© Kurier/Franz Gruber

"Wiener KURIER"
08/27/2020

Eine Tageszeitung feiert Geburtstag

Heute vor 75 Jahren erschien die erste Ausgabe des "Wiener KURIER".

Ganz schön jung ist er geblieben, der KURIER, dessen erste Ausgabe heute vor 75 Jahren, am 27. August 1945, erschien. Der Zweite Weltkrieg war erst vor knapp vier Monaten zu Ende gegangen, und Wien stand unter der Verwaltung der vier alliierten Mächte, wobei der siebente Bezirk Neubau zur amerikanischen Zone gehörte. Dort, in der Seidengasse, stand die Großdruckerei Waldheim-Eberle, die vor dem Krieg der jüdischen Verlegerfamilie Ullstein gehört hatte und 1938 an einen Nazi-Verlag übergeben werden musste, der hier das Hetzblatt "Völkischer Beobachter" druckte.

Nach der Befreiung Wiens im Jahr 1945 beschlagnahmten die Amerikaner die Druckerei. Sie wollten die Rotationsmaschinen rasch wieder laufen lassen – nun aber mit demokratischen Inhalten einer neuen Zeitung. Und so ging am 27. August 1945 die neue Tageszeitung "Wiener KURIER" an den Start. Das Blatt wurde "herausgegeben von den amerikanischen Streitkräften für die Wiener Bevölkerung", wie offiziell verlautbart wurde. General Mark Clark, der Oberkommandierende der US-Truppen in Österreich, gab auf Seite 1 der ersten Ausgabe die Linie vor: "Damit wird ein Beweis für den guten Willen der Alliierten erbracht, dem österreichischen Volk in der Übergangsperiode jede Hilfe angedeihen zu lassen. Diese Hilfe ist nötig, um den Weg zu einer freien und demokratischen Nation, an die sich keinerlei nazistische Bedrohung mehr heranwagen kann, zu bannen."

Nicht nur ein Sprachrohr Amerikas

Und die Wiener kauften die neue Tageszeitung, die 20 Groschen pro Exemplar kostete. Und das, obwohl die Stadt zerstört und ihre Bewohner kaum zu essen hatten. Das Blatt war für damalige Verhältnisse modern gestaltet. Es bot Schwarzweiß-Fotos und zahlreiche Geschichten über den "American Way of Life". Der "Wiener KURIER", dessen Redaktion von einem US-Presseoffizier geleitet wurde, hatte die Aufgabe als Sprachrohr Amerikas zu dienen. Doch er berichtete auch über die wichtigsten lokalen und internationalen Ereignisse.

So konnte man in der ersten Ausgabe vom 27. August 1945 von der bevorstehenden Landung der alliierten Siegermächte in Japan lesen, weiters findet sich ein Bericht über eine Ausstellung im Wiener Messepalast. In der "Kultur" erfuhr man, dass der berühmte Maler Oskar Kokoschka den Krieg überlebt hatte – und zwar in seinem Londoner Exil. Eine Reportage beschäftigte sich mit dem Kampf gegen den Schleichhandel in Wien. Und in einer Kolumne las man von einem Spaziergang durch die zerbombte Stadt.

Die neue Zeitung wurde schnell zum Erfolg, bald auch durch prominente Kolumnisten wie den Kabarettisten Karl Farkas und die spätere Sport-Reporter-Legende Heribert Meisel.

Die Entstehung des KURIER

Trotz des großen Erfolges hatte es im Jahr 1954 den Anschein, als sollten die Rotationsmaschinen, die den "Wiener KURIER" druckten, bald stillstehen. Das Ende der Besatzungszeit kündigte sich an und die Amerikaner wollten die Zeitung einstellen. Da wurde dem Mühlenbesitzer und Filmproduzenten Ludwig Polsterer das Gerücht zugetragen, dass der "Wiener KURIER" bald nicht mehr erscheinen sollte. Er bat seinen Freund, den späteren Burgtheaterdirektor Ernst Haeusserman, der als US-Besatzungsoffizier der ersten Stunde gute Verbindungen zu den Amerikanern hatte, den Kontakt für Verkaufsverhandlungen herzustellen. Und tatsächlich ließen sich die Amerikaner überreden, den KURIER nicht zuzusperren, sondern zu verkaufen. Unter der Bedingung, dass die Zeitung als demokratisches Organ weitergeführt würde. Polsterer hinterlegte drei Millionen Schilling als Kaution für die Druckerei – zunächst mit einigen Mitbesitzern, die er aber bald auskaufte – und wurde Verleger und Herausgeber des KURIER. Als ersten Chefredakteur setzte er Hans Dichand ein, dem bald Hugo Portisch als Stellvertreter folgte. Am 18. Oktober 1954 erschien dann der erste KURIER als unabhängige österreichische Tageszeitung. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

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