Chronik | Österreich
31.07.2018

Salzburg: Diebstahls-Krimi um eine Mount-Everest-Legende

Spielten ein Anwalt und eine Umzugsfirma bei Diebstahl einer raren Hubbard-Medaille mit?

Es gibt Auszeichnungen, die werden so selten vergeben wie Olympische Spiele stattfinden. Die „Hubbard-Medaille“ der National Geographic Society in Washington gehört dazu. 30-mal wurde sie bisher seit dem Jahr 1906 vergeben, die Ausgezeichneten lesen sich wie das who-is-who der Weltgeschichte: Neil Armstrong, der erste Mann auf dem Mond. Der Südpol-Entdecker Roald Amundsen, die Primatenforscherin Jane Goodall und Charles Lindbergh, der als erster den Atlantik überflog.

Unter den Preisträgern ist Norman Dyhrenfurth, in Bergsteigerkreisen eine Legende. Er bestieg als erster US-Amerikaner 1963 den Mount Everest, er drehte Filme mit Sean Connery (Am Rande des Abgrunds) oder Clint Eastwood (Im Auftrag des Drachen). Im Mai 2017 starb der Alpinist 99-jährig in Salzburg – dort lebte er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Maria Sernetz.

Ein Anwalt half ihr bei der Abwicklung des Erbes und beauftragte eine Umzugsfirma, damit die Auszeichnungen und Erinnerungsstücke in ihr neues Appartment übersiedelt werden konnte.„Beim Umzug im April wurden die Sachen gestohlen, für mich war das ein Hammer“, berichtet die 99-jährige Sernetz dem KURIER. Allein der Wert der Goldmedaille ist hoch: „10.000 Euro, aber viel wichtiger ist der ideelle Wert. Das tut mir schon sehr weh“, meint sie.

Sernetz vermutet, dass Anwalt und Umzugsfirma hinter dem Diebstahl stecken. „Es gibt noch einen zweiten ähnlichen Fall“, sagt sie. Außerdem sei bei ihr eine Woche nach der Tat eingebrochen worden. „Ich habe denjenigen gesehen. Es war einer von der Umzugsfirma“, berichtet sie. Die Salzburger Polizei bestätigt, dass das Landeskriminalamt in der Causa ermittelt hat. Die Ergebnisse liegen bei der Staatsanwaltschaft, angeklagt werden allerdings nur die Mitarbeiter der Umzugsfirma (nicht der Anwalt).

Das Bundeskriminalamt Wien hat die wertvolle Münze auf seiner Fahndungsseite hochgeladen und sucht allfällige Zeugen, die die Medaille seit April gesehen haben.

Die „Hubbard-Medaille“ wird meist vom jeweils amtierenden US-Präsidenten vergeben, die erste 1906 von Theodor Roosevelt an den Polarforscher Robert Peary. Norman Dyhrenfurth bekam seine 1963 von John F. Kennedy für seine Everest-Besteigung überreicht – zehn Jahre nach Edmund Hillary.

Die Südtiroler Bergsteigerlegende Reinhold Messner nannte Dyhrenfurths Expedition „eine der großen Taten des Alpinismus.“ Der KURIER besuchte ihn in den vergangenen Jahren mehrfach. Sein größtes Thema war dabei stets, was mit seinen Erinnerungsstücken künftig passieren wird: „Es würde mir eine Befriedigung geben, wenn sich die Menschen einmal an mich erinnern werden und ich nicht nach fünf Minuten vergessen bin“, sagte er in einem Interview.