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Chronik Österreich
04/16/2021

Drei Gründe, warum Schwaz in Tirol Hoffnung macht

Der Bezirk erhielt in einer Sonderaktion Pfizer-Serum. Das half beim Wandel vom Sorgenkind zum Musterschüler.

von Elisabeth Holzer

Im Februar machte Tirol Schlagzeilen, schon wieder. Nach Ischgl 2020, dem damaligen Corona-Hotspot, fiel Schwaz negativ auf, weil die Positiv-Rate viel zu hoch war: Schuld war die im Bezirk grassierende Südafrika-Mutation des Coronavirus. Zwei Drittel aller Neuinfektionen waren darauf zurückzuführen - so hoch war der Anteil nirgendwo in Österreich. Die 7-Tages-Inzidenzen im Bezirk von rund 340 waren bei einem bundesweiten Schnitt von 107 alarmierend.

Auch im Europavergleich war die Menge an Mutationsfällen ungewöhnlich: Schwaz mit rund 84.000 Einwohnern bildete einen der größten Cluster der aggressiveren Virusform in der EU überhaupt.

Seit Kurzem ist das Sorgenkind jedoch Musterschüler: Am Donnerstag betrug die 7-Tages-Inzidenz nur noch 61,7. Das war landesweit der niedrigste Wert und nahe jener Schwelle, die ursprünglich als Grenze für weitere Öffnungsschritte angepeilt wurde. Dieser Erfolg hat mehrere Ursachen.

Die Impfung

Um die Südafrika-Mutante einzudämmen, aber auch zu erforschen, ob die vorhandenen Impfstoffe gegen die Mutation wirken, kam es ab März zu einer Massenimpfaktion: Die EU stellte 100.000 Dosen des Serums von Biontech/Pfizer zusätzlich zur Verfügung. 64.000 Bewohner des Bezirks galten als „impfbar“, sind also 16 Jahre oder älter. Mit Stand Donnerstag waren laut Krisenstab des Landes Tirol 47.000 Schwazer vollimmunisiert, haben also beide Teilimpfungen erhalten. Das ist eine Durchimpfungsrate von 73 Prozent, die sich aber noch erhöhen wird: Jene Personen, die beim geplanten zweiten Impftermin verhindert waren und ihn nachholen müssen, sind noch nicht in diese Quote eingerechnet.

Eine Schlussfolgerung sei also naheliegend, sagt Elmar Rizzoli, Leiter des Krisenstabes: „Die europaweit einzigartige Impfaktion hat ihren Anteil daran, dass die Infektionszahlen in Schwaz vergleichsweise niedrig sind.“ Auch Virologe Christoph Steiniger von der MedUni Wien unterstreicht: „Es gibt einen Maßnahmenmix, aber ich kann mir vorstellen, dass die Impfung die größte Auswirkung und den größten Effekt gezeigt hat.“

Am Donnerstag gab es in Schwaz 83 aktive Corona-Infektionen noch vor zwei Wochen, also bevor die Impfaktion Wirkung zeigen konnte, waren es 338. Die aktiven Fälle der Südafrika-Mutation gingen ebenso kontinuierlich zurück, vom Höchststand mit 193 Anfang Februar auf nunmehr 3. „Das Modell Schwaz zeigt, wie wichtig und erfolgreich die Impfungen in der Corona-Pandemie sind“, überlegt Rizzoli.

Tests und Nachverfolgung

Schon mehrere Wochen vor der Massenimpfaktion griffen die Behörden auf ein Mittel zurück, das hilfreich bei der Eindämmung des Virus schien und zwar das Testen im großen Stil. „Neben der umfangreichen Teststrategie wird auch die bereits in den letzten Wochen sehr strenge Vorgehensweise der Gesundheitsbehörden im Contact Tracing weiterhin forciert. Damit können wir Infektionen erkennen und Infektionsketten frühzeitig unterbrechen“, beschreibt Krisenstabsleiter Rizzoli. „Das hat bei der südafrikanischen Mutation zur erfolgreichen Eindämmung beigetragen.“ Tirol steht mittlerweile bei der Summe der durchgeführten PCR-Tests nach Wien und Niederösterreich an dritter Stelle; in Schwaz gab es auch eine Aktion mit PCR-Gurgeltests zur Anwendung zu Hause. Antigen- und PCR-Tests zusammengerechnet, liegt Tirol als Gesamtes nur knapp hinter Vorarlberg mit rund 40.000 Stück pro 100.000 Einwohnern und Woche. Zum Vergleich: Kärnten wies laut Statistik der vergangenen Woche nur rund 8.700 Tests aus und lag damit am anderen Ende der Skala.

Wirksamkeit regionaler Maßnahmen

Der Bezirk Schwaz war unter jenen, die als Ganzes einer Testpflicht unterlegt wurden, also – salopp gesprochen – abgeriegelt wurde: Wer den Bezirk verlassen wollte, musste bei Kontrollen einen aktuellen, negativen Corona-Test vorlegen. Das wurde zeitgleich mit Beginn der Impfaktion gestartet, also am 11. März.

Darüber hinaus ist Tirol auch das einzige Bundesland, aus dem seit 31. März nur Ausfahrtstests hinausführen: Die Testpflicht gilt vorerst

bis 24. April, seit Montag ist auch der zuvor ausgenommene Bezirk Lienz (Osttirol) eingeschlossen.

Kontrolliert wird stichprobenartig an den Landesgrenzen. Schon zuvor gab es dies wochenlang für jene Tiroler, die nach Bayern fahren wollten, allerdings aufgrund einer deutschen Restriktion. Diese Maßnahme gilt für alle Personen mit Wohnsitz in Tirol (ausgenommen Kinder unter zehn Jahren), aber auch jene, die sich 24 Stunden lang durchgehend im Land aufgehalten haben.

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