Chronik | Österreich
15.02.2016

Drohnen sind startklar für Asyleinsatz

Die drei Millionen Euro teuren Fluggeräte könnten bald an der Grenze eingesetzt werden.

Für militärisch hochgerüstete Länder sind sie längst zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Kriegsmaschinerie geworden: Bewaffnete Drohnen, die mit ihren todbringenden Raketen im Kampf gegen den Terrorismus eingesetzt werden.

Ab kommenden März wird auch das Bundesheer unbemannte Späher in den Himmel schicken: Die 18 "Tracker"-Flugdrohnen, die das Bundesheer um drei Millionen Euro von Kapsch (entwickelt wurden sie von der französischen Firma Survey Copter, Anm.) gekauft hat, sind nach monatelanger Test- und Genehmigungsphase demnächst startklar. Ausgestattet sind die militärischen Luftfahrzeuge aber nicht mit Waffen, sondern ausschließlich mit Hightech-Kameras.

Rückblick: Als der Millionen-Deal im Jahr 2013 über die Bühne ging, hatten die Militärs noch ganz andere Einsatzszenarien als heute für die Flugkörper vorgesehen: Demnach hätten die Drohnen im Inland vor allem bei Naturkatastrophen zum Einsatz kommen sollen. Etwa zum Erkunden von unwegsamem Gelände, zur Lageeinschätzung nach Lawinenabgängen und zur Suche nach Vermissten.

Doch seit dem Vorjahr ist alles anders. Das Bundesheer steht aufgrund der Flüchtlingskrise wieder im Grenzeinsatz, ein Ende der nach Europa drängenden Menschenströme ist noch nicht absehbar.

Und während die Politik über Obergrenzen, zusätzliche Zäune an Österreichs Südgrenze und Abschiebungen per "Hercules"-Maschinen diskutiert, wird heeresintern schon an einem weiteren Projekt gefeilt: dem Drohneneinsatz an der Grenze.

"Ja, das ist eine Option", bestätigt Oberst Michael Bauer vom Verteidigungsministerium entsprechende Informationen des KURIER. Im Innenministerium zeigt man sich noch zurückhaltend, ist aber gesprächsbereit: "Wenn uns das Bundesheer Pläne vorlegt, werden wir diese selbstverständlich prüfen", sagt Sprecher Karl-Heinz Grundböck.

Der Blick aus der Vogelperspektive würde für Heer und Exekutive einen Informationsgewinn bedeuten, ist man sich sicher. "Wenn Menschenmassen unterwegs sind, kann es immer wieder zu gefährlichen Situationen kommen. Mit Sicht von oben kann man auf diese schneller reagieren", sagt ein Offizier. Die Drohnen könnten aber auch eingesetzt werden, um illegale Grenzgänger ausfindig zu machen.

Richtlinien

Für den Einsatz der militärischen Luftfahrzeuge gelten allerdings strenge Richtlinien. Werden sie im freien Gelände eingesetzt, muss die Flugsicherung Austro Control zuerst den umgebenden Luftraum sperren.

"Die Vorlaufzeit für die Sperre beträgt drei Monate, kann im Einsatzfall aber auch innerhalb von Stunden verfügt werden", sagt Oberst Bauer.

Jene 17 Soldaten, die ausgebildet wurden, um die Flugkörper zu bedienen, mussten auch eine Datenschutz-Schulung absolvieren. Zwar können mithilfe der hochauflösenden Kamera theoretisch sogar Autokennzeichen aus einigen hundert Metern identifiziert werden, Gesichtserkennung ist aber nicht möglich. "Für einen Drohneneinsatz an der Grenze braucht es jedenfalls einen politischen Auftrag", sagt Datenschutz-Experte Andreas Krisch.

Bis zu 90 km/h schnell und mit einer Kamera ausgestattet

Die unbemannten Mini-Flugzeuge wiegen rund acht Kilo, sind keine vier Meter breit und können bis zu zwei Stunden lang im Einsatz sein. Die Höchstgeschwindigkeit ist 90 km/h, die Reichweite 30 Kilometer. Ausgestattet sind sie mit Tag- und Nachtsichtgerät, angetrieben werden sie von einem Elektromotor.

Der Benutzer startet die Drohne per Hand oder mit einem Gummiseil, die Route wird vorher programmiert. Die Bedienung ist laut Bundesheer relativ unkompliziert und funktioniert über eine Art Notebook.

Wichtigster Bestandteil ist eine hochauflösende Kamera, die unter anderem zur Lageaufklärung dienen soll.

Der Einsatz der Fluggeräte über Menschenansammlungen ist heikel: Nicht erst seit dem Absturz einer Drohne bei einem Skirennen, die beinahe Superstar Marcel Hirscher getroffen hätte, wird über Drohnen diskutiert. Zudem sind die Geräte mit Lithium-Polymer-Akkus ausgestattet, die bei einem Crash in Flammen aufgehen können.

Der Kauf der Fluggeräte ging für das Ministerium übrigens nicht ohne Ärger über die Bühne: Weil sich die Lieferung der Drohnen immer wieder verzögerte, war laut Verteidigungsministerium eine Vertragsstrafe angefallen, die der Hersteller bezahlen musste. Die Summe wollte man aber nicht beziffern.