© Innsbruck Tourismus / Christof Lackner

Chronik Österreich
02/04/2021

Experte: "Wenn Mutation im Land ist, lässt sie sich nicht mehr eindämmen"

Das Zeitfenster, die südafrikanische Virus-Mutation in Tirol einzudämmen, könnte bereits geschlossen sein.

von Kevin Kada, Petra Stacher, Josef Siffert, Christian Willim, Andreas Puschautz

Unter großem Zeitdruck werden unter anderem bei der AGES in Wien aktuell hunderte PCR-Tests sequenziert, um mögliche Mutationen zu finden. Besonders stark von der südafrikanischen Variante betroffen ist nach bisherigen Ergebnissen Tirol. Virologin Dorothee Von Laer von der Uniklinik Innsbruck hat im KURIER-Gespräch vor einem "zweiten Ischgl" gewarnt und würde empfehlen, Tirol "für einen Monat zu isolieren".

Möglicherweise könnte das aber bereits zu spät sein, wenn es nach Till Königswieser, dem ärztlichen Direktor des Salzkammergut Klinikums und Berater des oö. Krisenstabes. "Derzeit haben wir noch keinen Fall der afrikanischen Mutation in Oberösterreich. Es ist aber nur mehr eine Frage der Zeit; bis wir eineN finden. Weil wenn es schon im Land ist, lässt es sich nicht mehr eindämmen", sagt Königswieser.

Zwischen drei und zehn Prozent der Proben würden derzeit eine Mutation aufweisen. Ob es sich dabei um die britische, südafrikanische, brasilianische oder japanische handle, könne man mit weiteren PCR-Methoden eingrenzen. Zur endgültigen Bestätigung werden die Ergebnisse schließlich zur AGES gesendet.

Quarantäne nicht vom Tisch

Warnrufe, die offenbar ernst genommen werden. Die Regierung prüft derzeit mit Experten alle Optionen, wie die APA aus informierten Kreisen am Donnerstag erfahren hat. Die Verbreitung der südafrikanischen Mutation des Coronavirus in Tirol könnte also zu einer Abschottung einzelner Gebiete führen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass das ganze Land unter Quarantäne gestellt wird.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bezeichnet davor die Situation in Tirol als "ernst". Das Land Tirol hat, wie der Minister am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien sagte, noch am Mittwoch ein "sehr straffes Fünf-Punkte-Programm aufgestellt, mit dem die Situation genau untersucht werden soll".

Wie die Mutation nach Tirol gekommen ist, lässt sich aktuell noch nicht klären wie Elmar Rizzoli, Tirols Impfkoordinator, erklärt. "Derzeit haben wir keine gesicherten Informationen, wie schlussendlich diese Mutation nach Tirol gekommen ist." Rizzoli verweist darauf, dass aber nicht nur Südafrika als Ursprungsland infrage käme: "Wir haben ja weltweit in 33 Staaten diese Virusmutation nachgewiesen."

Platter gegen Isolation Tirols

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) hat am Donnerstag einer möglichen Isolation Tirols aufgrund der Ausbreitung der südafrikanischen Coronavirus-Variante eine Absage erteilt. "Das gibt die Datenlage nicht her", sagte Platter. Man müsse "natürlich immer auf der Hut sein", gab er zu bedenken. Dennoch müsse darauf geachtet werden, "dass die Verhältnismäßigkeit gegeben ist". Ein Befund, den auch der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker teilt. 

Seit dem Auftreten der britischen Virusmutation in Jochberg wird laut Platter jeder positive PCR-Test im Land auf Auffälligkeiten untersucht, um ein genaueres Lagebild zu erhalten. "Kein anderes Bundesland hat so drastische Maßnahmen", so Platter zum KURIER.

Dem Tiroler Landeshauptmann springt auch der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) zur Seite: "Ich glaube, das kann man aus der Ferne nicht beurteilen. Aus Daten kann ich nicht erkennen, dass Tirol eine besondere Problemzone ist. Ich gehe davon aus, dass sie die betroffenen Gruppen mit Mutationen bereits extrem gut abgeschottet und eingegrenzt haben. Das ist jedenfalls unser Informationsstand. Aber die Diskussion muss man vor Ort führen und die Entscheidung vor Ort treffen."

Die südafrikanische Variante wurde bisher 75 Mal identifiziert - nur mehr fünf Betroffene galten hier noch als aktiv positiv. In den vergangenen drei Tagen habe man sich mit Experten beraten, wobei beschlossen wurde, dass die Kontaktnachverfolgung und das Testen intensiviert werden sollen, so Platter. Es werde täglich evaluiert, welche Auffälligkeiten es gibt. Die britische Mutation wurde in Tirol übrigens bisher bei 21 Personen festgestellt, wovon noch eine Person aktiv positiv sei.

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