Chronik | Österreich
11.08.2017

Verwüstungen und Sperren nach Unwettern

Zugausfälle in Ostösterreich. 1.250 Feuerwehrleute in NÖ im Einsatz. Hunderte Haushalte in Kärnten ohne Strom. Dächer wurden abgedeckt, vielerorts Aufräumarbeiten nach Muren. Tiroler Brennerbundesstraße zumindest bis Samstag gesperrt.

Heftige Unwetter sind seit Donnerstagabend über einen Großteil des Bundesgebiets hinweggezogen. Der Wind deckte Dächer ab, Straßen wurden durch Bäume blockiert. Viele Haushalte waren ohne Strom.

120.000 Blitzentladungen

Das Blitzortungssystem von UBIMET registrierte insgesamt 119.385 Blitzentladungen, die meisten mit 45.462 in Niederösterreich, gefolgt von 39.265 in der Steiermark und 13.522 in Kärnten. Dazu gab es stellenweise Orkanböen, besonders betroffen war das Burgenland: In Neusiedl am See wurden 130 km/h, in Bruckneudorf 126 km/h und in Podersdorf 122 km/h gemessen. Aber auch im steirischen Irdning wurden schwere Sturmböen von 101 km/h erreicht. Dazu gab es teils große Regenmengen, etwa im Kärntner Dellach im Drautal mit 69 Liter pro Quadratmeter.

Zugausfälle in Ostösterreich

Wegen der heftigen Unwetter wurden auch mehrere Zugstrecken im Burgenland und Niederösterreich unterbrochen. Die ÖBB meldete auf ihrer Homepage am Freitag, dass zwischen Wulkaprodersdorf und Eisenstadt voraussichtlich bis 12.00 Uhr keine Züge fahren können.

Auch die Raaberbahn konnte zwischen Neusiedl am See und Bad Neusiedl am See wird bis zu Mittag nicht verkehren. Die Ostbahnstrecke zwischen Wien Stadlau und Marchegg war unterbrochen. Ausfälle infolge der Unwetterschäden gab es auch zwischen Bad Sauerbrunn und Mattersburg sowie zwischenzeitlich zwischen Bruck an der Leitha und Nickelsdorf.

Behinderungen am Grenzübergang

Am Grenzübergang Nickelsdorf (Bezirk Neusiedl am See) mussten am Freitagnachmittag ÖAMTC-Angaben zufolge die Pkw-Spuren für die Einreise nach Österreich gesperrt werden. Laut ÖAMTC sollte die Sperre ab 13.00 Uhr gelten. Als Dauer wurden fünf Stunden angegeben. An Kraftfahrer erging wegen der erwarteten erheblichen Verkehrsbehinderungen der Rat, den Grenzübergang Nickelsdorf zu meiden.

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Die Bundesländer im Überblick

Wien: 200 Einsätze in der Nacht

Die Wiener Berufsfeuerwehr ist in der Nacht auf Freitag wegen des Unwetters rund 200 Mal ausgerückt. Die meisten Einsätze waren wegen des Sturms und wurden wegen "umgestürzter Bäume oder Bäume, die umstürzten drohen" alarmiert, sagte Feuerwehrsprecher Lukas Schauer. "Uns sind keine Verletzten bekannt", sagte der Sprecher. Immer wieder waren auch Bäume oder Äste auf Fahrzeuge gestürzt.

NÖ: Mehr als 1.200 Feuerwehrleute im Einsatz

119 Feuerwehren mit etwa 1.250 Mann sind am Donnerstagabend bzw. in der Nacht auf Freitag in Niederösterreich im Unwettereinsatz gestanden. Eine Gewitterfront mit heftigen Sturmböen war vom Süden über das Land gezogen, teilte Alexander Nittner vom Landeskommando NÖ mit. Es war die zweite an diesem Tag.

Laut Nittner mussten vor allem Sturmschäden beseitigt werden. Bäume seien in Stromleitungen und auf Straßen gestürzt, u.a. auch auf die Ostautobahn (A4). Keller mussten ebenfalls ausgepumpt werden.

Allein im Bezirk Baden standen 29 Feuerwehren mit etwa 200 Helfern im Einsatz. Eine erste massive Gewitterfront war schon am Nachmittag eingetroffen. Heftige Niederschläge waren von Sturmböen um die 100 km/h begleitet. Straßen und Keller wurden überflutet, Bäume entwurzelt.

Kaum waren die meisten Einsätze abgearbeitet, traf gegen 22.00 Uhr "eine weitere, fast noch heftigere Gewitterzelle" den Bezirk. Die Sturmböen waren derart stark, dass etwa in Trumau und Weigelsdorf sogar Dächer weggerissen wurden. Neuerlich wurden Straßen überflutet, Wasser drang in Häuser ein. Die Aufräumarbeiten dauerten bis Freitag in der Früh.

In Wiener Neustadt lösten sich Teile des Flachdaches bei einer Tankstelle. Die Feuerwehr meldete insgesamt 30 Unwettereinsätze. Dutzende weitere habe es zudem im Bezirk Wiener Neustadt gegeben. Bis zu 27 Feuerwehren rückten aus. Größtenteils handelte es sich um Einsätze, bei denen Bäume von Straßen entfern werden mussten, berichtete das Bezirkskommando.

Steiermark: Hagel, Sturm und Brände nach Blitzen

Neben der Obersteiermark, wo der Sturm zehn Hektar Wald in Kleinsölk umgeworfen hat, haben die Unwetter am Donnerstagabend vor allem den Osten der Steiermark getroffen. Insgesamt waren bei 216 gemeldeten Einsätzen 170 Feuerwehren eingesetzt. Im Großraum Liezen traten Bäche über die Ufer, ein Autohaus stand unter Wasser.

Der Feuerwehrverband listete als die am meisten betroffenen Bezirke Leibnitz, Hartberg-Fürstenfeld, Südoststeiermark und Weiz auf. In letzterem wurden zwei Wirtschaftsgebäude von Blitzen getroffen. Eines der Gebäude brannte nahe Birkfeld bis auf die Grundmauern nieder. Beim Einsatz wurde ein Feuerwehrmann leicht verletzt.

In Floing wurden 20 Kühe aus einem brennenden Stall gerettet. Rund 2.000 Haushalte in der Ober-, Süd-und Südoststeiermark waren vorübergehend ohne Strom. Hagel und Sturmböen gab es auch in Graz. Das Lake Festival am Schwarzlsee südlich der Landeshauptstadt war mehr als eine Stunde lang unterbrochen.

Die Bezirke Murau und Murtal kamen diesmal mit einem blauen Auge davon. Rund um den Red Bull Ring in Spielberg (Bezirk Murtal), wo die MotoGP das Wochenende über gastiert, verlief die Nacht auf Freitag relativ ruhig. Die Trinkwasserversorgung in St. Peter am Kammersberg (Bezirk Murau) konnte wieder hergestellt werden.

Bereits Donnerstagabend hatte der Sturm im Ortsteil Hinterwald in der Kleinsölk (Bezirk Liezen) rund zehn Hektar Wald auf aufgeweichtem Boden umgerissen. Dabei wurden auch ein Wohnhaus und ein Carport getroffen. Von Verletzten war vorerst nichts bekannt.

Kärnten: Campingplatz verwüstet, Stromausfälle

Nach erneuten schweren Unwettern in der Nacht auf Freitag haben in Kärnten die Aufräumarbeiten begonnen. Rund zehn Feuerwehren waren am Vormittag noch im Einsatz. Sie legten Straßen frei, zersägten umgestürzte Bäume und räumten Teile von abgedeckten Dächern weg. Rund 650 Haushalte waren laut Auskunft des Energieversorgers Kelag in der Früh noch ohne Strom, die meisten davon im Gitschtal. Während der Nacht, als mehrere Gewitterfronten über das Land zogen, waren Tausende Haushalte ohne Elektrizität.

Von den Unwettern am meisten betroffen war dieses Mal der Oberkärntner Raum mit den Bezirken Spittal und Hermagor, teilweise auch Villach-Land und Feldkirchen. Häuser wurden abgedeckt, Muren gingen ab, Bäche traten über die Ufer, Keller wurden überschwemmt, zahlreiche Bäume stürzen um und richteten Schäden an. Ein Campingplatz in Möllbrücke musste evakuiert werden, es gab Verletzte.

Der Bahnhof von Sachsenburg wurde von den Sturmböen teilweise abgedeckt. Die Drautalstrecke zwischen Lendorf und Greifenburg war in den Abendstunden gesperrt. Dachteile waren auf die Gleise und auf die Stromleitung gefallen. Die Schäden sind beträchtlich, der Bahnhof muss nun trockengelegt werden.
Die Farchtensee Straße (L34) bleibt bis auf Weiteres gesperrt. Eine Mure und umgestürzte Bäume haben die Fahrbahn verlegt. Laut Polizei betrifft dies auch die Goldeck-Panoramastraße.

Burgenland: Bis zu 40.000 Haushalte ohne Strom

An die 170 Wehren waren im Burgenland im Einsatz, um Schäden zu beseitigen und Aufräumarbeiten durchzuführen. Der Wind deckte Häuser ab, umgestürzte Bäume blockierten Straßen, es kam zu Stromausfällen. Bis zu 40.000 Haushalte seien vorübergehend ohne Strom gewesen, teilte die Netz Burgenland mit. Die Ausfallsdauer reichte nach Angaben der Netz Burgenland von wenigen Minuten bis zu mehreren Stunden. Auch im Bahnverkehr gab es Unterbrechungen.

In Wulkaprodersdorf (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) deckte der Wind das Dach der Volksschule komplett ab. Auch Klingenbach wurde von orkanartigem Sturm heimgesucht, der viele Bäume umstürzen ließ.

In der Früh waren im Nordburgenland mehrere Feuerwehren mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Ausgerückt waren etwa Kräfte in Eisenstadt, Siegendorf (Bezirk Eisenstadt-Umgebung), Wulkaprodersdorf, Bruckneudorf (Bezirk Neusiedl am See) und Gols.

Die Unwetter haben in der Landwirtschaft nach ersten, vorsichtigen Schätzungen einen Schaden von mehr als einer Million Euro verursacht. Der Sturm war mit Spitzen bis zu 130 km/h über das Land gefegt. Schwere Schäden seien vor allem bei Folientunneln und Glashäusern zu verzeichnen.

Tirol: Brennerbundesstraße gesperrt

In Tirol bleibt die Brennerbundesstraße (B182) zwischen Mühlbachl und Schönberg zumindest bis Samstag gesperrt. Ob eine Freigabe am Sonntag möglich ist, hängt vom Fortschritt bei den Aufräumarbeiten ab. Die Umleitung erfolgt über die mautpflichtige Brennerautobahn (A13).

Salzburg: Aufräumarbeiten nach Murenabgängen

In Hintermuhr (Lungau) sind am Donnerstagnachmittag während eines starken Unwetters in zwei Gräben mehrere Muren abgegangen. Dadurch wurde eine Gemeindestraße auf einer Länge von rund 500 Metern überflutet. Personen wurden nicht verletzt.

Weitere Bilder von den Unwettern

Unwetter in Österreich: Impressionen

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Schwere Unwetter im Bezirk Baden (NÖ)

Schäden am Wald in der Gemeinde Kleinsölk (STMK)