© Niklaus Tuschar

Tätowiererausbildung
06/26/2020

Eine gestochen scharfe HTL-Matura

Große Resonanz auf den Ausbildungszweig zum Tattoo-Artist an der HTL Ferlach. Zahlreiche Anfragen aus Wien und Niederösterreich.

von Nikolaus Tuschar

Lange galt die Gletschermumie Ötzi als ältester Fund eines Menschen mit Tätowierung. Insgesamt 61 Motive zieren seinen Körper. Bis auf zwei auf seinem Rücken könnte er sie alle selbst gestochen haben. Seither sind 5.300 Jahre vergangen – Tattoos wurden populär und immer komplexer.

Dass sich die Zeiten geändert haben, hat man auch an der HTL Ferlach erkannt. Die angebotene Berufsausbildung zum Graveur wurde immer seltener von Schülern wahrgenommen, ein Beruf drohte auszusterben. Wegen der vielen Parallelen zwischen der Graveur-Ausbildung und jener zum Tattoo-Artist entschied man sich, junge Leute mit einem zeitgemäßen Angebot anzusprechen.

„Wir haben nichts anderes gemacht, als ein antiquiertes Berufsbild in die Neuzeit zu holen,“ sagt Direktorin Silke Bergmoser. Dieser Schritt scheint goldrichtig gewesen zu sein. Seitdem das Angebot der HTL medial publik wurde, liefen die Telefone des Sekretariats heiß. Anfragen aus ganz Österreich waren die Folge. Doch auch der ein oder andere Shitstorm im Internet zog auf.

Informationsmangel

Die Innung der Tätowierer, die nur eine kleine Sparte in der Bundesinnung der Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure ist, zeigte sich anfangs über den Vorstoß der Ferlacher Schule irritiert. Bergmoser spricht zwar von einem guten und positiven Kontakt, merkt aber an, dass die Innung ihrer Einschätzung nach intern uneinig sei.

Die Innung bemängelte im Gegenzug, dass man in die Erarbeitung des Konzepts nicht eingebunden war, dennoch weiterhin für einen inhaltlichen Austausch zur Verfügung stehe.

„Einige scheinen zu meinen, dass wir hier 14-Jährigen die Tätowiernadel direkt in die Hand drücken und die sich dann selbst tätowieren,“ sagt Werkstättenleiter Martin Schaller. Das sei nicht der Fall. Das schlussendliche Tätowieren, welches wahrscheinlich erst ab der vierten Klasse geplant ist, werde auf Kunsthaut durchgeführt. Zu diesem Zwecke wird sich die Schule auch externe Experten für den fachspezifischen Teilholen.

Lokalaugenschein

Liebe zum Detail ist unerlässlich

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Millimetergenaues Zeichnen ist gefragt

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Die fertigen Schablonen bereit für den Druck

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Gravur: Auf jedem Geldschein zu finden

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Künstlerische Begabung erwünscht

Schaller betont, dass man sich keineswegs als Konkurrenz zum bestehenden Berufsbild sehe, sondern als qualitative Aufwertung. „Wir bemühen uns, den Schülern Fähigkeiten mitzugeben, die sie für ihren späteren Beruf brauchen.“

Liebe zum Detail, gepaart mit einem Hang zum Künstlerischen und Kreativität. All diese Eigenschaften, die jetzt noch den Schülern des Gravierzweiges vermittelt werden, sollen ab nächsten Jahr auch den Tattoo-Artisten beigebracht werden.

So auch der 15-jährigen Elena Lesjak. Sie ist nächstes Semester im ersten Jahrgang. Künstlerisches Gestalten hat sich schon immer interessiert. „Ich finde es toll, dass ich meine Leidenschaft mit der Matura verbinden kann. Ob ich danach was mit Tattoos machen will, weiß ich nicht.“ Was jetzt schon fest steht: Der Ferlacher Weg zum Tattoo-Artist führt über die Matura.

Der Versuch, mit einer neuen Idee eine alte Tradition zu retten

 Nachgefragt: Silke Bergmoser ist Direktorin der HTL Ferlach. An ihrer Schule werden Schüler ab kommendem Schuljahr herangeführt, Tattoo-Artisten zu werden. Sie selbst hat keine Tattoos.

KURIER: Tattooausbildung mit Matura - wie kam es dazu?
Silke Bergmoser: Viele renommierte  Tätowierer haben mir  bestätigt, dass erfolgreiche Tattoo-Artists im Vorfeld eine Ausbildung zum Graveur absolviert haben.   Auch beim Graveur geht es darum, gestalterische und zeichnerische Fähigkeiten einzusetzen, um  einen Plan zu skizzieren, und schlussendlich am Objekt umsetzen. Daraus haben ich und mein Kollegium die Idee entwickelt, die Ähnlichkeit beider Berufe zu nutzen.

 Was soll den Schülern beigebracht werden?
Im Unterricht sollen  zeichnerische  Grundlagen vermittelt werden.  Im Fokus stehen Farblehre und die Auseinandersetzung mit Licht und Schatten,  aber auch Grundlagen der Tätowiertechnik werden den Schülern näher gebracht.

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