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Chronik Österreich
02/16/2020

Ein Delikt stirbt aus: Baba, Banküberfall

Die Zahl der Coups ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

von Johannes Weichhart, Patrick Wammerl

Haube, Sonnenbrille, ein schwarzes Tuch über den Mund gezogen und eine Pistole in der Hand – so betrat vor einigen Tagen ein Unbekannter eine Bank in Linz. Der Vermummte hielt einem 18-jährigen Bankangestellten die Waffe vors Gesicht und forderte Bares. Der Coup dauerte nur wenige Minuten. Nachdem der Täter Bargeld an sich gerafft hatte, lief er davon und ward nicht mehr gesehen.

Rasanter Rückgang

So dramatisch und vermutlich auch traumatisch der Überfall für die Mitarbeiter der Filiale gewesen sein mag, der Bankräuber an sich gehört zu einer aussterbenden Spezies. Diese Einschätzung bestätigen auch Daten aus dem Bundeskriminalamt, die dem KURIER zur Verfügung gestellt wurden.

Dabei zeigt sich, dass die Zahl der Banküberfälle deutlich zurückgegangen ist (siehe Grafik). Während es im Jahr 2009 österreichweit noch 111 Anzeigen wegen Bankraubes gab, waren es im Jahr 2018 „nur“ noch 32 Delikte. Von 2019 wurden noch keine offiziellen Daten präsentiert, aber es wurden nur noch knapp über 20 Überfälle auf Banken gezählt.

Tresore

Die Gründe für die positive Entwicklung sind mannigfaltig, wenngleich sich natürlich die Kriminalität in andere Bereiche verlagert hat, wie es aus dem Innenministerium heißt: Während der Bankraub ausstirbt, boomt beispielsweise die Internetkriminalität.

Weniger Bargeld in den Banken

„Der klassische Banküberfall ist durch eine Reihe von Schutzmaßnahmen über die Jahre unattraktiv geworden. Sowohl zwischen den Banken als auch mit der Polizei trägt die verstärkte Kooperation punkto mehr Sicherheit Früchte. Herkömmliche Kassen wurden durch automatische Kassentresore ersetzt. Bargeld verschwindet im Kassenbereich sofort in einen Tresor, weshalb kein Zugriff mehr möglich ist. Außerdem sind die Bargeldbestände in den Filialen aus Sicherheitsgründen niedrig“, betont Martin Hauer, Vorsitzender Sicherheitsausschuss der Sparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer Wien und Vorstand der Raiffeisen-Landesbank NÖ-Wien.

Auch was die Sicherheitsmaßnahmen und Videoüberwachung in den Filialen anbelangt, hätten sich die Zeiten geändert, meint Hauer. „Vor sieben oder zehn Jahren war die Auflösung von Überwachungsbildern noch dürftig, heute ist die Qualität ungleich besser“, so der Experte.

Alarmpaket

Die Banken haben viel Geld in neue Entwicklungen investiert. Wer heute ein Geldbündel in einer Bank raubt, muss fast schon davon ausgehen dabei auch ein Alarmpaket erwischt zu haben. Dies hat sich mittlerweile auch in Gangsterkreisen herumgesprochen. Abschreckend seien aber vor allem die hohen Strafen, beispielsweise im Vergleich zum Diebstahl eines Bankomaten. „Überall wo Waffen- oder körperliche Gewalt dahinter ist, sieht das Gesetz eben noch ein höheres Strafmaß vor“, erklärt der Leiter der Ermittlungsgruppe Raub im nö. Landeskriminalamt, Chefinspektor Josef Deutsch.

Sprengkraft

Dies sei mitunter auch ein Grund, weshalb gerade in den letzten Jahren das Sprengen oder Herausreißen von Geldautomaten derart in Mode gekommen ist. „Ohne das jemandem dabei eine Waffe angehalten wird, kommen die Kriminellen an mitunter hohe Bargeldsummen“, so Deutsch. Auf den schweren Diebstahl steht eine Freiheitsstrafe bis maximal zehn Jahre, für den schweren Raub sind es mitunter doppelt so lange Gefängnisstrafen.

In Haft

Einen weiteren Grund für den drastischen Rückgang der Überfälle sieht Deutsch in der gestiegenen Aufklärungsquote. „Ein großer Teil der Bankräuber sind Serientäter. Manche verübten sechs bis acht Überfälle. Es wurden zuletzt einige davon aus dem Verkehr gezogen, die nun ihre Strafe absitzen. Das wirkt sich natürlich positiv auf die Gesamtstatistik aus.“