S1
04/29/2019

Experte zu Lkw-Brand auf S1: "Grobes Fehlverhalten"

Tunnelsicherheit ist in Österreich hervorragend, konstatiert der führende Experte Willy Matzke.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel, Katharina Zach

Wie lange die S1 nach dem folgenschweren Tunnel-Feuerunfall Montag Früh bei Schwechat (mehr dazu hier) gesperrt bleiben wird, ist noch offen. Vermutlich wird es Tage dauern, bis das abschätzbar ist. Ursache soll aber nicht mangelnde Tunnel-Sicherheit sein, sagt Österreichs führender Tunnelexperte Willy Matzke zum KURIER. Er ortet "grobes Fehlverhalten des Lkw-Fahrer" als Ursache für den Brand.

"Wesentlich besser"

Seit den Feuer-Katastrophen im Mont-Blanc-Tunnel (39 Tote im März 1999) und im Tauerntunnel (12 Tote im April 1999) hat sich bezüglich Sicherheit viel geändert. Einer der Gründe ist Matzke, der nach den schweren Unfällen einen europaweiten Tunneltest initiierte. "Die Tunnelsicherheit ist wesentlich besser geworden", konstatiert der Experte. "In allen Tunnels sind nun alle 100 Meter Löschanlagen angebracht."

Viel Löschschaum eingesetzt

Feuerwehr im Einsatz

Der Brand

Beschädigte Decke

Gerade die S1-Tunnels sind am höchsten Stand der Sicherheit. "Der Lkw-Lenker hätte einfach zu einem der Löschgeräte gehen müssen und das Feuer löschen können", meint Matzke. "Das hat einen Pistolengriff und geht so einfach zu bedienen wie ein Kärcher".

Matzke betont jedenfalls, dass es sicherer ist in einem Tunnel zu fahren als auf freier Strecke. Dort gebe es nicht ein so gutes Sicherheitsnetz wie in Österreichs Röhren: "Die Asfinag hat hier gute Arbeit geleistet."

Parallelen mit Tauerntunnel

Zwischen dem Tauerntunnel und dem aktuellen Unfall in Rannersdorf gibt es durchaus Parallelen, die zeigen wie sich die Sicherheit verbessert hat. Bei dem Unfall im April 1999 starben sechs Menschen unmittelbar bei dem Zusammenstoß, weitere sechs aber starben an Rauchgasvergiftung. Im aktuellen Fall zeigte sich, dass die Abluft funktionierte, wie auch die Feuerwehr Schwechat konstatierte. Das habe auch die Löscharbeiten massiv erleichtert.

"Es gab gute Sicht, auch die thermische Belastung war dadurch nicht so arg", sagt Maximilian Puhane von der Feuerwehr.