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Sextäter-Prozess
03/29/2013

Opfer hofft, "dass er endlich gestoppt wird"

Ein Vergewaltiger durfte seine Strafe im Hausarrest verbüßen. Der KURIER sprach mit dem Opfer.

von Ricardo Peyerl

Der Fall war der Justiz-Aufreger des Jahres 2012. Bevor der Sextäter die Fußfessel angelegt bekam, soll er sein inzwischen 22-jähriges Opfer bedroht haben. Heute beginnt in Salzburg der Prozess.

KURIER: Sie fordern, dass der Täter ins Gefängnis kommt. Warum ist Ihnen das wichtig?
Frau E.:
Weil es ein Signal ist. Wenn man das mild aburteilt, schaut das so aus, als ob die Tat eh gar nicht so schlimm war. Er erzählt bis heute, dass es nicht stimmt. Er hätte ja wenigstens jetzt sagen können: Es tut mir leid. Man will ja als Opfer, dass einem geglaubt wird.

Meinen Sie, dass Strafe abschreckend wirkt?
Wenn man eine Bank überfällt, muss man ja auch ins Gefängnis. Und wenn man so etwas macht, dann nicht? Die Angst, viel Strafe zu kriegen, hemmt.

Warum haben Sie dem Täter vertraut? Er war doch damals schon als einer bekannt, der Mädchen nachsteigt.
Ich hab das als Kind nicht begriffen, ich war grenzenlos naiv. Aber wenn ein Mann Frauen abbusselt und ihnen auf den Hintern greift, muss er ja noch keine Neigung gegenüber Kindern haben. Er war väterlich ...

Sie wohnten bei ihm und seiner Frau, wie sind Sie ihm entkommen?
Man gibt sich anfangs selbst die Schuld, traut sich mit niemandem reden. Seine Frau, zu der ich ein Mutter-Tochter-Verhältnis hatte, hat das runtergespielt. Dass er halt „lästig“ ist, wenn er getrunken hat. Dann kamen Drohungen, dass sie mir meine Hunde wegnehmen. Ohne meine Hunde wäre ich nie gegangen. Eines Nachts bin ich dann einfach raus, mit meinen Hunden, in Hose und Leiberl, mitten im Winter. Es hat sich dann herausgestellt, dass es mehrere Opfer gab. Man fragt sich: Werden uns die glauben? Dann kamen die Befragungen, die wollten nur Zahlen: Wann genau war das und das?

Wieso kommen Sie mit dem Täter immer wieder in Kontakt?
Ich bin ohnehin wegen ihm nach Wien gezogen. Aber ich habe meine Freunde in Salzburg. Und dort kommt man um bestimmte Straßen einfach nicht herum. Ich habe nicht das Recht, dass er aus Salzburg rausgeht. Aber wenn ich jemandem so etwas angetan habe, dann bin ich wenigstens so anständig und weiche aus. Wenn wir beide zur selben Zeit ins Einkaufszentrum wollen, kann er ja vor dem Geschäft warten. Aber er geht mir nach. Er meint, ich soll Salzburg fernbleiben.

Warum haben Sie erst spät Anzeige wegen gefährlicher Drohung erstattet, der Vorfall datiert doch schon von März 2012?
Ich hatte damals eine Anwältin, die sagte, ich soll es ignorieren. Außerdem wollte ich nicht durch eine Anzeige auf meinen Wohnort hinweisen, dass er plötzlich vor meiner Tür steht. Dann erfuhr ich, dass er das durch die Auskunftssperre nicht erfährt. Aber man muss aufpassen, dass meine Adresse nicht im Akt landet.

Was erwarten Sie vom Prozess wegen gefährlicher Drohung?
Es könnte wieder einmal heißen: So schlimm war’s eh nicht – und Freispruch. Ich hoffe, dass er endlich gestoppt wird, dass ich endlich Ruhe vor ihm hab. Jetzt ist wieder viel hochgekommen, ich bin wieder in Therapie und bekomme zum ersten Mal auch Medikamente, bisher ging es ohne. Und die Leute unterschätzen ihn, er ist irrsinnig gefährlich – und Opfer reden oft erst nach Jahrzehnten.

Strengeres Gesetz

Milde

2006 hatte der Salzburger Hundetrainer B. die damals 15-Jährige vergewaltigt. Von der Strafe (acht Monate, dann auf sechs reduziert) saß er keinen Tag ab. Die Fußfessel wurde ihm vorzeitig auf Bewährung abgenommen. Weil er sein Opfer lange nach der Vergewaltigung auch bedroht haben soll, wurde er neuerlich angeklagt.

Absitzen

Ausgelöst durch den Fall müssen Sexualstraftäter seit 1. Jänner 2013 mindestens die Hälfte ihrer Strafe absitzen, bevor sie eine Fußfessel beantragen können.

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