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Chronik Österreich
04/29/2021

Fußball-Spieler und Trainer kassierten Schwarzgeld

Der Ex-Banker und frühere SV-Mattersburg-Präsident Martin Pucher packt vor den Ermittlern aus.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Der Aufstieg des Fußballklubs SV Mattersburg in die Bundesliga und sein Absturz in den Konkurs sind eng mit den Malversationen bei der Commerzialbank verflochten.

Grob geschätzte 40 Millionen Euro will Ex-Banker und SVM-Präsident Martin Pucher illegal aus der Bank entnommen und dem Fußballklub zukommen haben lassen. Großteils über fingierte Sponsoring-Vereinbarungen mit dem SV Mattersburg und über den Ankauf von tausenden Tickets für die Spiele.

Anfangs hat Pucher ausgesagt, dass acht bis zwölf Prozent der veruntreuten Gelder in den Fußballklub geflossen wären. Das würden laut Ermittlern etwa 80 Millionen Euro ausmachen. Das scheint Pucher doch zu hoch, wie er kürzlich aussagte.

Aber nicht nur der SV Mattersburg profitierte von den Machenschaften des Finanzjongleurs Pucher, sondern zumindest vier Spieler und ein Trainer des Klubs auch direkt. „Als der SVM noch ein Amateurverein war, haben meiner Erinnerung nach nur ganz vereinzelt Spieler kleinere Schwarzgeldzahlungen erhalten“, diktierte Pucher ins Einvernahmeprotokoll.„Nach dem Einstieg in den Profisport habe ich als SVM-Präsident sehr großen Wert darauf gelegt, dass es keine Schwarzgeldzahlungen an Spieler gibt. Ich muss aber eingestehen, dass es in fünf Fällen dann doch derartige Zahlungen gegeben hat.“

Pucher in einer Archivaufnahme vom Juni 2009

Bis zu 100.000 Euro

Den Soko-Ermittlern hat Pucher dann fünf Namen (sie sind der Redaktion bekannt) genannt, die zwischen 2004 und 2013 beim SVM als Spieler bzw. als Trainer engagiert waren. Zwei Spieler sollen zwischen 50.000 Euro und 100.000 Euro bekommen haben, zwei weitere Spieler „haben vereinzelt Zuschüsse erhalten, wenn sie gut gespielt haben“. Diese beiden seien nach den Spielen zu Pucher gekommen, und „haben um Geld gefragt“. Zehn bis fünfzehn Mal schätzt der Ex-Banker. Er hat angenommen, dass „die Spieler das Geld fürs Fortgehen am Wochenende benötigten“. In Summe sollen die beiden zumindest 30.000 bis 40.000 Euro schwarz kassiert haben. „Das Geld habe ich ihnen in bar übergeben“, sagte der Ex-SVM-Präsident aus. „Woher ich diese Mittel entnommen habe, kann ich heute nicht mehr sagen, wahrscheinlich aus der Commerzialbank.“

Auch ein früherer Trainer des SVM Mattersburg soll Schwarzgeld kassiert haben. Dieser hatte einen „laufenden Vertrag“, aber Pucher wollte ihn nicht behalten.

„Ich habe ihm die Hälfte seines ausstehenden Gehalts aus Schwarzgeldzahlungen der Commerzialbank beglichen“, sagte Pucher aus. Dieser war zufrieden, erhielt er doch zwischen 120.000 Euro und 130.000 Euro brutto für netto auf die Hand.

Karten geschreddert

Was beim SVM ebenfalls ausuferte, war der groß angelegte Kartenkauf für die SVM-Spiele durch Pucher. Bei einem Rapid-Spiel konnten das einmal 500 bis 700 VIP-Karten und 3.000 reguläre Tickets sein. Die VIP-Karten wurden an Mitarbeiter, Kunden und andere verschenkt, die normalen Karten wurden großteils in der Bank geschreddert. Für 3.000 reguläre Karten musste Pucher zwischen 51.000 und 63.000 Euro hinblättern. Die VIP-Karten waren mit 120, 130 und 192 Euro pro Stück deutlich teurer. Pucher zahlte fast immer bar.

Eine Millionen Euro

Die Ermittler rechneten dem Ex-Banker vor, dass er überschlagsmäßig pro Spielsaison rund eine Million Euro für Eintrittskarten illegal aus der Bank entnommen habe.

„Die Anzahl der gefakten Karten habe je nach Leistung der Spieler stark variiert. Kamen viele Zuschauer, musste ich weniger Karten aus dem nicht realen Geldkreislauf ankaufen“, gab Pucher zu Protokoll. „Ich schätze, dass über die gefakten Karten zirka 500.000 bis 600.000 Euro dem Verein zugeflossen sind.“ Auch die Einnahmen der SVM-Kantine wurden frisiert. „Wenn wir 8.000 Karten regulär verkauft haben und 2.000 über die Commerzialbank, wurden auch die Einnahmen der Kantine um ein Viertel erhöht“, sagte der Ex-Fußball-Zampano. Auch diesen Betrag habe er dem Kantinenbetreiber in bar übergeben.

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