© Landtag Steiermark / Erwin Scheriau

Steiermark
05/05/2020

Heikle Diskussion über Corona-Opfer

Von 134 Covid-19-Todesfällen in der Steiermark betrafen 72 Pflegeheimbewohner, Durchschnittsalter lag bei 83 Jahren.

von Elisabeth Holzer

Als die Grünen am 22. April ihre Anfrage einbrachten, galten 1.670 Steirer als mit dem Coronavirus infiziert. Mit 109 Corona-Todesopfern führte das Bundesland diese traurige Statistik an.

Hoher prozentueller Anteil

Seither sind zwei Wochen vergangen. Die Anzahl der Todesopfer stieg auf 134, jene der bestätigten Covid-19-Fälle auf 1.774. Wien hat zwar nun in absoluten Zahlen einige Tote mehr zu beklagen (137 Fälle mit Stand Dienstagfrüh), jedoch ist der prozentuelle Anteil in der Steiermark unweigerlich höher: 7,6 Prozent der Infizierten in der Steiermark seien gestorben, rechnet Sandra Krautwaschl, Klubobfrau der Grünen, am Dienstag vor.

So hoch war der Anteil in keinem anderen Bundesland. „Wir haben mit Abstand das größte Problem“, betont Krautwaschl und vermutet, dass dies mit der großen Anzahl privater – also gewinnorientierter – Heime in der Steiermark zu tun habe. „Dieses System ist nicht krisenfest, nicht gerecht und auf Dauer nicht gut finanzierbar.“

Die Grünen machen am Dienstag im Landtag in einer Anfrage an Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) die hohe Anzahl an Todesopfern zum Thema. „Hier geht es nicht um Schuldzuweisungen“, versichert Krautwaschl. „Sondern darum, aus Fehlern zu lernen. Damit man, wenn es zu einer zweiten Welle kommt, nicht wieder das Gleiche falsch macht.“

283 Heimbewohner infiziert

Bogner-Strauß’ Antwort klärt zwar nicht die vermeintlichen Fehler, die die Grünen orten. Aber sie gibt Einblick in Zahlen. Demnach waren 283 Bewohner von Heimen nachweislich infiziert, 72 starben das sind mehr als die Hälfte aller Todesfälle. 60 starben im Spital, zwölf im Heim. Das entspreche europäischen Statistiken, merkt Bogner-Strauß an: 45 bis 55 Prozent der Todesfälle seien Heimbewohner.

Das durchschnittliche Alter der steirischen Opfer habe 83,3 Jahre betragen, lässt Bogner-Strauß noch wissen. 43,6 Prozent seien 85 Jahre oder älter gewesen, 42,6 Prozent zwischen 75 und 84 Jahre. Das jüngste Todesopfer war 61 Jahre alt.

Viele Pflegebetten

Die Gesundheitslandesrätin führt die hohen Todesfallzahlen auf die Altersstruktur und die Anzahl an Pflegebetten (14.000) zurück.

Allerdings sei eine ausschließliche Rechnung mit Todeszahlen „für eine Analyse ungeeignet“, betont sie und verweist auf eine andere Methode: „Alterstandardisiert“ liege die Steiermark gleichauf mit Wien, Niederösterreich, Salzburg und Tirol.

Der Kritik am großen Anteil privater Heime im Bundesland kontert sie mit Zahlen: Es seien zehn Prozent der Betten in privaten Heimen betroffen gewesen, aber 15 Prozent der gemeinnützigen. Anders aufgeschlüsselt liest sich das aber so: Unter den 26 Heimen, in denen es Covid-19-Fälle gab, sind 16 private.

Und jetzt?

So manchen Abgeordneten lässt dies jedoch ratlos zurück. „Mir fehlt jetzt das Fazit aus der Sache“, überlegt die grüne Klubchefin Krautwaschl. „Ist jetzt das Fazit, dass eh alles passt? Oder ist es, dass man in manchen Punkten noch einmal genauer hinschauen muss?“

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