© StVLW/Unterrainer

Chronik Österreich
12/09/2021

Ein Büro gegen die Lieder-Amnesie

Das Büro Weihnachtslieder in Graz hilft seit 30 Jahren jenen auf die Sprünge, die Fragen rund um weihnachtliche Lieder, Texte und Bräuche haben.

von Christian Willim

Die ganze Familie sitzt um den Adventkranz oder steht am Heiligen Abend um den Christbaum und singt. Das sind die Erinnerungen über die Weihnachtszeit aus Kindertagen, die fast jeder im Kopf hat. Woran es dann später mitunter aber hapert bei der Erinnerung, sind die Melodien oder Texte der Lieder.

Hier hilft nun inzwischen schon im dreißigsten Jahr das Büro für Weihnachtslieder in Graz (Sporgasse 23) auf die Sprünge. „Es gibt zwei Kategorien von Anfragen“, sagt Eva Maria Hois vom Steirischen Volksliedwerk, welches diese Informationsstelle betreibt.

„Viele Menschen kommen vorbei und holen sich unser Liederblatt ab. Da sind die wichtigsten Lieder drauf, bei denen jeder die Melodie kennt, aber die Texte oft nicht so im Kopf hat“, erzählt Hois.

700.000 dieser Gedächtnisstützen, schätzt sie, wurden in den vergangenen Jahren bereits ausgegeben. Und die zweite Kategorie?

Jahrelange Suche

„Das sind Spezialanfragen. Da geht es etwa um Lieder, die man mit der Großmutter gesungen hat, die man aber nicht mehr fragen kann. Oft suchen Menschen Jahre lang nach diesen Liedern.“

Und da hilft dann auch kein Googeln. „Das Internet weiß auch nicht alles“, lacht Hois. Das Büro für Weihnachtslieder hingegen kann auf eine österreichweite Datenbank zurückgreifen, in der sich etwa eine Million Einträge finden.

Gespeist wird sie von den Volksliederwerken der Bundesländer, die dafür Liederbücher digitalisiert haben – aber noch nicht vollständig. „Fünf Prozent aller Anfragen kann auch ich nicht beantworten“, sagt Hois. Überfragt war sie dieser Tage etwa, als jemand den Text zu dieser Liedzeile suchte: „Glöckchen klingt von Haus zu Haus, heute kommt der Nikolaus.“

Anfragen kommen nicht nur aus dem deutschsprachigen Raum, sondern auch aus Übersee – etwa aus Südafrika, Neuseeland oder Kanada. „Das sind meist Menschen, die einen Österreich-Bezug haben“, erzählt die Expertin.

Und mitunter sind die Wünsche recht ungewöhnlich. Etwa jener einer Frau, die Weihnachten in Afrika verbringen und dort mit Einheimischen „Stille Nacht“ in deren Sprache singen wollte – im Bambara-Dialekt. „Das hatten wir nicht, aber ein Student hat uns dann eine Übersetzung gemacht“, erinnert sich Hois.

Vergessene Schätze

Und gibt es Weihnachtslieder, die unter Wert geschlagen werden und vom Aussterben bedroht sind? „Es gab hunderte Hirtenlieder, die großteils in Vergessenheit geraten sind“, sagt Hois. In diese Kategorie fällt auch „Hiaz is der rauhe Winter då“ – siehe rechts.

Unter www.steirisches-volksliedwerk.at gibt es einen Adventkalender, bei dem jeden Tag ein anderes Weihnachtslied per Video präsentiert wird. Obiges ist am 10. Dezember an der Reihe.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.