CORONA: PK "PROMINENTE GESUNDHEITSEXPERT*INNEN FORDERN PATENTFREIGABE FÜR COVID-IMPFSTOFFE UND MEDIKAMENTE"

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Chronik Österreich
01/28/2022

Gartlehner zu Lockerungen: "Falsche Diskussion zum falschen Zeitpunkt"

Der Epidemiologe warnt davor, zu früh und zu schnell Lockerungen durchzuziehen.

von Kevin Kada

Die einen wollen, die anderen nicht. Gemeint sind Lockerungen rund um die Sperrstunde um 22 Uhr sowie 2- bzw. 3-G-Regeln im Handel und Freizeiteinrichtungen. Während Landeshauptmänner wie Wilfried Haslauer (Salzburg), Markus Wallner (Vorarlberg) und Günther Platter (Tirol, alle ÖVP) für weitere Lockerungen sind, stehen Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (Wien, SPÖ) aber auch die stellvertretende Landeshauptfrau Tirols, Ingrid Filipe (Grüne) auf der Bremse. Auch Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) ist vorerst gegen weitere Öffnungsschritte. Vor allem, weil der Höhepunkt der aktuellen Welle erst Mitte Februar erreicht sein soll. "Weitere Lockerungen zu machen halte ich erst für sinnvoll, wenn wir auch zwei oder drei Wochen in die Zukunft schauen können und wissen was uns erwartet", so der Gesundheitsminister.

Und auch Experten sind sich einig: Zu frühe Lockerungen könnten die Infektionslage schnell wieder ändern. So auch Gerald Gartlehner, Epidemiologe von der Donau Uni Krems, im Ö1 Morgenjournal: "Ich halte das für die falsche Diskussion zum falschen Zeitpunkt. Es stimmt, die Spitäler sind nicht ausgelastet und nicht überlastet."

Gartlehner warnt aber davor, sich in falscher Sicherheit zu wiegen denn: "Man muss sich da die Lage in anderen Ländern ansehen und da gab es sehr wohl Probleme mit der medizinischen Versorgung. Zum einen weil trotzdem sehr viele Patienten in die Spitäler gekommen sind und zum anderen, weil auch eine große Zahl des medizinischen Personals infiziert war. Und die Konsequenz daraus, ist die gleiche wie wir sie bei anderen Wellen hatten. Operationen mussten verschoben werden, Krebstherapien konnten nicht durchgeführt werden und weitere Einschränkungen im Krankenhausbetrieb."

Datenlage unsicher

Wann der richtige Zeitpunkt für Lockerungen ist, sei aktuell schwieriger denn je einzuschätzen, so Gartlehner. Denn die Datenlage ist aktuell sehr unsicher: "Es gibt Nachmeldungen und die Daten sind nicht sehr verlässlich. Das Prognosekonsortium sieht sich ja auch Verläufe in anderen Ländern an und zieht daraus Schlüsse für Österreich. Und da geht man derzeit davon aus, dass wir den Höhepunkt noch nicht erreicht haben."

Wenn es eine klare Tendenz nach unten gibt, dann könne man über Lockerungen sprechen, so Gartlehner: "Aber wir müssen den Höhepunkt der Welle abwarten." Welche Lockerungen vertretbar sind müsse man sich zum gegebenen Zeitpunkt ansehen. Gartlehner könne sich vorstellen, dass man Maßnahmen wie 2-G-Plus oder auch die Sperrstunde beendet. Aber: "Je schneller wir öffnen, desto größer die Gefahr, dass die Infektionen wieder ansteigen."

Impfzertifikate ungültig

Was hinzu kommt, ist, dass ab dem 1. Februar die Impfpflicht gilt. Ab dem 15. März wird diese Impfpflicht auch von der Exekutive und den Behörden kontrolliert und gegebenenfalls vollstreckt. Doch hier wartet auf die Regierung eine weitere Baustelle. Am 1. Februar laufen die Impfzertifikate von über 500.000 Personen aus. Wenn sie sich davor nicht ihre Booster-Impfung holen. Denn ab dem 1. Februar sind zwei Impfdosen nur noch sechs statt bisher neun Monate gültig. Betroffene werden damit am am falschen Fuß erwischt, sagt ÖGK-Obmann Andreas Huss: "Die werden von einem Tag auf den anderen informiert, dass sie nicht mehr in den Handel können."

Darum fordert er, dass der Stichtag auf den 1. März verschoben wird. "So dass jeder die Möglichkeit hat, sich den dritten Stich zu holen", so Huss. Viele Betroffene würden gar nicht wissen, dass sie ab Dienstag kein gültiges Impfzertifikat mehr haben, so der ÖGK-Obmann. 

Impfzertifikate zu verlängern sieht auch Gartlehner als angebracht: "Eine kurze Toleranzphase bis Anfang März ist vielleicht wirklich angebracht. Aber wir müssen uns schon klar sein, dass der dritte Stich wirklich das wirksamste Mittel gegen Omikron ist und es wirft auch die Frage auf, warum die Betroffenen nicht früher benachrichtigt wurden."

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