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Chronik Österreich
10/31/2019

Flughafen Innsbruck plant Öko-Gebühr für Landungen

Der Airport sieht den Vorschlag von Bürgermeister Georg Willi für reformierte Landegebühr „konstruktiv“.

von Matthias Nagl

Die in der vergangenen Woche kolportierte Schließung des Innsbrucker Flughafens ist offenbar vom Tisch. Bürgermeister Georg Willi (Grüne) arbeitet sich aber nach wie vor am Airport ab, den die Stadt gemeinsam mit dem Land besitzt. „Ich werde als Vertreter des Anteils der Stadt eine Ökologisierung der Landegebühren vorantreiben. In Zeiten des Klimawandels ist das ein Gebot der Stunde“, bestätigt Willi gegenüber dem KURIER einen entsprechenden Bericht der Tiroler Tageszeitung.

Obwohl die Pläne noch keine drei Tage alt sind, scheint eine relativ rasche Umsetzung möglich. „Wir sehen das konstruktiv. Wir haben vor 15 Jahren lärmabhängige Landegebühren eingeführt. Es gibt Möglichkeiten, hier weitere Anreize zu schaffen“, sagt Flughafen-Chef Marco Pernetta im KURIER-Gespräch. Eine Adaptierung der Landegebühren müsse vom Verkehrsministerium als oberster Luftfahrtbehörde abgesegnet werden.

Vorbild Stuttgart

Für das kommende Jahr geht sich das aufgrund des Fristenlaufs nicht mehr aus. Für 2021 wäre es aber möglich, erklärt Pernetta. Wie die Ökologisierung im Detail aussehen könnte, ist noch völlig offen. Dazu sollen nun Erfahrungen von anderen Flughäfen eingeholt werden. Laut Pernetta werde es wohl auf eine aufkommensneutrale Gebühr hinauslaufen.

Das heißt, umweltfreundlichere Flugzeuge würden belohnt, umweltschädlichere bestraft. Das Gesamtaufkommen der Gebühr bliebe gleich. „Das müssen wir aber erst mit der Behörde klären“, sagt Pernetta. Eine ganz konkrete Möglichkeit wäre, Fluglinien zu belohnen, die verstärkt Bio-Treibstoffe einsetzen.

Laut dem Flughafen-Chef machte man sich damit bei den Fluglinien nicht unbedingt Feinde. „Es gibt in der Branche große Anstrengungen zur Treibstoffreduktion. Wir haben fortschrittliche Airline-Kunden. Damit haben wir keine Probleme“, sagt er. Vorreiter im deutschsprachigen Raum ist der Flughafen Stuttgart, der seit Anfang Juli Fluglinien mit alternativen Kraftstoffen bei den Landegebühren belohnt.

Lärmgebühr erfolgreich

Bestraft werden dagegen ältere Flugzeuge. So verteuert sich die Landung in Stuttgart für eine Boeing 747 beispielsweise von 1.400 auf 9.000 Euro. Flugzeuge mit Elektro-Antrieb dürfen dagegen überhaupt gratis landen. Hintergrund der Stuttgarter Reform ist ebenfalls der Wunsch nach einer Lärmreduktion.

Diesen Wunsch hat sich Innsbruck schon vor 15 Jahren mit lärmabhängigen Gebühren erfüllt. „Wir sind damit die Ersten gewesen, die Zuschläge eingeführt haben. Das hat erfolgreich funktioniert“, berichtet Pernetta. Nebenbei habe das auch einen ökologischen Effekt gehabt. „Meistens sind leisere Flugzeuge auch sparsamere Flugzeuge“, sagt er. Generell ziehe man mit solchen Lenkungsmaßnahmen modernere Flotten an. „Zu 99 Prozent heißt modern leiser und treibstoffeffizienter“, erklärt Pernetta.

Obwohl Bürgermeister Willi Flughafen-Chef Pernetta mit an Bord hat, dürfte die politische Diskussion um den Flughafen in Innsbruck weitergehen. Die Neos reagierten am Mittwoch mit Kritik auf Willis Ökologisierungspläne. „Bürgermeister Willi und die Stadt-Grünen setzen mit dieser Diskussion die Beteiligung der Stadt aufs Spiel“, sagt Gemeinderätin Julia Seidl. „Man kann über eine Ökologisierung nachdenken, aber nur bei einer gesamthaften Flughafengebührenänderung“, erklärt sie.