Das Gedenkprojekt am Karmeliterplatz.

© /Institut für Kunst im öff. Raum/Colourspace

Steiermark

Gedenkprojekt war nur befristet genehmigt: Aus für "63 Jahre danach"

Die Mahntafeln an den Schrecken des NS-Regimes müssen von Grazer Plätzen weg.

von Elisabeth Holzer-Ottawa

06/27/2014, 07:00 PM

Das Projekt "63 Jahre danach" scheint in Graz Geschichte zu sein: Am Montag läuft die Genehmigung, die von Künstler Jochen Gerz gestalteten Mahntafeln an öffentlichen Plätzen auszustellen, aus. Doch der Stadtsenat entschied sich gegen eine Verlängerung wenigstens bis 2018. Kulturstadträtin Lisa Rücker, Grüne, kann das nicht nachvollziehen: "Ein Gedenkprojekt dieser Art kann man nicht sang- und klanglos demontieren."

Ähnlich sieht das Elisabeth Fiedler, Leiterin des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum. Ihr Vorgänger hat "63 Jahre danach" 2010 mit Gerz umgesetzt, auf Wunsch der Landes- und Stadtpolitik übrigens. "Es wäre für Graz jetzt nicht gerade positiv, wenn das wegkommt", überlegt Fiedler. "Wir haben alle eindrücklichst in Kenntnis gesetzt, dass es gut wäre, wenn die Tafeln bleiben."

Öffentlichkeit wählte

An elf bekannten Stellen in Graz wurden sie aufgestellt, unter anderem vor der Burg, am Karmeliterplatz, im Augarten. Tafeln erinnern mit Fotos und Schriften an den Terror des NS-Regimes. Das Besondere ist jedoch, wie die Bilder ausgewählt wurden: Leser einer Tageszeitung waren 2009 gebeten worden, aus Fotografien zu wählen. Danach wurden sie den Landtagsabgeordneten übergeben, die Texte dazu schrieben. Welche 24 letztlich auf Tafeln gedruckt wurden, entschied wieder die Öffentlichkeit.

Doch offensichtlich war das Projekt zeitlich begrenzt. Das schien aber Künstler Gerz nicht gewusst zu haben. Auch Elisabeth Fiedler stieß erst später darauf. "Ich habe mir immer gedacht, dass ist ein permanentes Projekt. Dann bin ich draufgekommen, dass das abläuft und hab’ sofort angesucht, das zu verlängern."

Das klappte auch, doch vier Mal sei genug, lässt Harald Hrubisek, Leiter des Grazer Straßenamtes, wissen. "Wenn das als permanentes Projekt geplant gewesen wäre, hätte man die Standorte anders auswählen müssen."

Der zuständige Stadtrat Mario Eustacchio, FPÖ, hält eine "weitere Verlängerung nicht mehr für argumentierbar". Er schlägt aber als Kompromiss vor, die Tafeln anderswo aufzustellen: Der Skulpturenpark in Unterpremstätten bei Graz böte sich an.

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