Verwundert: IGGÖ-Präsident Ümit Vural (li.)

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Chronik | Österreich
12/10/2018

IGGÖ-Präsident Ümit Vural bietet Regierung Dialog an

Zurzeit prüft die IGGÖ, ob Rechtsmittel gegen das Kopftuchverbot im Kindergarten möglich sind.

Besonnen und diplomatisch gab sich der neue Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ), Ümit Vural, bei seiner Antrittspressekonferenz am Montag. Der türkis-blauen Bundesregierung, die den „politischen Islam“ in mehrerlei Hinsicht ins Visier nimmt – von der Schließung angeblich extremistischer Moscheen, über die Ausweisung aller ATIB-Imame, bis zum Kopftuchverbot im Kindergarten – wolle er dialogbereit gegenübertreten, erklärte der Jurist.

Er suche nicht die Konfrontation, sondern wolle sich auf dem Boden des Rechtsstaates für die Anliegen der Muslime einsetzen. Auf die aktuelle Kopftuch-Debatte angesprochen, sagt Vural: „Mir kann niemand erklären, dass Verbote von Kleidungsstücken mit den Menschenrechten, der Bundesverfassung oder einer liberalen Demokratie vereinbar sind.“ Jede Frau müsse selbst entscheiden dürfen, was sie trägt. Bei Kindern sei die Sache zwar anders gelagert, weil sich diese nicht bewusst für das Kopftuch entscheiden – Verbote seien aber auch hier destruktiv. Die IGGÖ setze auf Aufklärung und den Dialog mit den Eltern. Zudem prüfe man die Möglichkeit, rechtlich gegen das Kopftuchverbot für Kinder vorzugehen.

Apropos Frauen: Vural sagt, es sei ihm ein Herzensanliegen, diesen in der IGGÖ mehr Entfaltungsmöglichkeiten zu geben. Näher ins Detail geht er aber nicht.

Seine Ziele seien, gegen antimuslimischen Rassismus aufzutreten sowie gegen extremistische Tendenzen in den eigenen Reihen vorzugehen. Unter anderem will der neue Präsident die Imame-Ausbildung in Österreich forcieren.

Keine Einmischung von außen

Der türkischen Religionsbehörde Diyanet, zu der sein Vorgänger Ibrahim Olgun gute Kontakte pflegte, fühlt sich Vural ebenso wenig verpflichtet wie anderen externen Einflüsterern. „Ich lasse nicht zu, dass wir Vorgaben aus dem Ausland bekommen“, betont er.

Auf die ethnische Vielfalt im Obersten Rat angesprochen, antwortet der türkischstämmige Kurde: „Es gibt für mich keine Türken, Araber oder Bosnier, sondern nur österreichische Muslime.“ Man wolle nicht nach Ethnien differenziert werden. Genau wie sein Team sei er hierzulande aufgewachsen.

Eine ideologische Nähe zur Islamischen Föderation Wien (IFW), die der türkisch-nationalistischen Milli-Görüs-Bewegung nahesteht, stellt Vural in Abrede. Zwar sei er auf einem Ticket der Kultusgemeinde zur Wahl gestanden, er habe dort aber nie eine Funktion ausgeübt. Milli Görüs sei für ihn „mein Vater, der mich mit sechs Jahren in die nächste Moschee mitgenommen hat, weil ihm das ehrenamtliche Engagement wichtig war“. Das habe ihn geprägt. „Mehr war es nicht.“