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Chronik Österreich
08/09/2021

"Eins vor zwölf": Klimaschützer fordern sofortiges Handeln

Die österreichische Politik wird von sämtlichen NGOs mit deutlichen Worten in die Pflicht genommen.

Die am Montagvormittag in Form des sechsten Sachstandsbericht des Weltklimarates IPCC veröffentlichte Botschaft der internationalen Klimaforschung könnte eindeutiger nicht sein: Mit der derzeitigen Entwicklung wird 2030 bereits eine Erderwärmung um 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter erreicht sein, UN-Generalsekretär Antonio Guterres rief konsequenterweise die "Alarmstufe Rot" für das Weltklima aus.

Österreich ist in dieser verheerenden Entwicklung bereits einen Schritt weiter: Laut der Zentralanstalt für Meterologie und Geodynamik (ZAMG) ist es hierzulande seit Beginn der Industrialisierung bereits um rund zwei Grad wärmer geworden. Folgt keine Trendumkehr, wird die Erwärmung bis zum Jahr 2100 bei mindestens fünf Grad liegen.

Gewessler: Weiter wie bisher "keine Option"

Für Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) ein eindeutiger Auftrag: Die veröffentlichen Daten und Ergebnisse des IPCC würden deutlich zeigen, "dass weiter wie bisher für uns alle keine Option ist", so Gewessler in einer Aussendung.

Und weiter: "Wir werden überall auf der Erde, auch in Österreich, verstärkt mit uns nun bekannten Extrem- und Unwettern, Trockenheit und Hitze in unseren Regionen und Städten rechnen müssen. Die Klimakrise sorgt für verwüstete Landstriche, schadet unserer Wirtschaft mit immens hohen Folgekosten in Milliardenhöhen, zerstört Lebensgrundlagen, Existenzen und Arbeitsplätze."

Der Bericht bestätige jedoch auch, so die frühere Geschäftsführerin der Umweltschutzorganisation Global 2000, dass bei "Vorantreiben ambitionierter Klimaschutzmaßnahmen" eine Eindämmung der voranschreitenden Klimakrise möglich sei.

Global 2000: "Können es noch schaffen"

Auch Gewesslers früherer Arbeitgeber Global 2000 sieht den IPCC-Bericht als alarmierenden Weckruf an die Politik: "Es ist eins vor zwölf und der Zustand des Planeten verschlimmert sich schnell. Die positive Nachricht ist, dass wir es immer noch schaffen können, die Gefahr einzudämmen, wenn rasch und wirksam gehandelt wird", so Klima- und Energiesprecher Johannes Wahlmüller.

Dazu brauche es aber Konsequenzen und einen "Green Deal" bestehend aus einer öko-sozialen Steuerreform, einem rechtlich verbindlichen Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle und einem Milliarden-Investitionspaket. "Es geht beim Klimaschutz um Menschenleben und unser aller Überleben. Wer weiter nur auf freiwillige Empfehlungen setzen will, hat die Ernsthaftigkeit der Situation einfach nicht begriffen. Die Unverbindlichkeit der Klimapolitik hat uns an den Rand des Abgrunds gebracht, jetzt braucht es wirksame Maßnahmen, damit die Trendwende doch noch geschafft werden kann. Damit modernisieren wir unser Land, machen uns unabhängig von Energieimporten und schaffen tausende Arbeitsplätze", so Wahlmüller weiter.

WWF: Nur mehr sehr wenig Zeit

Rasches Handeln der Politik fordert auch WWF-Klimaexpertin Lisa Plattner: "Wir haben nur mehr sehr wenig Zeit, die Erderhitzung einzudämmen, aber es ist noch möglich.” Hingegen wäre ein weiteres politisches Scheitern fatal: "Das würde zu einer Erhitzung von drei bis sechs Grad Celsius führen. Verheerende Dürren und Feuer, wie wir sie jetzt schon in Ausnahmejahren sehen, werden dann zum Normalfall. Viele Naturkatastrophen würden noch extremer ausfallen.“

Von der Politik fordert der WWF einen Klima-Rettungsplan mit ganzheitlichem Ansatz: "Österreich muss sich auf der EU-Ebene für eine Klimaneutralität bis 2040 statt 2050 einsetzen und dieses Ziel auch in der Heimat rasch mit Leben erfüllen. Das erfordert naturverträgliche Klimaschutzmaßnahmen in allen Bereichen“, so Plattner. Konkret brauche es dafür eine ökologisch und sozial gerechte Steuerreform, die Streichung umweltschädlicher Subventionen, eine umfassende Mobilitäts- und Ernährungswende, einen konsequenten Schutz der Natur und den naturverträglichen Ausbau von Erneuerbaren Energien.

Greenpeace: "Auf Messers Schneide"

“Die wissenschaftlichen Erkenntnisse waren nie eindeutiger, die Zeit nie knapper: Der neue Bericht des Weltklimarats zeigt, dass die Welt, wie wir sie kennen, auf Messers Schneide steht. Wir sehen die bereits heute verheerenden Auswirkungen der Klimakrise. Der Bericht warnt aber vor noch drastischeren Zukunftsszenarien“, sagt auch Jasmin Duregger, Klima- und Energieexpertin bei Greenpeace.

Besondere Bedeutung komme dem neuen Report hinsichtlich der Weltklimakonferenz (COP26) im November in Glasgow zu. Alle Staaten seien angehalten, ihre Zielversprechungen an den Pariser Klimavertrag anzupassen und ambitionierte Pläne vorzulegen. “Die Staatsmänner und -frauen dieser Welt müssen den Bericht als Alarmsignal erkennen. Klimaschutz muss zur Priorität werden. Die schwachen Klimaschutzpläne der Länder sind offensichtlich bei weitem nicht ausreichend”, appelliert Duregger.

Auch Österreich hinke hinterher: Zwar wurde die Klimaneutralität im Regierungsprogramm vereinbart, von einer gesetzlichen Verankerung - beispielsweise im Klimaschutzgesetz - fehle aber nach wie vor jede Spur. Von der österreichischen Bundesregierung fordert Greenpeace daher, schleunigst ein umfassendes und ambitioniertes Klimaschutzgesetz sowie eine sozial abgefederte ökosoziale Steuerreform umzusetzen.

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