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Chronik Österreich
09/06/2019

Geköpfter Wolfskadaver: 11.000 Euro für Ergreifung des Täters

WWF und Naturschutzbund lobten Ergreiferprämie aus. Die Polizei tappt noch im Dunklen und hofft auf DNA-Spuren.

von Christian Willim

Anfang August fanden Pilzsammler in Sellrain, Tirol, einen geköpften Tierkadaver. Ein DNA-Gutachten ergab rasch, dass es sich um einen Wolf gehandelt hatte, der offenbar von einem Wilderer getötet wurde.

Nun setzen der WWF sowie der Naturschutzbund Österreich eine Ergreiferprämie von 11.000 Euro für Hinweise, die zum Täter führen, aus.

Kadaver wahrscheinlich von Wolf

„Umweltverbrechen müssen konsequent verfolgt und geahndet werden. Mit der Prämie wollen wir die Aufklärungsarbeit der Polizei unterstützen. Erfahrungswerte zeigen, dass dieser Anreiz zusätzliche Hinweise und neue Ermittlungsstränge für die Polizei liefern kann“, erklärt Christian Pichler vom WWF.

Hoffen auf menschliche DNA

Die Polizei tappt vorerst noch im Dunklen. "Wir sind noch nicht recht weitergekommen", sagt Gerhard Niederwieser, Bezirkspolizeikommandant von Innsbruck-Land. "Wir haben mit vielen Leuten gesprochen. Die Befragungen laufen aber noch", berichtet er.

Hoffnungen setzt er noch auf ausständige Laborergebnisse von der Untersuchung des Wolfskadavers. "Wir warten noch, ob menschliche DNA dabei ist", sagt Niederwieser.

Hinweise auf das Projektil gibt es keine. "Es dürfte nur einen Schuss gegeben haben, der zunächst nicht tödlich war. Wir gehen davon aus, dass sich das Tier noch fortbewegt hat." Der Täter dürfte den verletzten Wolf wiedergefunden und ihm dann den Kopf abgetrennt haben.

Prämie führte schon mal zu Wilderern

Laut Christian Pichler vom WWF hat 2015, nachdem ein Luchs im Nationalpark Kalkalpen abgeschossen worden war, eine ausgesetzte Prämie zur Ausforschung eines Ehepaars geführt. Beide wurden zu einer Geldstrafe und Schadensersatzzahlung verurteilt, der Jagdschein wurde ihnen für mehrere Jahre entzogen. Nun hofft man auf einen ähnlichen Fahndungserfolg. Immerhin stehe der Wolf europaweit unter Naturschutz.

„Die natürliche Rückkehr des Wolfs in den Alpenraum ist eine Bereicherung für unsere Ökosysteme. Die Taten einzelner Wilderer hintertreiben jedoch die notwendige Diskussion darüber, wie wir ein konfliktarmes Zusammenleben gestalten können“, meint auch Roman Türk, Präsident des Naturschutzbundes Österreich.

Mensch als Gefahr

Noch immer sei die illegale Verfolgung durch den Menschen die größte Bedrohung für streng geschützte Tierarten wie Wolf, Luchs, Bär oder Seeadler, sind sich die Experten einig. Bären seien in Österreich durch Wilderei gleich zwei Mal ausgerottet worden.

Auch Luchse würden massiv unter illegaler Verfolgung leiden. Zuletzt fielen zahlreiche Greifvögel wie die Seeadler Giftködern zum Opfer.

Umdenken gefordert

WWF und Naturschutzbund appellieren an Politik und Gesellschaft, anders als bisher mit der natürlichen Rückkehr des Wolfs umzugehen. „Wir brauchen dringend eine Abrüstung der Worte. Anstatt Ängste zu schüren, müssen betroffene Landwirte ausgewogen informiert und Herdenschutzlösungen vorangetrieben werden. Der Wolf ist weder Bestie noch Kuscheltier, sondern eine europarechtlich streng geschützte Art. Seine Rückkehr erfordert daher naturschutzfachlich korrekte und rechtskonforme Maßnahmen, wie sie in Nachbarländern erfolgreich praktiziert werden“, meint WWF-Tireschützer Pichler.

Hinweise, die zur Ergreifung des mutmaßlichen Wilderers führen, können ab sofort an die zuständige Polizeiinspektion Kematen gerichtet werden: 059 133 7115 100; pi-t-kematen@polizei.gv.at.