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Burgenland
06/11/2019

Burg Forchtenstein bleibt Eigentum der Esterhazy-Stiftungen

Im Gerichtsstreit um das historische Gebäude zwischen Stefan Ottrubay und Teilen der Fürstenfamilie ist eine Entscheidung gefallen.

von Thomas Orovits

Zwischen Stefan Ottrubay, dem Generaldirektor der Esterhazy Betriebe und starken Mann in den von seiner Tante Melinda Esterhazy auf den Weg gebrachten Stiftungen, und Teilen der Fürstenfamilie Esterhazy fliegen seit Jahren die Fetzen - auch vor Gericht. Von ursprünglich neun Verfahren seien "acht rechtskräftig zu unseren Gunsten entschieden", hatte Ottrubay in einem KURIER-Interview Anfang des Jahres bilanziert. Ein Verfahren war noch anhängig und wurde jetzt vom Landesgericht Eisenstadt erstinstanzlich zugunsten Ottrubays entschieden: Paul-Anton Esterhazy, der Sprecher der Familie, hatte mit Verweis auf einen Stiftungsbrief von 1688 behauptet, dass ihm Burg Forchtenstein gehöre.

"In der Rechtssache der klagenden Partei Pal-Antal Esterházy wider die beklagte Partei Esterházy wegen Herausgabe einer Liegenschaft (Burg Forchtenstein)" habe das Landesgericht Eisenstadt die Klage "abgewiesen", teilte das Gericht am Dienstag in einer knappen schriftlichen Aussendung mit. Ottrubay muss demnach nicht "Schlüssel und Verwaltungsunterlagen" des Bollwerks auf der Rosalia an seinen Widersacher übergeben.

Paul V. Esterhazy habe seine Gattin Melinda am 21. August 1986 als Universalerbin eingesetzt und damit bekundet, dass er "keine dem Fideikommiß entsprechende Erbfolge herstellen wollte", heißt es auf KURIER-Nachfrage zur Begründung aus dem Landesgericht Eisenstadt. Das Familienfideikommiß ist eine erbrechtliche Einrichtung, um das Vermögen einer Familie (meist Grundbesitz) für immer geschlossen und ungeteilt in der Hand nur eines einzigen Familienmitgliedes zu erhalten.

Das Urteil sei nicht rechtskräftig, die klagende Partei könne gegen das Urteil Berufung an das Oberlandesgericht Wien erheben.

Davon sei wohl auszugehen, lässt Paul-Anton Esterhazys Rechtsanwalt Maximilian Schaffgotsch durchblicken. Sein Mandant sei zwar derzeit im Ausland und er habe ihn auch noch nicht erreicht, aber nach einer ersten Durchsicht sei die Begründung des Urteils "nicht widerspruchsfrei", so Schaffgotsch. Entscheiden müsse aber Paul-Anton Esterhazy.

Wirtschaftsimperium

Hintergrund der jahrelangen Fehde ist das Ringen um Macht und Einfluss im Wirtschaftsimperium. Die Kerngruppe konnte ihren Umsatz im Jahr 2018 um fünf Prozent auf 55,8 Millionen Euro steigern. Im Eigentum der Gruppe befinden sich 5.600 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche im Burgenland. Der Forstbetrieb umfasst 22.400 Hektar Wald mit über 30 Baumarten. Pro Jahr würden rund 130.000 Festmeter Holz geschlagen. Den Holzhandel mitberücksichtigt, vermarkte man jährlich insgesamt 380.000 Festmeter. Zu den Esterhazy Betrieben gehört auch ein Weingut mit einer Fläche von insgesamt 90 Hektar. In den Rieden reifen die Trauben für rund 800.000 Flaschen Rot-, Weiß- sowie Sparklingweine. Die elf See- und Freizeitsiedlungen der Gruppe beherbergen zusammen mehr als 5.000 Mieter.