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Chronik Österreich
02/06/2020

Eigene Gastgärten für das Rauchen im Freien

Drei Monate nach Einführung des Rauchverbots halten sich die Probleme in der Gastronomie in Grenzen. Die könnte der Sommer bringen.

von Christian Willim, Elisabeth Holzer, Laura Schrettl

Die Aschenbecher sind seit dem 1. November verräumt. Dafür hängt im Freien neben dem Eingang des Babalon, einem der bekanntesten Nachtlokale der Innsbrucker Bogenmeile, ein kleines Kistchen mit Sand. Dort dämpfen die Raucher, die die Sucht nach draußen treibt, nun ihre Glimmstängel aus.

Viel länger als eine Zigarettenlänge hält es angesichts der winterlichen Temperaturen kaum einen der Gäste, die in dem einstigen Raucherlokal nicht wirklich weniger geworden zu sein scheinen, vor der Tür. Doch der nächste Sommer kommt bestimmt. Und der könnte Probleme bringen.

Kalter Einstieg

„Noch sind die Fenster der Anrainer geschlossen. Und die Gäste stehen nicht lang im Freien. Darum hatten wir einen sanften Einstieg. Bis jetzt gibt es ein gütliches Miteinander“, sagt Thomas Geiger, Geschäftsführer der Sparte Gastronomie bei der Tiroler Wirtschaftskammer, zum jahreszeitlich bedingten Kaltstart des Rauchverbots vor nunmehr drei Monaten.

Mit ihrer Forderung nach einer Regelung, wonach Gastronomen nicht für den Lärm ihrer Gäste vor dem Lokal belangt werden sollen, ist die Wirtschaftskammer in Österreich bisher bei der Bundespolitik nicht durchgedrungen.Beim Aufenthalt der Raucher im Freien ist aber auch die kommunale Ebene gefordert.

„Wir müssen eine tragfähige Lösung für die Betreiber finden“, hatte Innsbrucks Wirtschaftsstadträtin Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck) kürzlich angekündigt.

Gastgärten in Kurzparkzonen sollen künftig nicht mehr ganztägig betrieben werden müssen. Das soll zwar in erster Linie Wirtshäusern helfen, die es finanziell nicht stemmen können, auch am Nachmittag offen zu halten, erklärt Oppitz-Plörer, dass es dabei „nicht primär um die Raucher“ geht.

Mit dieser Neuregelung öffnet sich aber auch ein Türchen, dass Abendbetriebe einen Gastgarten beantragen und so etwa ein Tischchen für ihre Raucher aufstellen können. Ganz so einfach ist aber selbst das nicht.

Angst vor Plastikhütten

„Es gibt Bedenken, dass mit der Ausweitung der Gastplätze eine neue Betriebsanlagengenehmigung notwendig werden könnte“, erklärt Oppitz-Plörer. Ungeachtet dessen ist sie überzeugt: „Das Thema wird uns und viele Städte noch lange beschäftigen.“

Wenn etwa in anderen Ländern bereits ganze Gastgärten hinter Plastikplanen gepackt werden, stelle sich auch die Frage der Verträglichkeit für das Stadtbild.

In Graz etwa tauchten solche Zelte tatsächlich schon vermehrt auf, jedoch: Die meisten sind legal, denn „solang der Wind ein bisserl durchpfeifen kann, ist das okay“, beschreibt Klaus Friedl, Spartenobmann der steirischen Wirtschaftskammer, anschaulich. Will heißen, an zwei Seiten muss der Kälte- und Regenschutz für Raucher offen sein, dann gibt es keine Probleme mit den Behörden.

Raucherbereich im Gastgarten

Generell scheint auch das Rauchverbot in der Praxis nicht jene Probleme zu verursachen, die vor dem 1. November in der Theorie erwartet wurden. „Die Gastronomen haben sich sehr gut darauf eingestellt, die Gäste auch“, teilt der Steirer Friedl die Einschätzung seines Tiroler Kollegen Geiger.

So gut, dass sich sogar ein Wirt schon Gedanken über den Gastgartenbetrieb in der warmen Jahreszeit mache: Obwohl im Freien rauchen erlaubt ist, will er selbst dort eigene Raucherbereiche einführen, um den Gastgarten rauchfrei zu halten.

Boom bei Schanigärten

Aber auch die Raucher wollen weiter hofiert werden. Das zeigt sich besonders deutlich in Wien. Dort herrscht in sogenannten Winterschanigärten Hochsaison. Sie erleben seit Einführung des Rauchverbots einen regelrechten Boom. Bereits bis Mitte November gab es 145 Neuanmeldungen – das sind doppelt so viele wie im vergangenen Winter.

Im Büro von SPÖ-Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke geht man jedoch davon aus, dass die Zahl der Anmeldungen seither noch weiter gestiegen ist. Eine abschließende Zahl wird es erst Ende Februar geben, wenn die Saison zu Ende ist. 2018/19 haben 230 Wirte einen Winterschanigärten betrieben.

230 Wintergastgärten wurden im Winter 2018/19  betrieben. Das Interesse der Wirte an diesen Schanigärten hat mit Einführung des Rauchverbots in Lokalen am 1. November massiv zugenommen.

145 Neuanmeldungen für Winterschanigärten hat es in der Bundeshauptstadt bereits bis Mitte November  gegeben. Die Zahl der Anmeldungen dürfte seither weiter gestiegen sein.  

98 Anzeigen Trotz strikter Kontrollen des Wiener Marktamts wurden bisher nur 98 Anzeigen wegen Verstößen gegen das Rauchverbot erstattet.

1,7Prozent der Kontrollen brachten einen Verstoß ans Licht. Das Verbot wird also sehr gut eingehalten

Dass das Rauchverbot in der breiten Gastronomie gut angenommen wird und es kaum Anrainerbeschwerden gibt, sagt auch Peter Dobcak, Obmann der Sparte Gastronomie der Wirtschaftskammer Wien. „Spannend wir es aber wenn der Sommer kommt, sich die Leute draußen aufhalten und die Anrainer die Fenster offen haben“, befürchtet auch er.

Sein Ziel sei es, „den Gastronomen ganz aus der Verantwortung zu nehmen, weil dieser kann nichts für das Rauchergesetz“. Gesetzlich ist derzeit der Wirt für den Lärm vor seinem Lokal verantwortlich. „Nur weil sich ein Anrainer betroffen fühlt, muss man die Sperrstunde nicht gleich vorlegen“, steht für Dobcak aber auch fest.

 

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