Wer seinen Liebling in der Datenbank anmeldet, muss das Tier chippen lassen und Hundesteuer zahlen.

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Flop mit der Hunde-Datenbank
03/30/2013

Flop mit der Hunde-Datenbank

Nur ein Drittel der 750.000 Hunde in Österreich sind registriert.

von Michael Berger

500.000 Hunde sind in Österreich nicht gemeldet. Das „illegale“ Hundeleben verdanken die Vierbeiner auch den laxen Behörden, die die gesetzlich vorgeschriebene Meldepflicht nicht exekutieren. Denn seit Beginn 2010 ist eine vom Bund vorgeschriebene Registrierung in der österreichweiten Hunde-Datenbank Pflicht. Mit vergangenem Donnerstag waren jedoch nur 262.111 Hunde gemeldet. Etwa ein Drittel des Gesamtbestandes. In einigen Bundesländern wie Salzburg und Vorarlberg wird die Meldepflicht nicht einmal ignoriert.

Gemeldete Hunde in Österreich | Infographics

Die Gründe erklärt Gerald Pötz, Vorstandsmitglied des österreichischen Hundehalterverbandes: „Die meisten Besitzer wollen sich die Hundesteuer ersparen. Und am Land denkt man nicht einmal daran, abseits des finanziellen Arguments, sein Tier anzumelden.“

Gesundheitsminister Alois Stöger – in sein Ressort fällt dieHunde-Datenbank– sieht das Gesetz trotzdem nicht gescheitert und argumentiert: „Ein verantwortungsvoller Tierhalter ist zur Registrierung verpflichtet.“ Zum Thema Strafen und Kontrollen wollte sich das Ministerium jedoch nicht äußern.

„Das dauert seine Zeit“

Dafür gewährt Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer einen Blick hinter die Kulissen. Denn Bürgermeister oder der Magistrat sind für Kontrollen und Geldstrafen zuständig. Immerhin kann eine Verwaltungsstrafe bis zu 3750 Euro kosten. Zum Vergleich: Die jährliche Hundesteuer beträgt maximal 80 Euro. Durch die halbe Million illegaler Hunde entgehen den Kommunen jährlich immerhin 20 bis 25 Millionen Euro an Hundesteuer. Trotzdem wird das Melde-Gesetz weder vollzogen, noch kontrolliert. Mödlhammer im Klartext: „Wir sind natürlich nicht sehr glücklich, dass wir mit dieser Datenbank eine weitere Aufgabe dazubekommen haben.“ Reservierter Nachsatz: „Wir versuchen, die Bevölkerung gezielt zu informieren. Das dauert aber leider seine Zeit.“

Hundehalter-Sprecher Gerald Pötz macht die Politik für das Scheitern verantwortlich: „Hundehaltern, also Wählern, ständig nachzulaufen, sie zu kontrollieren und auch zu bestrafen ist nicht im Sinne der Politiker. Denn damit gewinnt man sicher keine Wahlen.“

Hundesteuer abschaffen

Für die Kampagnen-Verantwortliche des Vereines „Vier Pfoten“, Nikola Furtenbach, regiert „totales Chaos“: „Wenn die Hundesteuer der Hauptgrund für 500.000 nicht gemeldete Hunde ist, dann soll man sie abschaffen. Sie wird anscheinend nur auf freiwilliger Basis eingehoben.“ Zusätzlich fordert „Vier Pfoten“ eine Vereinheitlichung der Gesetzgebung: „Jede Gemeinde stellt hier ihre eigenen Regeln auf. Und wenn schon Hundesteuer kassiert wird, dann sollte man auch wissen, wohin die Einnahmen fließen. Wir haben mehrfach nachgefragt, aber nie Antwort erhalten. Transparenz ist hier ein Fremdwort.“

Der Sinn der Meldepflicht liegt laut Gesundheitsressort darin, entlaufene oder ausgesetzte Hunde seinen Haltern zurückgeben zu können, oder im Fall von Streitereien den Besitzer zu ermitteln. Biss-Attacken scheinen in der umstrittenen Datei aber nicht auf. Dafür profitiert die illegale Welpen-Mafia. Denn Besitzer, die ein Tier ohne Lebenslauf kaufen, werden den Hund nie registrieren lassen. Somit verwischt sich jede Spur zu den Tätern.

Treuer Gefährte, teure Haltung

Das Geschäft mit dem Hund kennt keine Wirtschaftskrise. Denn pro Jahr geben Hundebesitzer insgesamt rund 900 Millionen Euro für ihren bellenden Vierbeiner aus. Die Liebe zum Hund zeigt sich in den Wachstumsraten der Branche. Zwei bis drei Prozent pro Jahr werden kolportiert.

Dazu kommt, dass Hundehaltung zahlreiche Konsumenten-Entscheidungen beeinflusst – vom Autokauf über die Urlaubsplanung und Freizeitgestaltung bis hin zur Wohnsituation.

Laut Prof. Kurt M. Kotrschal, Leiter der Konrad Lorenz Forschungsstelle für Ethologie (vergleichende Verhaltensforschung) erwachsen in Österreich durch Hundehaltung pro Jahr sogar 1,2 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung. Tendenz steigend.

Im Schnitt geben Hundebesitzer 1200 Euro pro Jahr aus. Darin inkludiert sind Tierarzt, Futter, Zubehör, Versicherung, Hundesteuer sowie Anschaffung und Ausbildungskosten. Am meisten Geld wird in den Tierarzt und das Futter investiert. Diese Kalkulation aber bleibt einiges schuldig.

Wertvolle Dienste

Denn Hunde leisten viele wertvolle Dienste – etwa in der Therapie oder im behördlichen Einsatz. Vor allem aber als ganz gewöhnlicher Begleithund. Sehr oft sind diese Tiere auch der treueste Begleiter einsamer Menschen und/oder der Kuschel-Wauwau in Familien.

Sämtliche Informationen über Registrierung, Veterinäre, Ausbildung oder Ankauf und Import erhalten sie unter www.hundehalterverband.at

„Gesetz unterstützt Grau-Importe“

Gerald Pötz ist Mitglied im Vorstand des österreichischen Hundehalterverbandes und kritisiert die Hunde-Datenbank massiv.

KURIER: Sie sprechen von einer Fassaden-Gesetzgebung. Wo liegen die Unschärfen?

Die Gründe sind vielfältig. Aber mit einer Meldepflicht, die nicht kontrolliert wird, können wir den Problemen in der Hundehaltung nicht beikommen.

Die Probleme wären?

Hundehalter, die wegen der Rasse ihres Hundes einen Hundeführschein erworben haben, machen ohnehin alles richtig. Aber mit diesem Gesetz werden die Halter, die den Hund oft wechseln oder als Statussymbol missbrauchen, nicht erfasst. Diese Leute umgehen jede Registrierung.

Können durch die Hunde-Datenbank verhaltensauffällige Tiere gefunden werden?

Nein, denn Bisse oder Angriffe werden darin nicht vermerkt. Dabei wäre es leicht. Krankenhäuser bräuchten nur eine Meldung an das Ministerium zu machen. Vielleicht ist der Hund registriert. Angeblich gibt es in Wien durch die Polizei gemeldete Bisse. Doch diese Statistiken haben wir, trotz Urgenz, noch nie gesehen. Man darf nicht vergessen, 80 Prozent der Bisse passieren im privaten Bereich.

Experten behaupten, dass das Melde-Gesetz die Ost-Grauimporte von Welpen indirekt unterstützt?

Wer ein Tier ohne Herkunftsnachweis und Geburtsurkunde zu Dumpingpreisen erwirbt, wird wohl kaum eine Registrierung anstreben. Wir kennen Fälle, wo Welpen am Mexikoplatz in Wien vom Kofferraum eines Autos aus verkauft wurden.

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