APA12107528 - 29032013 - SALZBURG - ÖSTERREICH: ZU APA 93 CI - Der Angeklagte (rechts) mit seinem Anwalt Franz Essl am Freitag, 29. März 2013, am Straflandesgericht in Salzburg. Der rechtskräftig verurteilter Sexualstraftäter aus Salzburg, der Mitte März aus dem elektronisch überwachten Hausarrest entlassen worden war, musste sich wegen des Vorwurfs der gefährlichen Drohung in Salzburg vor einem Strafgericht verantworten. APA-FOTO: Susi Berger/Pressefoto Neumayr

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Freispruch für Sextäter
03/29/2013

"Eine Schande für die Justiz"

Salzburger Sexualstraftäter vom Vorwurf der Bedrohung freigesprochen. Sein Opfer reagiert empört.

von Ricardo Peyerl

Es kam, wie vom Opfer befürchtet: Freispruch. Der Salzburger, der eine 15-Jährige vergewaltigt hat, ist wieder einmal davon gekommen. Zuerst wurde B. mit zwei Jahren teilbedingter Haft mild bestraft, dann schenkte man ihm vom unbedingten Teil noch zwei Monate, die verbliebenen sechs musste er nicht im Gefängnis absitzen. Selbst die Mühsal des Hausarrestes ersparte ihm die Justiz schon vor der Zeit und befreite den 52-Jährigen bereits nach vier Monaten von der Fußfessel.

Von der (neuen) Anklage, sein heute 23-jähriges Opfer mit dem Umbringen bedroht zu haben, wurde der leugnende B. am Freitag im Landesgericht Salzburg freigesprochen. Allerdings betonte Richterin Daniela Segmüller: „Es war ein Freispruch im Zweifel.“ Das Opfer freilich fühlt sich in seiner Einschätzung bestätigt. Im Interview mit dem KURIER hatte die 23-Jährige prophezeit: „Die Justiz wird wieder sagen, so schlimm war’s eh nicht.“ Jetzt sagt sie: „Das ist eine Schande für die Justiz. Es zahlt sich aus zu lügen und die Justiz zu hintergehen.“ Der Mann werde immer gefährlicher: „Es wurde ihm ja bestätigt, es passiert nichts.“

Aufgelauert

2005 hatte der damalige Hundetrainer B. die 15-Jährige mehrmals vergewaltigt. Das Mädchen hatte nach einem Streit mit seiner Mutter bei dem Mann und seiner Frau im Haus gewohnt. Das Opfer, dem von der Ehefrau des Täters keine Hilfe zuteil wurde, konnte entkommen und erstattete Anzeige. Schon damals soll B. der jungen Frau vor ihrer Schule aufgelauert haben, sie übersiedelte nach Wien. Weil sie ihre Freunde in Salzburg hat, fuhr sie weiterhin hin und lief ihrem Peiniger über den Weg.

Am 21. März 2012 soll er ihr bei einer Tankstelle in Salzburg, als sie bei einem Bekannten im Auto saß, nachgelaufen sein und geschrien haben: „I bring di um!“ Verbunden mit entsprechenden Gesten am Kehlkopf. Am Abend des selben Tages bekam sie eine SMS von einer unbekannten Nummer: „Heute hattest du Glück! Wenn wir dich erwischen, machen wir dort weiter wo wir aufgehört haben! Du wirst dir wünschen nie geboren worden zu sein!“

Für die Richterin war der Beweiswert der Zeugenaussage des Bekannten nicht hoch. Er hatte die Drohung nur gehört, B. aber nicht gesehen. Auf Wunsch des Rechtsbeistandes der 23-Jährigen, Nikolaus Rast, musste der Angeklagte während ihrer Zeugenaussage den Verhandlungssaal verlassen. Er tat das just in dem Augenblick, als sie den Saal betreten wollte. „Das hat er zufleiß gemacht“, sagt die junge Frau: „Ungut, wir waren nur zwei Meter voneinander entfernt.“ Nicht einmal darauf wurde Rücksicht genommen.

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