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© APA/HELMUT FOHRINGER

Hass im Netz richtet sich vor allem gegen Moslems und Flüchtlinge

Hass im Netz richtet sich vor allem gegen Moslems und Flüchtlinge

Laut einer Analyse der Beratungsstelle #GegenHassimNetz fallen mehr als vierzig Prozent der dokumentierten Hasspostings unter den Verhetzungsparagraphen oder das NS- Verbotsgesetz. Vor allem Jugendliche sind den Inhalten ausgesetzt.

03/02/2018, 12:29 PM

Einmal so richtig die Sau rauslassen und allen anderen sagen, wie sehr sie einem zuwider sind – die scheinbare Anonymität des Internets stellt für viele eine Gelegenheit dar, genau das zu tun. Auf Social-Media-Plattformen werden Frauen mit Kopftuch genauso pauschal zu Terroristinnen, wie jene in kurzen Röcken zu Schlampen, FPÖ-Wähler zu Nazis und Grüne zu „linken Zecken“. In vielen Fällen handelt es sich dabei nicht schlicht um Meinungsverschiedenheiten, sondern um strafrechtlich relevante Handlungen.

Allein in den vergangenen sechs Monaten hat die Beratungsstelle #GegenHassimNetz, die vom Verein ZARA betrieben wird, insgesamt 701 Fälle von Online-Hass und Hetze sowie Cyber-Mobbing dokumentiert. Mehr als 40 Prozent davon verstoßen gegen den 2016 eingeführten Verhetzungsparagraphen oder das NS-Verbotsgesetz. Am häufigsten wurden Hasspostings gemeldet, die auf Facebook gefunden wurden, gefolgt von hetzerischen Online-Artikeln und Kommentaren, sowie verletzenden Inhalte auf Twitter und Youtube.

Frauen zunehmend betroffen

Der Hass im Netz hat eine klare Zielgruppe: Wie eine Analyse der Beratungsstelle zeigt, richteten sich die Postings am häufigsten gegen Moslems und geflüchtete Personen. Auch antisemitische Inhalte kommen vermehrt vor. Verstärkt aufgetreten sind zudem Hassinhalte gegen Frauen – von zweideutigen Anspielungen bis zur Androhung sexueller Gewalt.

Bei den Betroffenen würden derartige Postings und Kommentare oft Angst und Schuldgefühle auslösen, erklärt Claudia Schäfer, Geschäftsführerin von ZARA. Die Opfer seien oft dermaßen eingeschüchtert, dass sie die Vorkommnisse lange verheimlichen. Deshalb würden die Hasspostings häufig nicht von den Betroffenen selbst gemeldet, sondern von mitlesenden Internet-Nutzern.

Jugendliche betroffen

Als aktivste Gruppe der Social-Media-User sind vor allem Jugendliche den Inhalten ausgesetzt. „Für diese sensibelste Gruppe ist es wichtig, vielfältige Angebote zu haben, um alle zu erreichen und sie nicht mit der hässlichen Fratze des Netzes allein zu lassen“, sagt Schäfer. Laut einer Microsoft-Studie aus dem Jänner 2018 haben etwa 80 Prozent der Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren entweder selbst eine negative Online-Erfahrung gemacht, oder zumindest eine Attacke im persönlichen Umfeld miterlebt. Dagegen möchte ECPAT Österreich, die Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung, nun verstärkt aktiv werden: „Kinder und Jugendliche als Akteure im Netz müssen partizipativ eingezogen werden und ihre Kapazität, verantwortungsvolle digitale Bürger zu werden, muss gestärkt werden“, sagt Geschäftsführerin Astrid Winkler.

Auch #GegenHassimNetz bietet neben der Dokumentation aller Fälle Hilfsmöglichkeiten. Bei Bedarf gibt das Team eine rechtliche Einschätzung der Inhalte und zeigt Handlungsoptionen auf.

Über die Initiative:

Die Beratungsstelle #GegenHassimNetz unterstützt und berät Opfer und Zeugen von Hasspostings, Cyber Mobbing und anderen Formen von verbaler und psychischer Gewalt im Internet. Das niederschwellige Angebot ist kostenlos.

Falls Sie Hilfe benötigen erreichen Sie #GegenHassimNetz unter: (+43) 01 - 236 55 34.

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