestaltet wird.

„Er ist ein netter Mensch, aber, wenn er solche Ideen vertritt ... wie soll man das lösen?“, fragt Sedlmaier im Gespräch mit dem KURIER. „Es wäre jetzt an der Zeit, solche eingefrorenen Denkweisen aufzubrechen.“

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