Trauer um Lucile K. am Innufer in Kufstein

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10.000 Euro Belohnung
01/17/2014

Heiße Spur im Mordfall Lucile K.

Polizei sucht mit Phantombild nach Verdächtigem. Große Verunsicherung in Kufstein.

von Christian Willim

Fünf Tage nachdem die Leiche einer französischen Studentin in Kufstein am Inn entdeckt wurde, hat die Polizei nun eine erste heiße Spur. Sie konnte am Donnerstag das Phantombild eines 35 bis 40 Jahre alten Mannes veröffentlichen. „Es gab Zeugenaussagen, die einen zeitlichen und örtlichen Zusammenhang nahe legen“, erklärt Chefermittler Walter Pupp. Der 1,70 bis 1,80 Meter große Verdächtige trägt einen auffälligen Lippenbart. Das Landeskriminalamt Tirol hofft nun auf zweckdienliche Hinweise, die an jeder Polizeidienststelle abgegeben werden können. „Die Stadt und die FH haben eine Belohnung von 10.000 Euro ausgesetzt“, sagt Pupp.

Dass der Täter bislang nicht gefasst werden konnte, sorgt in Kufstein für große Verunsicherung. Anna Ritter marschiert mit einem Rollkoffer über die Innpromenade der Stadt. „Ich bin jetzt erst einmal zu einer Freundin gezogen“, sagt die Wienerin, die gerade ihr erstes Semester an der Fachhochschule absolviert. Im Studentenheim fühlt sie sich nicht mehr wohl. Die Unterkunft liegt am Flussufer nur wenige Gehminuten von jener Stelle entfernt, wo Polizisten die Leiche von Lucile K. entdeckt haben. „Im Heim herrscht nun eine komische Stimmung. Viele wollen übers Wochenende wegfahren“, sagt Ritter.

Die französische Austauschstudentin Lucile K. wurde in der Nacht auf Sonntag auf dem Weg von ihrer WG zu einer Freundin erschlagen. Die 20-Jährige war eine von rund 80 Erasmus-Studenten an der FH. Die kommen auch hierher, um ihr Auslandssemester in der Sicherheit einer Kleinstadt mit etwa 18.000 Einwohnern genießen zu können. Es war unter den jungen Frauen der Uni-Community normal, dass sie sich nach dem Ausgehen alleine auf den Heimweg gemacht haben. Doch Sorglosigkeit und Partystimmung sind nach dem gewaltsamen Tod der Französin Vergangenheit.

Der Tatort ist keine abgelegene Stelle. Untertags sind hier am Fuße der Festung Kufstein Mütter mit Kinderwagen, Jogger und Spaziergänger unterwegs. Den Passanten ist die Betroffenheit ins Gesicht geschrieben, wenn sie an der Gedenkstätte vorbeikommen, die nahe dem Fundort der Leiche errichtet wurde. „Das stimmt mich so traurig. Alle haben jetzt Angst, die ganze Umgebung“, erzählt Anneliese Burghard.

Weiterer Überfall

Zudem ist es nicht der einzige Überfall, der geschehen ist. Die 60-Jährige wohnt in einer nicht weit entfernten Straße, wo kurz nach Weihnachten eine junge Frau von zwei Männern niedergeschlagen und ausgeraubt wurde. Die Polizei untersucht einen möglichen Zusammenhang zwischen den Verbrechen. Das es einen gibt, davon ist man im Gasthof Adler, der in unmittelbarer Nähe zum ersten Tatort liegt, laut Wirtin Edith Schweiger überzeugt.„Viele Gäste, die Kinder haben, sagen jetzt, dass sich die jungen Mädchen abholen lassen oder mit dem Taxi fahren müssen.“

Hubert Andreutz ist einer von ihnen. „In mir kommen Hassgefühle auf. Meine Tochter ist 19 Jahre alt.“ Michelle sitzt neben ihm am Tresen und muss nicht lange überzeugt werden, nachts nicht ohne Begleitung durch die Stadt zu gehen. „Ich traue mich nicht mehr alleine auf die Straße.“

Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel hat jetzt mehr Polizeipräsenz versprochen. Außerdem will er die Beleuchtung an der Innpromenade verbessern lassen.

Nadja Ascher ist hier jeden Tag unterwegs. Sie wohnt im Stadtteil Endach, für dessen Bewohner der Weg am Fluss die schnellste Fußverbindung ins Zentrum von Kufstein darstellt. „Ich war geschockt, als ich von dem Mord gehört habe“, erzählt die 23-Jährige. „Das ist auch meine Laufstrecke. Ich nehme jetzt wieder einen Pfefferspray mit.“

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