© APA/GERT EGGENBERGER

Chronik Österreich
03/01/2019

Fall Gurk: Der unerwünschte Visitator

Diözese Klagenfurt: Erzbischof Lackner arbeitet an Bericht für Rom, Diözesanführung steht ihm kritisch gegenüber

von Martin Gebhart

Die Päpstliche Visitation der Diözese Klagenfurt neigt sich dem Ende zu. Der Bericht, den Visitator Erzbischof Franz Lackner nach Rom schicken muss, soll in den ersten Tagen der Fastenzeit fertig werden. Für den Salzburger Oberhirten ist sein Kärntner Auftrag im Namen von Papst Franziskus die bisher größte Herausforderung. Vor allem, weil ihm die Domherren in Klagenfurt ständig signalisieren, dass er eigentlich unerwünscht ist.

Das jüngste Beispiel macht diesen Konflikt besonders deutlich. Bischof Lackner hat zu Beginn der Fastenzeit zu einer gemeinsamen „Gebets- und Bußstunde“ bei den Franziskanern in Villach geladen. Auch, um für eine gute Zukunft der Kirche in Kärnten zu beten. Die öffentliche Reaktion von Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger: Die Diözese brauche zu diesem Zeitpunkt objektive Fakten auf den Tisch und keine Buß- und Gebetsstunde. Und: „Die Öffentlichkeit erwartet sich mit Beendigung der Apostolischen Visitation einen den Fakten gerecht werdenden Abschlussberichtes sowie die öffentliche Bekanntgabe relevanter Ergebnisse.“

Bischof Lackner reagierte darauf sehr defensiv, um nicht Öl ins Feuer zu gießen: „Mutet es nicht sonderbar an, dass es einer Rechtfertigung bedarf, wenn am Beginn der österlichen Bußzeit eine Einladung zur Gebets- und Bußstunde ergeht?“ Er habe jedenfalls in den vergangenen Wochen gemeinsam mit dem Visitationsteam viele Stunden und Tage in Kärnten verbracht, zugehört, Nöte und Hoffnungen wahrgenommen, auch Klöster und Kirchen besucht und am Grab der Hl. Hemma gebetet. Und er lade deswegen nun alle zu dieser Betstunde ein.

Konflikt um Anwälte

Nicht eingegangen ist er auf die Formulierung, dass ein „Fakten gerecht werdender Abschlussbericht“ erwartet werde. Weil er genau weiß, was Guggenberger und sein Team erwarten: Eine Verurteilung von Bischof Alois Schwarz, der mittlerweile die Diözese in St. Pölten leitet. Wegen seiner wirtschaftlichen Machenschaften, wegen seines Führungsstils, wegen seines Umgangs mit einer führenden Mitarbeiterin. Und zuletzt wegen der Jagdreviere im Besitz des Bistums, wo prominente Persönlichkeiten gejagt haben sollen.

Dass der Bericht so nicht ausfallen wird, machten jene Tage deutlich, an denen Lackner als Visitator der Bevölkerung zuhörte. Per Anmeldung konnten Kärntner Gläubige jeweils 15 Minuten mit dem Bischof sprechen. Da wurde in öffentlichen Interviews Unmut über das Vorgehen der Domherren laut. An diesem Tag soll es dann auch zu einem harten, direkten Konflikt zwischen dem Visitator und der Kärntner Diözesanführung gekommen sein.

Darüber wurde aber geschwiegen. Öffentlich wurde vielmehr, dass die Domherren nicht damit einverstanden waren, wie Bischof Lackner mit dem Untreue-Verfahren gegen Bischof Alois Schwarz, das in Graz anhängig ist, umgegangen sei. Der Visitator hatte die Grazer Anwaltskanzlei Scherbaum-Seebacher damit beauftragt, in den Ermittlungsakt Einsicht zu nehmen. Seitens der Diözesanleitung hatte man allerdings auf die Kanzlei Tschurtschenthaler zurückgegriffen. Für die Staatsanwaltschaft in Graz war es keine Affäre, dass zwei Anwaltskanzleien für das Bistum tätig sind. Der Klagenfurter Ordinariatskanzler Jakob Ibounig jedoch sprach davon, dass Lackner damit den Visitationsauftrag überschritten habe. Für das Visitationsteam nahm Pressesprecherin Heidi Zikulnig wiederum in Anspruch, dass dieser Schritt nicht aus Misstrauen heraus passiert sei. Bischof Lackner gehe es um eine „rasche und umfassende Sachverhaltsdarstellung“.

Nun wartet man gespannt, welchen Schluss Rom aufgrund des Visitationsberichtes ziehen wird. Aber auch mit dem Vatikan hat sich die Klagenfurter Diözesanführung bereits angelegt, als es um die Veröffentlichung eines Prüfberichtes über die wirtschaftliche Gebarung des Gurker Bistums unter Bischof Alois Schwarz ging.


Redaktionen: „Verlierer ist die Kirche in Kärnten“

„Je mehr die draufgehaut haben, um so mehr hat sich die Stimmung zugunsten von Bischof Alois gedreht. Weil die Menschen sagen, das kann jetzt wirklich nicht mehr sein.“ Fritz Grillitsch, der ehemalige Präsident des Bauernbundes, zählt zu jener Gruppe in Kärnten, denen die Übergangsführung der Diözese Gurk-Klagenfurt unter Administrator Engelbert Guggenberger mit ihren Angriffen gegen ihren ehemaligen Bischof Alois Schwarz zu weit gegangen ist. Und die jetzt auf der anderen Seite mobil macht.

Genau an jenem Tag, als Visitator Erzbischof Franz Lackner Anfang Februar den Gläubigen für kurze Gespräche zur Verfügung stand, traf sich Grillitsch in der Nähe von Klagenfurt mit Gleichgesinnten. Darunter auch Landesjägermeister Ferdinand Gorton, Primar Rudolf Likar, Honorarkonsul Bernd Hesse, der ehemalige Direktor der Kärntner Gebietskrankenkasse, Josef Löberbauer, der  ehemalige ÖVP-Mandatar Klaus Auer, Ex-Bankenmanager Rudolf Pirker oder ORF-Landesdirektorin Karin Bernhard. Sie legten in der Runde dar, warum sie  sich nicht neutral verhalten und für Bischof Alois eintreten. Rudolf Pirker: „In meinem Alter habe ich schon viele Bischöfe kennengelernt, aber keiner war so volksnah wie Bischof Alois.“  
Klaus Auer sieht es ähnlich: „Er ist auch auf die einfachsten Menschen eingegangen. Was jetzt passiert, kommt einem alles wie eine große Intrige vor. Bischof Alois war ein Mensch, der für den ländlichen Raum eingetreten ist und vielleicht hat das irritiert.“

Volksnähe

ORF-Landeschefin  Bernhard hatte Schwarz immer wieder zu Sendungen eingeladen: „Er war sehr volksnah. Diese Volksnähe, dass er sich nicht abgeschirmt hat, dürfte manchen vielleicht nicht so gefallen haben.“ Wobei sie auch darauf verweist, dass viele Menschen ihr gesagt hätten, dass sie aus der Kirche austreten. „Aber nicht wegen der Vorwürfe gegen Bischof Schwarz, sondern weil mit ihm so umgegangen wird.“

Die jetzige Situation halten jedenfalls alle für unerträglich. Ferdinand Gorton: „Die Diözese ist gespalten, wobei die Spaltung erst durch die Pressekonferenz des Herrn Guggenberger erfolgt ist. Momentan wird man gefragt: Bis du ein Freund von Bischof Alois oder bist du kein Freund von ihm. Das ist doch entsetzlich.“ Und für Bezirkshauptfrau Claudia Egger-Grillitsch ist klar: „Verlierer ist eindeutig die Kirche in Kärnten.“