© Lukas Leonte

Chronik Österreich
08/09/2020

Sie war das Gesicht der Flüchtlingswelle: Was aus der kleinen Dunja wurde

Die „kleine“ Dunja wurde durch das Pressefoto des Jahres zum Symbolbild der Flüchtlingskrise. Ihr Lächeln trägt sie auch heute noch.

von Petra Stacher

Dunja kommt mit einem Krug Wasser in der Hand durch die Tür und stellt ihn auf dem rot-weiß getupften Tischtuch ab. Groß ist sie geworden. Ihr Lächeln, das viele Sorgen vergessen lässt, hat sie aber noch immer.

Es machte sie 2015 österreichweit bekannt: Ein Schnappschuss von ihr wurde zum Pressefoto des Jahres 2016 gekürt (siehe Bild) – sie wurde zum Gesicht der Flüchtlingswelle.

Gemeinsam mit ihrer Mutter Yasmin (38) und ihren drei Brüdern flüchtete das damals sechs Jahre alte Mädchen 2015 per Lkw von Syrien nach Österreich. Acht Monate später kam ihr Vater Azad (41) nach Haibach ob der Donau nach, wo sie im Pfarrhof wohnten. Seither hat sich in der Familie viel getan. Wie es scheint aber vor allem Gutes – so wie sie freudestrahlend am Tisch sitzen.

„Wir machen alles Stück für Stück“ erzählt Azad. Gleich nach dem positiven Asylbescheid am 15. Juni 2016 suchten sich er und seine Frau Arbeit: Yasmin putzt und gibt Essen in einer Fachhochschule aus. Azad selbst fährt Lkw. Derzeit wohnen sie in Miete in einem Haus seines Chefs. Aber nicht mehr lange: „Wir haben uns ein eigenes Haus gekauft. Ende August ziehen wir nach Aschach um“, erzählt er. Wieder ein Meilenstein.

„Wir haben dann alle ein eigenes Zimmer. Ich glaube, meines wird beige“, erzählt Dunja, deren derzeitiges Zimmer in Rosa gehalten ist. Ansonsten verbringt sie die Zeit mit ihrer Katze oder telefoniert mit ihren Cousinen in Deutschland.

Zum Lernen gibt es in den Ferien ja bekanntlich nicht so viel – die Schule ist für Dunja aber sowieso kein Problem. „Sie hat gute Noten“, sagt Papa Azad. „Nach der Mittelschule will ich ins Gymnasium“, ergänzt Dunja im perfekten Deutsch. Ihr Traumjob: Ärztin. Auch ihr ältester Bruder Delsher (15) weiß, was er machen möchte: die HTL und den Mopedführerschein.

Blick nach vorne

Hört man sich ihre Geschichte an, ist es, als ob sie schon ewig in Österreich wären. Azad weiß, warum sie sich hier so gut integriert haben: „Am wichtigsten ist es, raus zu den Menschen zu gehen. Daheimsitzen hilft nicht.“

Wenn er gerade nicht das neue Haus renoviert, spielen Azad und Delsher etwa noch immer in der Reserve in Haibach Fußball. Auch Gerhard, der gerade zur Tür hereinmarschiert und liebevoll mit „Hallo Opa“ begrüßt wird, zählt zu ihren guten Freunden. „Am Anfang haben wir der Familie geholfen. Das brauchte sie aber nicht lange“, sagt er. Dennoch ist die Familie dankbar dafür: „Österreich hat uns so viel gegeben, wir wollen etwas zurückgeben“, sagt Azad.

Vor einem Jahr gründete er einen Verein für Kultur und Integration: Er teilt dort seine Erfahrungen, gibt Tipps zur Integration, lehrt Menschen aber auch, wie er mit Tanz und Musik die eigene Kultur am Leben erhält. „Ab und zu denken meine Frau und ich an die alte Heimat. Österreich ist aber unsere neue Heimat, vor allem für die Kinder. Wir schauen nach vorne, nicht zurück.“

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