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Chronik Österreich
09/17/2021

Erste Ischgl-Klage: Eine Familie hofft auf Gerechtigkeit

Der Fall Hannes Schopf ist nach knapp drei Stunden vor Gericht schon wieder geschlossen. Richterin entscheidet schriftlich

von Michaela Reibenwein

Ulrich Schopf steht abseits. Er beobachtet, wie sich Dutzende Journalisten durch die Sicherheitsschleuse ins Landesgericht für Zivilrechtssachen in Wien schieben, den Anwesenden ihre Mikros entgegenstrecken.

Der Termin Freitagvormittag ist belastend für ihn. Es geht schließlich um den Tod seines Vaters, Hannes Schopf. Gestorben am 10. April an Corona im Alter von 72 Jahren.

Fehler eingestehen

„Es geht um Gerechtigkeit“, sagt sein Sohn. „Dass die Fehler endlich eingestanden werden.“ 100.000 Euro klagen er und seine Mutter von der Republik ein. „Aber es geht hier nicht ums Geld“, betont Schopf. „Das würden wir der Caritas spenden.“ So wie es der Vater, langjähriger Chefredakteur der Furche, schon getan hat.

Hannes Schopf war am 7. März 2020 mit Freunden zum Skifahren nach Ischgl gereist – also zwei Tage, nachdem das Land Tirol darüber informierte, dass sich 14 Isländer, die in Ischgl Urlaub gemacht hatten, angeblich in einem Flugzeug mit Corona angesteckt hätten. Und genau an dem Tag, als bekannt wurde, dass ein Kellner der Après-Ski-Bar Kitzloch erkrankt war.

Der Tod von Hannes Schopf hätte verhindert werden können, sind die Hinterbliebenen und ihr Anwalt Alexander Klauser überzeugt. Doch die Behörden hätten falsch reagiert, Maßnahmen seien viel zu spät gesetzt worden. Die Vertreter der Finanzprokuratur (sie vertreten die Republik), Martin Paar und Martin Tatscher, bestreiten das. Man habe – nach dem damaligen Wissensstand – richtig gehandelt.

„Ich möchte Ihnen mein Beileid aussprechen“, beginnt Richterin Catrin Aigner. Sie muss klären, ob die Republik Österreich haftbar ist. Anwalt Klauser bringt dafür noch einige Beweisanträge vor. Und er möchte von der Finanzprokuratur Antworten. Etwa, wie es zu Mails zwischen Bezirkshauptmannschaft und der Tiroler Landesregierung kam, die zum Beispiel so lauteten: „Damit hätten wir Ischgl vorerst aus dem Schussfeld.“ Zudem will Klauser noch etliche Zeugen laden.

Urlaub mit Freunden

Mitten unter den Journalisten lauscht auch Dörte Sittig den Ausführungen der Juristen. Die Frau aus Bremen hat ihren Lebensgefährten Ulrich Lempik nach einer Corona-Infektion verloren. Nach drei Wochen im künstlichen Tiefschlaf. Auch er war zuvor so wie jedes Jahr mit Freunden in Ischgl. „Ischgl hätte schon bei den ersten Fällen schließen müssen“, beklagt sie. Sie ist extra nach Wien gekommen, um bei der ersten Verhandlung dabei zu sein – auch sie hat mithilfe des Verbraucherschutzvereins (VSV) geklagt. So wie insgesamt 15 Angehörige oder Geschädigte, die durch den VSV vertreten werden.

Doch nach knapp mehr als drei Stunden Verhandlung folgt für die Deutsche und Ulrich Schopf die Ernüchterung. Die Richterin stellt klar: Es wird kein Beweisverfahren geben. Ihr würden umfassende Unterlagen zu der Thematik vorliegen – die sind Grundlage genug, um zu entscheiden und die „rechtlichen Schlüsse zu ziehen“. Die Entscheidung der Richterin ergeht schriftlich.

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