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Kunstschätze
05/14/2021

Esterhazy bietet Ungarn die Stirn

Im Rechtsstreit um mehr als 260 Objekte, die 1919 von Forchtenstein nach Budapest gebracht wurden, will Esterhazy bis zum Menschenrechtsgerichtshof gehen

von Thomas Orovits

Wer Jahrhunderte überdauert, lässt sich auch von einem Rückschlag nicht entmutigen – und sei er noch so herb. Esterhazy bemüht sich seit Jahren um die Anerkennung der Eigentümerschaft an gut 260 Objekten, die 1919 (das Burgenland war damals westungarisches Gebiet) aus der Schatzkammer auf Burg Forchtenstein ins Budapester Kunstgewerbemuseum gebracht worden sind. In Ungarn hatte sich kurz nach dem Ersten Weltkrieg für knapp fünf Monate eine Räterepublik etabliert. Gegner im heutigen Kampf David gegen Goliath ist der ungarische Staat. Und dem hat das Oberlandesgericht in Budapest nun auch in zweiter Instanz Recht gegeben.

Das Budapester Gericht ließ wissen, die Esterhazy-Stiftung habe nicht nachweisen können, dass die betroffenen Werke fester Bestandteil der Schatzkammer auf Burg Forchtenstein seien. In ungarischen Medien wurde der Gesamtwert der 260 Kunstwerke auf 100 Millionen Euro geschätzt.

Man werde weiterkämpfen, bekräftigte eine Esterhazy-Sprecherin am Freitag auf KURIER-Nachfrage. „Und wenn es bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg sein muss.“

Worum gerungen wird

Als die ungarische Regierung 2013 alle Objekte in staatlichen Museen auf ihre Herkunft überprüfen wollte, um sie gegebenenfalls den rechtmäßigen Eigentümern zurückzugeben, wurde man auch in Eisenstadt hellhörig. Esterhazy bot Ungarn an, die mehr als 260 Forchtensteiner Objekte (Prunkpokale, Kelche, Schmuck, fürstliche Gewänder) weiterhin in Ungarn zu belassen, wenn im Gegenzug Esterhazys Eigentümerschaft an den Objekten außer Streit gestellt würde. Des Weiteren forderte Esterhazy freien Zugang für Forschung und Wissenschaft und die Bereitschaft Ungarns, die Sammlungsteile gemeinsam mit den in Forchtenstein verbliebenen Teilen bei wichtigen Ausstellungen zusammenzuführen.

Eine Einigung zeichnete sich nicht ab, also klagte Esterhazy 2017.

Aus Sicht Esterhazys ist das Jahr 1923 der Schlüssel im Streit. Damals habe Fürst Paul V. Esterhazy eine Deposit-Vereinbarung mit dem Kunstgewerbemuseum getroffen, in der der damalige ungarische Kulturminister „ausdrücklich“ Esterhazy als Eigentümer der Objekte anerkannt habe. 1948, Ungarn wurde Teil des kommunistischen Ostblocks, hat man Pauls Besitz beschlagnahmt und verstaatlicht.

Esterhazy sieht deshalb im aktuellen Urteil „einen nachträglichen und willkürlichen Eigentumserwerb durch den ungarischen Staat unter heutiger Anwendung der kommunistischen rechtlichen Regelungen“, die verfassungswidrig und zudem formell falsch seien.

Fortsetzung folgt.

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