© HÖHLENRETTUNG/WOLFGANG GADERMAYR

Chronik Österreich
02/18/2022

Drei eingeschlossene Forscher aus Salzburger Höhle befreit

Schmelzwasser hatte den Polen den Rückweg versperrt. Am Freitagabend konnten sie die Höhle verlassen, sie sind wohlauf.

In der Lamprechtshöhle bei Weißbach bei Lofer (Pinzgau) ist Freitagabend ein Zwischenfall für drei Höhlenforscher aus Polen offenbar gut ausgegangen. Den Männern war am Donnerstag der Rückweg ins Freie versperrt worden, nachdem Schmelzwasser in das Gangsystem eingedrungen war.

Am Freitag gegen 18.50 Uhr kam dann die Nachricht , dass sie die schwierige Passage inzwischen überwunden haben. Kurz nach 20 Uhr erreichten die drei Männer das Freie. Sie sind wohlauf - wenn auch etwas unterkühlt.  Ein Höhlenrettungsarzt und das Roten Kreuz hat die Männer versorgt. 

Am späten Freitagnachmittag gelang es einem Höhlentaucher zunächst, zu den Männern vorzudringen. „Sie sind wohlauf, nur etwa unterkühlt. Wie werden sie mit Tee versorgen“, sagte Monika Feichtner, Leiterin der Salzburger Höhlenrettung, zum KURIER.

Um 19 Uhr teilte das Landesmedienzentrum dann mit, dass die drei eingeschlossenen Forscher auf dem Weg aus der Lamprechtshöhle sind.

Höhlen-Auskenner

Zunächst war befürchtet worden, dass noch Tage vergehen könnten, bis der Pegelstand so weit gesunken ist, dass die drei Polen die Höhle wieder verlassen können.

Bei den Männern handle es sich aber um um Vollprofis, von denen mindestens einer die Höhle sehr gut kenne, hieß es von den Einsatzleitern, dem Katastrophenschutzreferenten Manfred Pongruber und Gernot Salzmann (Höhlenrettung Salzburg).

Zunächst war noch unklar gewesen, ob die Forscher vielleicht noch Freitagnacht die Höhle verlassen würden können. Oder aber vielleicht sogar Tage ausharren müssen. „Das ist schwer abzuschätzen“, so Feichtner. Es sei abhängig davon, wie schnell der Wasserpegel in der Höhle sinkt.

Die sehr warmen Temperaturen hätten am Donnerstag dazu geführt, dass viel Schmelzwasser in die Höhle eingedrungen sei und den gefahrlosen Rückweg aus dem sogenannten "Forscherteil" im Anschluss an die Schauhöhle unmöglich mache.

"Das Wasser sammelte sich in einer Senke, das kann man sich wie einen Siphon vorstellen", erklärten der Einsatzleiter der Höhlenrettung Salzburg, Gernot Salzmann, und der Pinzgauer Katastrophenschutzreferent Manfred Pongruber.

Notausrüstung vorhanden

"Wir sind optimistisch, weil die Forscher bestens ausgerüstet sind, als Vollprofis mit der Situation umgehen können und es in der Höhle Rettungsnischen mit Decken sowie Notausrüstung gibt", erklärte Monika Feichtner, die Leiterin der Salzburger Höhlenrettung. 

"Die drei Männer wollten die tektonische Beschaffenheit der Region erkunden, was in der Höhle genauer zu dokumentieren ist."

Nicht das erste Mal

In der bisher auf über 60 Kilometer Lamprechtshöhle - die Höhle ist auch als Lamprechtsofen bekannt - ist es in der Vergangenheit immer wieder zu ähnlichen Zwischenfällen gekommen. Betroffen war meist der kurze touristisch erschlossene Teil am Höhleneingang - die in den Sommermonaten geöffnete Schauhöhle.

So wurden im August 2016 nach starken Regenfällen sieben Menschen - darunter zwei Kinder - der Höhle eingeschlossen, nachdem im Eingangsbereich das Wasser plötzlich stark anstieg. Unmittelbare Gefahr bestand nicht, die Besucher mussten aber bis zum Absinken des Wasser in der Höhle ausharren.

Im August 2013 saßen gleich 26 Menschen etliche Stunden unter der Erde fest. Auch damals hatte starker Regen den tief liegenden Eingang unter Wasser gesetzt. Die Gruppe - zufällig zusammengewürfelte Familien oder Einzelpersonen vor allem aus Deutschland - kam nicht mehr rechtzeitig ins Freie und musste im Höhleninneren ausharren, bis das Wasser zurückging.

Auch im Juni 2002 begann der in der Höhle verlaufende Bach rasch zu steigen, mehrere Besucher wurden vom Wasser eingeschlossen. Eine 62-Jährige stürzte beim Versuch, trotz Überflutung des Weges den Ausgang zu erreichen. Sie zog sich einen Bruch zu. Am Abend konnten alle Besucher die Höhle ohne Gefahr verlassen.

Die Lamprechtshöhle - sie liegt im Gemeindegebiet von St. Martin bei Lofer - ist darum mit einem Frühwarnsystem ausgestattet, das Alarm schlägt wenn der Wasserpegel in der Höhle gefährlich hoch wird. Besucher haben dann in der Regel noch genug Zeit, zum Höhlenausgang zu gehen.

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