© Michaela Reibenwein

Chronik | Österreich
06/25/2019

Ibiza-Affäre: Prozess gegen Sicherheitsberater und Erfinder der „Ibiza-Methode“

Sascha Wandl steht am Mittwoch in Krems vor Gericht. Auslöser war seine Selbstanzeige. Indes trägt er laut Anwalt wesentlich zur Aufklärung der Ibiza-Affäre bei.

Verleumdung, Vortäuschung von Straftaten, Gläubigerschädigung, betrügerische Krida und schwerer gewerbsmäßiger Betrug – am Mittwoch geht es im Saal G des Landesgerichts Krems für den fragwürdigen Sicherheitsberater Sascha werner Wandl ums Eingemachte. Doch der Prozess wird eigentlich im Zeichen der Ibiza-Affäre um HC Strache und Johann Gudenus stehen.

Denn: Mit Julian H., Edis S. und Slaven K. fährt das Gericht drei Belastungszeugen gegen Wandl auf, die bei Erstellung des geheimen Videos auf Ibiza ihre Hände im Spiel gehabt haben sollen. Die beiden in Salzburg lebenden Männer S. und K. sollen per Videoleitung vom Gericht in Krems einvernommen werden, Julian S., der sich angeblich in Berlin aufhält, will per Skype als Zeuge aussagen.

Und es war „Kronzeuge“ Wandl, der in diversen TV-Interviews seine Ex-Mitarbeiter Julian H., Edis S. und Slaven K. als Beteiligte per der Erstelluings des Ibiza-Videos auf den Markt warf. Er erklärte auch dem KURIER, warum er sich dabei so sicher sei. Außerdem soll einer des Trios auf dem Video teilweise zu sehen sein.

Die Gruppe Sicherheit GmbH

Denn die Methode, Zielpersonen unter falschem Vorwand de facto aufs Kreuz zu legen, soll Wandl mit seiner Truppe über die Jahre für zahlungskräftige Kunden ausgetüftelt und immer wieder angewandt haben.

Im Februar 2016 hatte Wandl, früher Inhaber der „Die Gruppe Sicherheit GmbH“ in Krems, Selbstanzeige erstattet. „Er wolle von seiner kriminellen Vergangenheit loskommen“, wird in den Akten als Grund angeführt.

Schwere Anschuldigungen: Betriebsspionage?

In der Anzeige bezichtigte er sich selbst und zwölf weitere Personen der Betriebsspionage, darunter auch seine drei Ex-Mitarbeiter. Wandl behauptete, seine Truppe habe im Auftrag der Deutschland-Tochterfirma einer österreichischen Industriegruppe eine Mitbewerber-Firma ausspioniert.

Wie in der Ibiza-Affäre soll sich seine dubiose Schnüfflertruppe „unter Vorspiegelung redlicher Absichten“ und „Nutzung falscher Namen“ an Vertreter des Mitbewerbers herangepirscht haben. Ziel soll gewesen sein, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, um an Geschäftsgeheimnisse zu gelangen. Später hat Wandl aber die Seiten gewechselt.

Fragwürdiger Anwalt involviert

In der weiteren Folge kam es zu einem rechtlichen Schlagabtausch zwischen der österreichischen Industriegruppe und dem angeblich betroffenen Mitbewerber. Sie warfen sich gegenseitig Wirtschaftsspionage vor. Detail am Rande: Anwalt der Deutschland-Tochter der österreichischen Industriegruppe ist beziehungsweise war genau jener Wiener Anwalt, der seine Involvierung in der Erstellung des Ibiza-Videos um Gudenus und Strache einräumte. Er behauptet, es handle sich um ein journalistsch-investigatives Projekt.

Zwölf Personen angeblich falsch beschuldigt

Am Ende wurden die Spionage-Vorwürfe gegen Wandl und die anderen zwölf Personen eingestellt. „Die Staatsanwaltschaft führte in ihrer Einstellungsbegründung an, dass die Behauptungen Wandls einer objektiven Prüfung großteils nicht standgehalten hätten“, hält das Gericht fest.

Während das Landeskriminalamt NÖ Wandls Aussagen Glauben schenkte, stempelte der Verfassungsschutz (BVT) Sascha Wandl eher als unglaubwürdigen Wichtigtuer ab.

Vorwurf: Vortäuschung von Straftaten

Die Staatsanwaltschaft drehte den Spieß um. Sie klagte Wandl wegen Verleumdung von zwölf Personen und wegen Vortäuschung von Straftaten (Betriebsspionage) an. Zugleich ließ die Anklagebehörde die Bücher von Wandls Sicherheitsfirma von einem Sachverständigen durchleuchten. Der Gutachter kam zum Schluss, dass Wandl rund 344.700 Euro „unzulässige Gewinnausschüttung“ aus der Firma entnommen habe.

Informanten bezahlt

Wandl bestreitet die Vorwürfe. „Mein Mandant sagt, er hat das Geld für die Bezahlung von Informanten verwendet“, sagt Wandls Verteidiger Sebastian Lesigang zum KURIER. „Aber Buchführung war nicht seine Stärke.“ Sein Mandant sei wesentlich an der Aufklärung der Ibiza-Affäre beteiligt, weil er seine Methode erkannt hat.“ Wandl sei schon zwei Mal von Beamten des Bundeskriminalamts dazu vernommen worden.