Chronik | Österreich
11.10.2017

Hektischer Olympia-Endspurt auf letzten Metern zur Volksbefragung

Das Pro-Lager trommelt vor entscheidendem Votum in Tirol am Sonntag nach Kräften.

Treffen sich DJ Ötzi und der Chef des Tiroler Landestheaters im Innsbrucker Hofgarten: Das könnte durchaus als Einstieg in einen gelungenen Witz funktionieren. Aber vielmehr holten Tirols Landeshauptmann Günther Platter und seine Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) am Dienstag den Tiroler Schlagersänger und den Theaterintendanten Johannes Reitmeier als Olympia-Befürworter vor den Vorhang.

Das Duo sollte als Beleg dafür dienen, dass auch das "kulturelle Tirol" die Bewerbung für die Winterspiele 2026 unterstützt, wie es in der Einladung hieß. Am Sonntag werden die Tiroler bei einer Volksbefragung – parallel zur Nationalratswahl – darüber abstimmen, ob Tirol/Innsbruck eine Kandidatur wagen soll. Im Endspurt bis zum Votum lässt das Pro-Lager keinen Tag vergehen, ohne dass nicht bei einem Event Unterstützer für ein "Ja" trommeln.

Unzählige Sportstars haben sich vor den Karren gespannt, Wirtschaftsvertreter bekunden ihre Olympia-Liebe und eine von Stadt, Land und ÖOC vor einem Monat gestartete Info-Kampagne ist längst zu einer Werbetour mutiert. Hinter den Kulissen soll die Nervosität aber bei den Befürwortern groß sein. Landeshauptmann Platter gab sich am Dienstag hingegen optimistisch. "Ich spüre, dass gerade zum richtigen Zeitpunkt durchschlägt, dass es um was geht", lautete sein Befund zur Stimmungslage in der Bevölkerung. Er rechne mit einem Ja am Sonntag. "Ich würde es so sehen, dass eine große Chance vertan ist, wenn es negativ ausgeht", erklärte der Landeschef auf Nachfrage.

Für und Wider

Große Chance oder großes Risiko? An dieser Frage scheiden sich bei Olympia-Befürwortern und -Gegnern die Geister. Auf landespolitischer Ebene tritt nur die Liste Fritz offen gegen eine Kandidatur auf. " Olympische Spiele sind sauteuer und brandgefährlich", lautet der Tenor bei der kleinen Oppositionspartei. Argumente gibt es sowohl für als auch gegen eine Bewerbung. Hier die wichtigsten:

+ Gute Chancen: Das IOC scheint gewillt, die Winterspiele weg von der Gigantomanie zurück zu den Wurzeln zu führen. Tirol hätte deshalb gute Chancen für einen Zuschlag.

+ Konzept: Für die Spiele sollen keine neuen Sportstätten gebaut werden, sondern nur bestehende genutzt werden. Die Zuschauerzahlen sollen sich nach den Kapazitäten richten.

+ Budget: Die Durchführung des Großevents soll ohne Steuergelder und nur mit den Einnahmen von kalkulierten 1,175 Milliarden Euro finanziert werden, die Spiele selbst eine regionale Wertschöpfung von 970 Millionen Euro auslösen.

- Sicherheitskosten: Kritiker bemängeln, dass die Höhe der vom Bund zu tragenden Sicherheitskosten unklar ist. Sie sehen in Winterspielen zudem ein potenzielles Anschlagsziel.

- Budgetminus: Gegner befürchten zudem, dass das Budget des Großevents aus dem Ruder laufen könnte. Das Vertrauen gegenüber dem IOC ist enden wollend.

- Effekt: Fraglich ist, welchen langfristigen Nutzen Tirol von einer dritten Auflage Olympischer Spiele hätte. Das ÖOC argumentiert zwar mit dem Werbewert, sieht Tirol als Tourismusland gleichzeitig aber schon jetzt an der Kapazitätsgrenze.