Chronik | Österreich
03/15/2019

Gurker Prüfbericht wirft Fragen auch für andere Diözesen auf

Visitator Lackner lieferte 50-Seiten-Bericht an Rom. Das Gurker Domkapitel lehnte die Einsicht in den Bericht ab.

Erzbischof Franz Lackner wollte keine Details nennen. Dafür wurde die Stellungnahme des päpstlichen Visitators und seines Teams über die Visitation der Diözese Klagenfurt doch recht konkret. Details oder gar Zitate gab es zwar tatsächlich keine, über die Gesamtsituation sprach Lackner aber überraschend offen.

Auch zur wirtschaftlichen Situation der Diözese nimmt das 50-seitige Papier, das am Montag an die Nuntiatur nach Rom geschickt wird, Stellung. Und zwar im Zeitraum 2008 bis 2018 und inklusive der Zeit der Sedisvakanz (Zeit ohne Bischof) nach der Amtseinführung von Alois Schwarz als Bischof von St. Pölten im Juli 2018.

Herbert Beiglböck, Caritas-Direktor von Graz-Seckau und für die wirtschaftliche Prüfung zuständig, berichtete über die Zustände im Bistum Gurk. Es habe ein „schlechtes Betriebsklima geherrscht. Es gab Mängel in der Einhaltung von staatlichen und kirchenrechtlichen Regeln“, sagte Beiglböck. Er hielt aber auch fest, dass es „in keiner Weise eine missbräuchliche Verwendung von Kirchenbeiträgen gegeben hat“.

„Ausnahmezustand“

Die Ergebnisse des Berichts dürften aber nicht nur für die Kärntner Kirche Konsequenzen haben. „Die belastende Erfahrung müssen ein Anstoß dafür sein, einen verantwortungsvollen, transparenten Umgang mit Kirchenvermögen sicherzustellen“, meinte Beiglböck. Auch die kirchenrechtliche Untersuchung habe Themen betroffen, deren „Bedeutung weit über die Kirche in Kärnten hinausgeht“, wie der zuständige Kirchenrechtler Helmuth Pree sagte.

Der Großteil des Berichts betrifft freilich die angeschlagene Diözese Gurk-Klagenfurt. „Die Diözese befindet sich, was das Vertrauen betrifft, in einem Ausnahmezustand“, sagte Lackner selbst. Circa 200 Gespräche hat das Team in Kärnten geführt, es gibt 145 Gesprächsprotokolle. Der gesamte Umfang der Überprüfung umfasst 15 Ordner. „Wir sind vielen Menschen begegnet, die gekränkt und verletzt sind. Es gibt Misstrauen, und es gibt Angst“, sagte der Vorarlberger Bischof Benno Elbs.

Nun gelte es einen Heilungs- und Versöhnungsprozess in Gang zu setzen, was freilich dauern wird. „Es braucht das ehrliche und rechtzeitige Gespräch, wenn es um Konflikte geht. Das war und ist in der Diözese noch nicht möglich“, erklärte Elbs. Wie zerrüttet die Situation ist, zeigte sich erst am Donnerstag, als das Domkapitel Gurk kritisierte, wegen einem zu kurzen Zeitfenster von einem Einblick in den Bericht Abstand genommen zu haben.

Warten auf die Folgen

Auch dazu nahm Lackner Stellung: „Das Domkapitel hat die Möglichkeit einer zweiten Einsicht ohne zeitliche Befristung letztlich nicht in Anspruch genommen.“ Der Visitator wollte eine anonymisierte Veröffentlichung nach Abschluss des Prozesses nicht ausschließen, sagte an die Adresse der Domherren aber auch: „In dem Bericht sind auch persönliche Stimmen. Ich weiß nicht, ob eine Veröffentlichung für das Domkapitel so erfreulich wäre.“

Nun ist Rom am Zug. „Rom weiß, dass das eine Sache mit großer Urgenz ist“, meinte Lackner. Der Salzburger Erzbischof wollte sich zu möglichen Konsequenzen nicht äußern. Er sagte nur: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es zu keinen Konsequenzen kommt.“