Die Ärzte und Pfleger kämpfen täglich um das Überleben ihrer Covid-Patienten, dennoch verlässt fast jeder Zweite die Intensivstation nicht mehr lebend. 

© David Bohmann/Wiener Gesundheitsverbund/David Bohmann

Rückblick
01/03/2022

Wann die Intensivstationen vor dem Kollaps standen

2021 brachte das Gesundheitssystem an die Belastungsgrenze. Nun ist abzuwarten, wie sich die Omikron-Variante im neuen Jahr auf die Spitalsbelegung auswirken wird.

von Laura Schrettl

Die Hilferufe der Ärzte, die beklemmenden Bilder, die knapp werdenden freien Betten - kein Ort ist in der Corona-Pandemie mehr in den Fokus gerückt, als die Intensivstationen (ICU) auf Österreichs Spitälern. Und an keinem Ort hatten sich die Auswirkungen der Pandemie so drastisch gezeigt wie hier. Die Corona-Pandemie fordert seit bald zwei Jahren Österreichs Krankenhäuser und das Gesundheitssystem. 

Die Intensivbettenbelegung ist die harte Währung der Pandemie. Während bei der Zahl der Neuinfektionen immer die Unsicherheit der Dunkelziffern blieb, sprechen die Spitalskapazitäten eine eindeutige Sprache: Wenn die Spitäler und die Betten voll und die Mitarbeiter ausgelastet sind, müssen mittels Triage Priorisierungen in der Behandlung der Patienten vorgenommen werden.

Die höchste Auslastung an Intensivpatienten gab es in Österreich seit Beginn der Pandemie in der zweiten Welle vergangenen Herbst. Am 25. November 2020 benötigten österreichweit 709 SARS-CoV-2-Infizierte eine intensivmedizinische Versorgung. 

Unter Höchststand 2020 geblieben 

Im März diesen Jahres begann die Zahl der Intensivpatienten wieder zu steigen - und kam erstmals dieses Jahr wieder über 500 Patienten. Im April wurde bereits die Schwelle von 600 überstiegen - mit 611 ICU-Patienten am 12. April. 

Über den Sommer beruhigte sich die Situation auf den Intensivstationen wieder etwas, es schien als könnten die Ärzte und Pfleger zumindest kurz durchatmen. Bevor es dann pünktlich zum Herbst, Ende August, wieder zu steigen begann.

Triage-Team gebildet 

Salzburg und Oberösterreich waren die beiden Bundesländer die in der vierten Welle am stärksten betroffen waren. Die rasant gestiegene Zahl an Neuinfektionen im Herbst, schlug mit voller Wucht in den Spitälern durch. 

Den Salzburger Landeskliniken drohte im November eine völlige Überlastung. Salzburg war das erste Bundesland in dem ein Triage-Team gebildet wurde. Ein sechsköpfiges Team, das darüber entscheidet, welche Patienten intensivmedizinisch betreut werden. 

Populärer Prävalenzfehler 

Dennoch kam man in der vierten Welle - trotz dominanter und aggressiverer Delta-Variante und deutlich höheren Neuinfektions-Zahlen - nicht an die Werte vom Frühling heran. Impffortschritt sei Dank - schwerwiegende Verläufe werden etwa mit dem Biontech-Pfizer-Vakzin zu rund 90 Prozent verhindert. Aber weil ein kleiner Prozentsatz einer großen Zahl eben noch immer eine signifikant große Zahl sein kann, landeten auch zahlreiche geimpfte Patienten nach einem sogenannten "Impfdurchbruch" auf Österreichs Intensivstationen. Kritiker der Impfung, die darauf verweisen, dass auch viele geimpfte Patienten in den Intensivstationen landen, klammern aus, dass bereits 74 Prozent der impfbaren Bevölkerung geimpft sind - in der besonders gefährdeten Altersgruppe ab 65 sind rund 87 Prozent der Menschen in Österreich geimpft. 

In der Wissenschaft spricht man dabei von einem sogenannten Prävalenzfehler, der entsteht, wenn die Bestimmung der bedingten Wahrscheinlichkeit einer statistischen Variable A unter einer Bedingung B ohne Rücksicht auf die Prävalenz oder A-priori-Wahrscheinlichkeit von A vorgenommen wird. Sprich: Der Umstand, dass - je nach Zeitpunkt und Alterskohorte bis zu knapp 50 Prozent aller Patienten - bereits doppelt geimpft waren, ist noch kein Beweis für eine mangelnde Wirksamkeit der Impfung. 

Neuer Grenzwert für Maßnahmen 

Im September hatte die Regierung einen neuen Stufenplan für Corona-Schutzmaßnahmen präsentiert - ab sofort war dieser abhängig von der Belegung der Intensivstationen. Damals betrug die Auslastung der Intensivbetten, die mit Covid-19-Betten belegt waren, acht Prozent. 

Eine Belegung von 33 Prozent mit Covid-Patienten auf der Intensivstation wurde als kritischer Grenzwert festgelegt.

Höchststand zum Lockdown-Ende erreicht

Ende November gab es mit 2.769 Patienten den Höchststand an Covid-Patienten die auf einer Normal-Station im Spital behandelt werden mussten. Der Kollaps der im Dezember auf den Intensivstationen zu drohen schien, konnte durch den Lockdown abgefangen werden. 

Das Covid-Prognosekonsortium hatte Mitte November düstere Aussichten. Für den 1.12. waren sie damals bereits mit 744 Patienten auf Covid- Intensivstationen ausgegangen – es waren dann aber doch "nur" 649 am 1.12. Die Zahl der Intensivpatienten stieg noch an, bis sie am 7.12. mit 670 ICU-Patienten den Höchststand erreichte. 

Genau an dem Tag an dem fast ganz Österreich den Lockdown beendete und alles wieder öffnete. Seither geht die Zahl wieder stetig zurück. Aktuell (Stand 30.12.) liegen 1.121 Personen mit einer Covid-Infektion im Krankenhaus. 345 Menschen werden auf Intensivstationen betreut. 

Im Vergleich zum vergangenen Jahr: Dort lagen am 31.12. 2020 mit 1.946 Personen, wesentlich mehr Menschen mit einer Corona-Erkrankung im Spital. Die Zahl an ICU-Patienten ist mit 392 Personen jedoch fast gleich wie heuer. Auf vergangenen Dezember ging die Intensivbettenbelegung zum Jahresende immer weiter zurück. 

Nun ist abzuwarten, wie sich die Omikron-Variante im neuen Jahr auf die Spitalsbelegung auswirken wird. Forscher sind sich derzeit einig, dass die Omikron-Variante eine mildere Erkrankung auslöst als die Delta-Variante.

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