Brisanter Gold-Skandal: "Wir haben die Firma verkauft"

Geldanlage in echtem Gold als Goldbarren und Goldm…
Foto: Gina Sanders - Fotolia/Gina Sanders/Fotolia Goldprofessionell-Gründer will Firma verkauft haben

Goldprofessionell-Gründer Torsten K.behauptet, dass Firma nach Dubai verkauft wurde. Angeblicher Käufer in Dubai ist mittlerweile gestorben.

Der mutmaßliche Anlageskandal um die Salzburger Firma Goldprofessionell und ihre Pleite-Mutterfirma in der Schweiz zieht weite Kreise. Laut Ex-Mitarbeitern dürften zumindest 6000 Sparer in Österreich, Deutschland, Slowenien, Kroatien und Serbien um einen zweistelligen Millionenbetrag geschädigt worden sein. Wie berichtet, wurden in den Edelmetall-Depots in der Schweiz nur marginale Vermögenswerte gefunden. Ein Ex-Mitarbeiter der Salzburger Goldfirma bestätigt dem KURIER, dass das dubiose Gold-Ansparprodukt "relaXXbonusplan" wie ein Bausparvertrag (Laufzeit: sechs Jahre, monatliche Einzahlungen) gestrickt wurde. Der Ansparplan wurde aber als "noch sicherer" verkauft. "Der relaXXbonusplan ist für Rentner das Richtige", sagt Firmenboss Mathias L. in einem Werbevideo aus dem Jahr 2012. Laut Mathias L. kaufte seine Firma das Gold "bei einer Prägeanstalt zu einem Spezialpreis ein".

Die vermeintliche Großhandelsspanne

Apropos Spezialpreis: Der frühere "Goldprofessionell-Mitarbeiter" Karl W. behauptet, dass beim Einkauf von Gold in Gramm, also in kleinen Stückelungen, und bei Gold in Kilobarren, also großen Stückelungen, eine Spanne von 25 Prozent liege. Diese Spanne habe Goldprofessionell ausgenutzt. Bei Finanz-Experten erzeugt diese Argumentation "lautes Gelächter". Denn Gold hat einen täglichen Kurswert. Und eine "Großhandelspanne" von 25 Prozent auf Gold sei ihnen nicht bekannt. Dazu muss man wissen, dass Goldprofessionell-Gründer Mathias L. im Video sagt, seine Firma kaufe kleine Stückelungen Gold in großen Mengen. Auch wenn es diese Spanne tatsächlich geben würde, hätte sie  Goldprofessionell nicht ausnutzen können. Denn: Den Kunden wurde vorgemacht, dass sie ihre Gold-Kleinstbarren jederzeit einfordern können.

Krasser Widerspruch

So muss auch Karl W. gegenüber dem KURIER einräumen, dass die Geschichte mit der angeblichen Preisspanne im Widerspruch zur Bewerbung des Investments von Goldprofessionell steht. Und er hat, wie im Video ersichtlich, seinen Teil dazu beitragen, um die Anleger in scheinbarer Sicherheit zu wiegen. Sein Mitwirken an dem dubiosen Werbevideo ist Karl W. heute sehr unangenehm. Auffällig an dem Video ist auch, das unter anderem für den deutschen Markt produziert wurde, dass angebliche Kunden die Vorzüge von Investments bei Goldprofessionell preisen. Doch es liegt der Verdacht nahe, dass es sich bei den angeblichen Kunden einfach nur um Komparsen handelt, die einen vorgegebenen Text vor der Kamera herunterlesen.

Zur Erinnerung: Auf jedes Gramm Gold, das ein Kunde kaufte, legte Goldprofessionell laut eigenen Angaben 9,5 Prozent Bonusprämie darauf – und das, ohne einen Cent Verwaltungskosten zu verrechnen; also ohne Agio (Ausgabeaufschlag), ohne Provision, ohne Lagergebühr usw.

Angst geschürt

In dem Werbevideo wird vor allem Angst vor Währungskrisen wie vor der Ende der 1920er-Jahre geschürt. "Finanzsysteme sind in der Vergangenheit immer wieder zusammengebrochen, das einzige Zahlungsmittel, das nie an Kaufkraft verloren hat, war und ist Gold", sagt Karl W. in die Kamera. Er wird als "Projektleiter für die Verkaufsabwicklung" von Goldprofessionell vorgestellt. "Das war ich nie", sagt Karl W. zum KURIER. "Ich bin nur als Moderator eingesprungen und habe dafür 1400 Euro erhalten." Er habe nur Produkte entwickelt, habe nichts mit dem Endkunden zu tun gehabt und habe sich vor Monaten mit Goldzampano Mathias L. zerstritten. Er sei selbst auf offenen Rechnungen sitzengeblieben, die Goldprofessionell nicht bezahlt habe. Wo das Gold ist, kann auch Karl W. nicht sagen. Detail am Rande: Er ist heute Co-Geschäftsführer einer anderen heimischen Gold-Firma.

Brisantes Telefonat

Indes erreichte der KURIER Goldprofessionell-Gründer und Geschäftsführer Torsten K. am Freitag telefonisch in Berlin, wo er laut seiner Salzburger Partnerin hauptsächlich lebt. In ihrer Wohnung in Salzburg sei er nicht gemeldet.

Wo ist das Gold der Kunden, Herr K.? "Ich habe mit der Firma nichts mehr zu tun, wir sind nicht mehr Eigentümer", behauptet Torsten K. im KURIER-Gespräch. "Ich habe die Firma noch vor 2014 verkauft". Das dürfte an den Kunden spurlos vorbeigegangen sein. Im Schweizer Handelsregister und im Salzburger Firmenbuch ist der angebliche Eigentümerwechsel nicht eingetragen worden. K. scheint bis Juni 2016 als Verwaltungsrat der Schweizer und bis heute als Geschäftsführer der Salzburger Goldprofessionell auf. K. sagte auch, dass der Käufer die Taurus Investors Ltd. in Dubai war. Doch die Taurus, die zuvor als Golddepot gedient haben soll, ist eine Briefkastenfirma. Ihr Inhaber war Wolfgang Weber. Er legte schon 2014 mit der Firma Noble Metal House eine Pleite hin. Mittlerweile ist er gestorben. "Ich bin kein Betrüger", sagt Torsten K. "Dubai ist der letzte Lagerort." Meint er das Gold der Kunden? Laut Angaben von Torsten K. geht es insgesamt "um wesentlich weniger als 40 Millionen Euro".

Ermittlungen laufen

Wie berichtet, ist seit Mittwoch bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatanwaltschaft (WKStA) ein Ermittlungsverfahren anhängig. Zuvor gab es Diskussionen über die Zuständigkeit mit der Staatsanwaltschaft Salzburg. Nach drei Wochen ging der Akt aber von Salzburg zurück an die WKStA. Sie ist für alle Verdachtsfälle zuständig, deren möglicher Schaden fünf Millionen Euro übersteigt.  Die Ermittlungen werden aber weiterhin vom Landeskriminalamt (LKA) Salzburg geführt. Dort können mutmaßlich geschädigte Anleger auch ihre Anzeigen einbringen. Auch bei der Staatsanwaltschaft III für Wirtschaftsdelikte des Kantons Zürich ist ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugs eröffnet worden. Dem Vernehmen nach soll auch ein Rechtshilfeersuchen nach Österreich gestellt worden sein.

Klagen in der Pipeline

Zur Erinnerung: Der Wiener Anwalt Julian Korisek hat einer Sachverhaltsdarstellung für einen Klienten, der um rund 13.600 Euro bangt, den Stein ins Rollen gebracht. Indes vertritt der Wiener Anwalt Sven Thorstensen mehr als 200 betroffene Klienten. Sie sollen Schäden zwischen 8000 und 20.000 Euro durch Goldprofessionell erlitten haben.

Thorstensen will vor allem gegen die Vermögensberater und Vermittler rechtlich vorgehen, die dieses Ansparprodukt seinen Klienten verkauft haben. Er wirft ihnen Falschberatung vor. Der relaXXbonusplan wurde seinen Klienten fälschlicherweise als bombensicher angedient.

Inbesondere gegen einen großen heimischen Finanzvermittler und ein Maklerpool will Thorstensen Schadenersatz-Klagen einbringen. Detail am Rande: Die Goldprofessionell-Gründer Mathias L. und Torsten K. sollen die Schulungen dieser "Makler" persönlich durchgeführt haben, wie der Geschäftsführer der besagten Vermögensberatungsfirma dem KURIER mitteilte. Die Firma will aber "nur" rund 500 Kunden an Goldprofessionell vermittelt haben.


 

(kurier) Erstellt am
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