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Chronik | Österreich
04/29/2019

Doping-Sünder Dürr bekräftigt Vorwürfe gegen ÖSV vor Gericht

Der ÖSV hat Dürr auf Unterlassung und Widerruf der Aussage geklagt, dass der Ski-Verband Doping stillschweigend dulde.

Der ÖSV und Johannes Dürr sind spätestens seit den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 keine Freunde mehr. Damals wurde die Langlauf-Hoffnung des Dopings überführt. Montagmittag trafen sich der Sportverband und sein Ex-Athlet in einem Zivilprozess am Landesgericht Innsbruck.

Der ÖSV hatte Dürr auf Unterlassung und Widerruf der Behauptungen geklagt, dass der Sportverband Doping stillschweigend dulde. „So habe ich es erlebt und empfunden“, blieb der Niederösterreicher bei seiner Aussage, die er im vergangenen Sommer bei einer Veranstaltung in Tirol getätigt hatte. Die Rechtsanwältin des ÖSV bestritt die Vorwürfe vehement.

Der zweite tiefe Fall

Als der Niederösterreicher 2018 seine Vorwürfe erhob, zog er noch als geläuterter Doping-Sünder durch die Lande. Das kolportierte Ziel: Sich als Langläufer auf sauberem Weg für die Nordische Ski-WM in Seefeld zu qualifizieren. Das misslang. Schlagzeilen machte der Niederösterreicher rund um das sportliche Großevent in Tirol im Februar dann doch jede Menge.

Mit seinen Aussagen in einer im Jänner ausgestrahlten ARD-Doku im Jänner brachte Dürr zunächst jene Ermittlungen ins Rollen, die zu der Doping-Razzia in Seefeld führten. Zwei ÖSV-Athleten wurden dabei des Blutdopings überführt. Seither laufen Ermittlungen gegen das Netzwerk des dahinter stehenden Erfurter Arztes Mark S.

Dürr ist in diesem Verfahren sowohl Kronzeuge als auch Beschuldigter. Wie der 32-Jährige im März nach der Seefeld-Razzia zugeben musste, hatte er auch für sein Comeback gedopt.

Neue Vorwürfe

Im Vorfeld des Prozesses am Innsbrucker Landesgericht hat die ARD Sportschau berichtet, dass Dürr nun in einer Zeugenaussage den ehemaligen ÖSV-Trainer Gerald Heigl schwer belastet hat. Die Vorwürfe, wonach dieser Dürr vor Sotschi mit Dopingmitteln versorgt haben soll, wurden von Heigls Anwalt bestritten.

Die Causa spielte auch in das Verfahren rund um die nunmehrige ÖSV-Klage gegen Dürr hinein. Mit Verweis auf frühere Doping-Affären mit Beteiligung von ÖSV-Langläufern während der Olympischen Spiele in Salt Lake City (2002) und Turin (2006), meinte Dürrs Rechtsbeistand Max Rammerstorfer, dass nunmehr erneut ein Trainer des ÖSV "in Doping verwickelt" sei. Der Verband habe seine Aufsichtspflichten vernachlässigt, schloss der Anwalt.

Die Rechtsanwältin des ÖSV wies sämtliche Vorwürfe, wonach beim Skiverband die Augen vor Doping verschlossen würden, zurück. Zur Person Heigl erklärte sie, dass Doping-Ermittlungen gegen diesen 2015 von den Behörden eingestellt wurden, weil sich offenbar "konkret gegen Heigl kein Verdacht erhärtet hat."

++ ARCHIVBILD ++ SKI NORDISCH: LANGLÄUFER JOHANNES DÜRR (AUT)

Dürr, damals selbst Beschuldigter, behauptete am Montag vom Richter befragt, dass er 2015 "nicht die volle Wahrheit gesagt" habe. Vielmehr habe er seine Freunde nicht verraten wollen: "Deshalb habe ich 2014 alles auf mich genommen."

Das vermeintliche Wegschauen des ÖSV bei Doping, verortete Dürr in einem "Sammelsurium" an Wahrnehmungen. Etwa in personellen Kontinuitäten im Langlauf-Team nach früheren Doping-Affären. Heigl sei schon in Turin dabei gewesen. "Die Namen haben sich nicht geändert", so Dürr.

AUSTRIAN HEAD COACH WALTER MAYER WALKS OUT OF IOC HEARING IN LAUSANNE

Und auch der frühere Langlauf-Coach Walter Mayer, der 2011 wegen Verstößen gegen das österreichische Anti-Doping-Gesetz verurteilt wurde, wirkte laut Dürr lange nach seinem Ausscheiden indirekt weiter nach: "Walter Mayer war eine Art Trainerpapst. Er wurde ständig von Betreuern zitiert. Gerald Heigl war sozusagen sein Ziehsohn."

Die Haltung des ÖSV zu Doping spiegelt sich laut Dürr auch darin wieder, dass er 2008 als junger Athlet zur Reha in ein Institut geschickt worden sei, "wo ein verurteilter Doping-Arzt praktiziert hat". Rechtsanwalt Rammerstorfer brachte zudem vor, dass der ÖSV 2014 "meinem Mandanten geholfen hat, sich bei einem Verstoß gegen die Dopingregeln zu rechtfertigen".

ZIVILPROZESS NACH KLAGE DES ÖSV GEGEN DÜRR: LEISTNER / THURNER

Dürr habe kurz vor Sotschi der Anti-Doping-Agentur entgegen den Regeln seinen Aufenthalsort nicht bekannt gegeben. Die daraufhin notwendige Stellungnahme zu diesem sogenannten "mist test" sei dann gemeinsam mit Rennsportdirektor Markus Gandler und ÖSV-Generalsekretär Klaus Leistner erarbeitet worden.

Leistner, am Montag als Zeuge geladen, wollte auf ein angebliches Mitwirken an dieser Stellungnahme befragt, keine Erinnerung daran haben. Mehrfach verwies er darauf, dass sich der ÖSV beim Thema Doping "einer Null-Toleranzpolitik verschrieben hat".

Das Urteil in dem Zivilprozess gegen Dürr wird schriftlich ergehen.