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Chronik Österreich
02/10/2020

Osttirol: Gemachtes Wirtshaus-Nest bleibt frei

Regierung will ländliche Regionen beleben. Das ist nicht immer leicht, wie man in Amlach sieht

Dieter Mayr-Hassler

Sowohl Bund als auch Land haben in jüngster Zeit Maßnahmen zur Stärkung der ländlichen Regionen gesetzt. Das Land Tirol hat sogar eine konkrete Förderung für die Dorfwirtshäuser ins Leben gerufen. Damit will man die Landflucht eindämmen. Derzeit ist eine Trendwende aber noch nicht erkennbar. Das zeigt sich in Amlach in Osttirol.

Dort sucht man seit Monaten vergeblich einen Pächter für das neue Gemeindewirtshaus: Das alte Gemeindehaus wurde um 2,3 Millionen Euro umgebaut und eine moderne Holz- und Beton-Kombination mit Dorfwirtshaus im Parterre und dem „Lindensaal“ im ersten Stock erweitert.

Das Wirtshaus hat 50 Sitzplätze in drei Räumen und eine komplett ausgestattete Gastroküche. Der Veranstaltungsaal bietet mit Tischen für 100 Personen Platz. Dazu gibt es eine Terrasse am Dorfplatz direkt vor dem Lokal und eine überdachte Terrasse im Obergeschoss.

Fünf Interessenten

Seit Herbst ist man bis auf Kleinigkeiten fertig und die Einweihung des Gebäudes soll im Laufe der nächsten Monate erfolgen. Damit aber Stimmung aufkommt, fehlt ein Wirt. „Wir hatten einige Anfragen und fünf konkrete Interessenten“, berichtet Bürgermeister Franz Idl.

Alle fünf seien vom Objekt begeistert gewesen aber schlussendlich doch alle wieder abgesprungen. Ein ortsansässiger Gastronom wollte das Gemeindewirtshaus als zweites Lokal betreiben, meinte aber, dass es mit Fremdpersonal kaum rentabel zu führen sei. Zudem habe er schon im Stammhaus Sorge, genügend Fachkräfte zu finden, deshalb müsse er abwinken.

Die anderen hätten voller Elan ein Konzept erstellt und gingen damit zu ihren jeweiligen Steuerberatern. Diese hätten dann vor der Pacht abgeraten, da sich in der knapp 500 Einwohner zählenden Gemeinde ein Wirtshaus nicht rechnen könne.Was für den Gemeindechef nicht ganz nachvollziehbar ist. Er ist schon seit 30 Jahren Bürgermeister und früher hatte die Gemeinde einmal vier Wirtshäuser im Dorfzentrum. Mittlerweile ist das Zentrum ausgestorben.

„Ich bleibe optimistisch, dass wir einen Wirt finden werden“, meint Idl. „Unser neues Dorfzentrum soll den Ortskern wiederbeleben und dazu gehört auch ein funktionierendes Wirtshaus.“

Der Optimismus des Gemeindeoberhauptes gründet auf Erinnerungen an frühere Zeiten. Bis Ende der 1990er-Jahre gab es in jedem Dorf zwei oder mehr Wirtshäuser und eben so viele Lebensmittelgeschäfte. Etliche Gemeinden hatten ein Postamt und einen Gendarmerieposten.

Noch einmal 20 Jahre früher standen entlang der Eisenbahnstrecke in fast allen Gemeinden besetzte Bahnhöfe. In etwas größeren Kommunen gab es Bäcker, Metzger und viele andere Handwerker. Die meisten der hier aufgezählten Betriebe und Infrastruktureinrichtungen sind Geschichte.

Arbeitsplätze weg

Damit sind in den Dörfern Zigtausende Arbeitsplätze verschwunden. Vor 15 oder 20 Jahren war es für einen jungen Menschen noch äußerst erstrebenswert, einen gut eingesessenen Handwerksbetrieb, ein dörfliches Lebensmittelgeschäft oder einen Gastronomiebetrieb am Land zu übernehmen. Mittlerweile nähren diese einst Wohlstand schaffenden Kleinbetriebe ihre Betreiber kaum noch.

Das weiß der Amlacher Bürgermeister. Deshalb will man dem potenziellen Pächter weitestgehend entgegenkommen. Die Pacht sei äußerst nieder angesetzt und außerdem wolle man darauf in der Startphase überhaupt ganz verzichten. „Hauptsache es funktioniert und es kann nur funktionieren, wenn der Gastronom auch von dem Betrieb leben kann“, sagt Ortschef Idl.

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