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Chronik Österreich
05/28/2021

Die weite Reise bis zum neuen Reisepass

Die Pandemie sorgte für einen Rückstau an abgelaufenen Pässen. Wer rasch einen neuen braucht, muss mitunter ausweichen.

von Stefan Jedlicka, Josef Gebhard

Wer dieser Tage einen neuen Reisepass in Niederösterreich beantragt, sollte schon vor dem eigentlichen Urlaubsantritt eine gewisse Reisebereitschaft mitbringen. Das zeigt das Beispiel einer vierköpfigen Familie aus Stockerau, die für einen Kroatien-Aufenthalt Ende Juni neue Pässe benötigt. „Bei der Bezirkshauptmannschaft Korneuburg hat man uns dafür einen Termin Ende August angeboten“, erzählt der Vater. Dazu gab es aber immerhin die Empfehlung, sich bei anderen Bezirksbehörden im Land zu erkundigen – denn der Antrag auf Ausstellung eines Reisepasses ist grundsätzlich in ganz Österreich möglich. Fündig wurde die Familie schließlich in Gmünd, wo man einen Termin am 9. Juni ergatterte. Entfernung: 112 Kilometer. Fahrzeit: 1,5 Stunden.

Regionale Unterschiede

Die Wartezeiten sind regional unterschiedlich. Viel Geduld braucht man in Ballungsräumen, schneller geht es am Land. Besonders im Wiener Umland werden dem Vernehmen nach viele Anträge aus der Bundeshauptstadt registriert, wo die Wartezeiten bereits enorm sind.

Kurioserweise macht man in Wien dafür wiederum die Niederösterreicher mitverantwortlich, die in die Hauptstadt ausweichen, um schneller einen neuen Pass zu bekommen. Schuld an der aktuellen Situation ist vor allem der Umstand, dass in Wien 2020 rund 60.000 abgelaufene Pässe wegen der Pandemie nicht verlängert wurden. Hinzu kommen jene 140.000, die heuer auslaufen.

Ämter rüsten auf

In Wiens Bezirksämtern hat man zusätzliche Termine freigeschaltet und die Öffnungszeiten verlängert. Ab Antragstellung dauert es rund fünf Werktage, bis der Pass fertig ist. Für dringende Fälle gibt es Express-Verfahren.

Für NÖ rechnet Josef Kronister, Sprecher der Bezirkshauptmannschaften, mit mehr als 100.000 Pass-Anträgen, denn so viele Reisedokumente laufen heuer in NÖ ab. Bisher gingen aber erst 20.000 Anträge bei den Bezirkshauptmannschaften im Land ein. Von einem „Ansturm“ will Kronister nicht sprechen. Es werde eher ein durchschnittliches Reisepass-Jahr, meint er. Denn generell würden Verlängerungen jedes Jahr oft erst kurz vor Reiseantritt beantragt. Daher appelliert er, rechtzeitig an einen Termin zu denken und diesen wirklich nur dann zu vereinbaren, wenn die Verlängerung auch gebraucht werde. Er erinnert: „In vielen Ländern reicht ja ein Personalausweis.“

Auch österreichweit große Unterschiede

Am Passamt Innsbruck registriert Leiter Markus Troger „seit zwei Wochen einen starken Andrang. Nachdem die Grenzen aufgehen, merkt man, dass die Leute reisen wollen.“ Aktuell betrage die Wartezeit zwei Wochen. „Aber bei dringendem Bedarf haben wir noch immer eine individuelle Lösung gefunden.“ In der Vorwoche gab es 20 Prozent mehr Anträge als in der Vergleichswoche im Vor-Corona-Jahr 2019.

In Graz sind freie Termine ab 16. Juni zu haben. Eine ähnliche Situation wie 2020 erwartet man hier nicht, damals öffneten die Ämter nach dem Lockdown erst am 15. Mai wieder. So kam es zu Wartezeiten von bis zu sechs Wochen. Ebenfalls regional stark unterschiedlich ist die Wartezeit in Kärnten. Während sie in Villach bis zu zwei Monate beträgt, ist es in Klagenfurt weniger als eine Woche.

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