Mein Klagenfurt

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Chronik Österreich
03/03/2020

Finanzskandal: Mitarbeiter soll 1,7 Millionen abgezweigt haben

Der Betroffene bestreitet die Vorwürfe. Die Stadt erstattete Anzeige und fordert lückenlose Aufklärung

von Nikolaus Tuschar

Es ist ein Skandal der Extraklasse. Um Ähnliches zu finden, muss in den Annalen der Stadt Klagenfurt wohl lange geblättert werden. In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz mit Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ) und Magistratsdirektor Peter Jost wurde am Dienstag bekannt gegeben, dass ein ehemaliger, mittlerweile pensionierter Magistratsmitarbeiter über 1,7 Millionen Euro abgezweigt haben soll. Und das ist insgesamt 23 Jahre bei Prüfungen nie aufgefallen.

Konto stimmte nicht

Bedanken muss sich die Stadt und in weiterer Folge der Steuerzahler bei einer couragierten Mitarbeiterin. Diese schlug Alarm, als sie bei der Überprüfung eines Verrechnungskontos auf Unstimmigkeiten stieß.

Doch wie gelang es dem Verdächtigen, die Stadt über Jahre hinweg zum Narren zu halten? Schließlich finden jährlich Prüfungen statt. Der Magistratsdirektor bringts auf den Punkt: „Das Kontrollsystem hat versagt.“

Möglich wurden die Malversationen, die laut Magistratsdirektor Peter Jost mit „hoher krimineller Energie“ durchgeführt worden waren, durch das kameralistische Buchungssystem. In dessen Rahmen sind immer nur Kalenderjahre erfasst worden; der Mann habe aber die Möglichkeit gehabt, noch nach dem Jahresabschluss nachträglich rückwirkende Buchungen für den Dezember durchzuführen.

Er nahm Bargeld aus der Kasse und fingierte Einzahlungsbelege für die fehlende Summe bei einer anderen Bank. Damit das tatsächlich verschwundene Geld bei der Abrechnung nicht auffällt, wurde es auf ein stadtinternes Verrechnungskonto gebucht. „Der Saldo hat so immer gestimmt“, erklärte Jost.

Vier-Augen-Prinzip

Für den Magistratsmitarbeiter war es demnach ein Leichtes, die Kontrollmechanismen auszuhebeln. Bei Barbehebungen praktizierte die Stadt nämlich kein „Vier-Augen-Prinzip“. Warum, wenn das doch in fast jedem Unternehmen ab 5000 Euro Gang und gebe ist, wurde am Dienstag gefragt. Als Antwort kam nur Schulterzucken.

Die Stadt hat mittlerweile ein neues Abrechnungssystem. Mathiaschitz hat eine umfassende, interne Überprüfung der Buchhaltung angekündigt. Politisch ist es in dieser Causa schwer, einen Verantwortlichen zu finden. Mathiaschitz ist das vierte Stadtoberhaupt, unter dem der Mitarbeiter – er bestreitet die Vorwürfe vehement – Geld abgezweigt haben soll.

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