Terrorgefahr: Neue Panzerwagen schützen Spezialeinheit Cobra
Mit einem gedämpften Geräusch fallen die gepanzerten Türen ins Schloss. Von außen wirken sie unscheinbar, fast wie herkömmliche Geländewagen. Hinter der zurückhaltenden Optik verbirgt sich jedoch Hightech für den Ernstfall: Mit zehn neuen Spezialfahrzeugen rüstet das Einsatzkommando Cobra auf.
Im Rahmen einer Pressekonferenz wurden die Fahrzeuge namens „Enok light“ offiziell übergeben. „Die Aufgabe der Cobra ist es, bei Sonderlagen für die Sicherheit der Bevölkerung zu sorgen. Dafür sind die Cobra-Kräfte gut ausgebildet und benötigen modernes Gerät“, sagt Innenminister Gerhard Karner (ÖVP).
Neue Fahrzeuggeneration
Bei den Fahrzeugen handelt es sich um Light Armoured Patrol Vehicles (LAPV), die auf dem Modell der Mercedes-Benz G-Klasse beziehungsweise des Puch G. basieren. Sie sollen Schutz gegen alle gängigen Kurz- und Langwaffengeschoße bieten und zum Beispiel für Antiterror-Einsätze, schnelle Interventionsoperationen bis hin zu Personenschutz und riskanten Spezialtransporten ausgelegt sein.
Im Vergleich zu bisherigen Fahrzeugen sind die neuen Enoks kleiner, wendiger und schneller und laut Cobra optimal für städtische Gebiete. Optisch bleiben sie dabei bewusst zurückhaltend – grau lackiert, innen schwarz, mit Platz für vier Einsatzkräfte und einem Gesamtgewicht von unter fünf Tonnen. Für die Cobra seien die Enoks ein großer Fortschritt, davor mussten alle Fahrzeuge umgebaut werden, um gepanzert zu sein.
Laut Cobra-Beamten Gerald Adamek mussten Fahrzeuge teilweise auseinandergebaut, dann gepanzert und wieder zusammengebaut werden. „Unvorteilhaft war, dass die Panzerung nach innen ging, dadurch hatten unsere Einsatzkräfte mit ihrer Ausrüstung weniger Platz“, sagt Adamek. Und durch die Panzerung stieg das Gewicht der Türen, was häufig zu Schäden wie gebrochenen Türschanieren führte.
Die neuen Enoks werden gepanzert gebaut, Veränderungen müssen nicht mehr vorgenommen werden. Außerdem liegt die Schutzschicht außen, wodurch im Innenraum mehr Platz bleibt. Durch die neue Konzeption der Einsatzfahrzeuge sollen laut Adamek langfristig Reparaturkosten gesenkt werden. Gekostet haben die zehn Enoks rund vier Millionen Euro.
Drohnenabwehr beim ESC
In den vergangenen Jahren wurde bereits viel in die Ausrüstung der Cobra investiert. So auch in das Drohnenabwehrsystem, das dieses Jahr beim Eurovision-Song-Contest (ESC) zum Einsatz kommen soll. Denn die Erinnerungen an die drei abgesagten Taylor Swift-Konzerte 2024 im Wiener Ernst Happel-Stadion sind bei den Sicherheitskräften noch allgegenwärtig. Der vereitelte Terroranschlag spielt auch bei der Einsatzplanung und dem Sicherheitskonzept für den bevor stehenden Eurovision Song Contest in der Stadthalle eine maßgebliche Rolle.
Gerade der Antritt Israels und die damit zu erwartenden Anti-Israel-Kundgebungen mit antisemitischen Tendenzen bereiten Polizei, Staatsschutz und Spezialkräften ein gewisses Kopfzerbrechen im Vorfeld. Die Gefährdungslage ist laut dem Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, „hoch“. Das sei sie aber schon seit 2023 so.
Die Drohnen sollen beim ESC zur Überwachung dienen.
Eine wesentliche Rolle beim ESC wird die Gefahr aus der Luft spielen. Polizei und der Staatsschutz können auf drei mobile Drohnen-Abwehreinheiten der Sondereinheit Cobra zurückgreifen. Sie sind über das Bundesland verteilt und werden beim Songcontest in Wien entsprechend in Stellung gebracht.
Man kann dabei auf die Erfahrungen bei Großveranstaltungen wie dem Nova Rock, Donauinselfest oder Sportevents zurückgreifen. 80-mal wurde die Drohnen-Abwehr der Cobra zur Sicherung des Luftraums im letzten Jahr angefordert. Der Bedarf sei riesig. Beim vergangenen Skiweltcup auf der Streif in Kitzbühel wurden 14 unbekannte Drohnen als Gefahrenquelle von der Cobra erkannt und „gejammt“, in acht Fällen wurden die Drohnen „vom Himmel geholt“.
Wie man aus anderen Ländern weiß, werden Drohnen auch für terroristische Zwecke eingesetzt. Dies fand auch beim Sicherheitskonzept und den polizeilichen Vorbereitungen für den ESC Niederschlag.
Für die Überwachung von Events wie dem ESC aus der Luft, verfügt die Cobra über 34 moderne Drohnensysteme mit integrierten Wärmebildkameras, Suchscheinwerfern und Lautsprechern. Im Alltagsbetrieb werden die Drohnen auch zur Grenzraumüberwachung oder bei der Aufklärung von Tatorten bzw. bei Zugriffen eingesetzt.
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