© Theresianische Militärakademie

Verpflegung
02/28/2021

Die Turbo-Küche des Bundesheeres: Wie Österreichs Soldaten verpflegt werden

5,7 Millionen Portionen werden pro Jahr ausgeliefert, doch nun wird das System in einigen Regionen überdacht

von Johannes Weichhart

Es gibt sie noch, die altehrwürdige Gulaschkanone des Bundesheeres, auch wenn sie nur noch selten zum Einsatz kommt. Obwohl sie ein Heeresgeneral bereits 2011 zum „Nostalgieobjekt“ erklärt hatte, wird sie hin und wieder bei Angelobungen oder Waffenschauen angefeuert.

Sechs Jahre zuvor begann die Armee damit, die Küchen in den Kasernen schrittweise herunterzufahren. Das Zauberwort hieß „Cook&Chill“, seither werden in Zentralküchen die Speisen kurz vor der Garung schockgekühlt und verpackt, um dann unmittelbar vor dem Verzehr in den sogenannten „Finalisierungsküchen“ fertig gekocht zu werden. An den Turbo-Herden des Heeres wird seither am laufenden Band produziert, allein im vergangenen Jahr wurden rund 5,7 Millionen Tagesteilportionen (Frühstück, Mittag, Abend) ausgeliefert. Insgesamt habe man die Betriebskosten dadurch um 30 Prozent reduzieren können, berichtet ein Offizier.

Doch schmeckt der Mampf, ohne den es für die Soldaten sprichwörtlich keinen Kampf gibt, auch?

Nein, sagt die FPÖ in Niederösterreich, die kürzlich eine Umfrage vom Fliegerhorst Langenlebarn präsentierte. 43 Prozent von 232 Kadersoldaten, 107 Grundwehrdienern und 114 Schülern gaben an, dass sie das Essen nicht gut vertragen würden. Einige zwinge „Cook&Chill“ sogar in die Knie, von Durchfall, Aufstoßen und Blähungen ist die Rede.

Ja, sagt hingegen das Verteidigungsministerium. Dort ergaben Erhebungen, dass 80 Prozent der Mitarbeiter mit der Heeresküche zufrieden sind.

Autarkes Kochen

Schwächen hat das System jedenfalls. Vor allem deshalb, weil es in manchen Fällen nicht umweltfreundlich ist. So muss etwa das Essen von der Zentralküche in Wiener Neustadt nach Zwettl ins Waldviertel transportiert werden, um es hier zu finalisieren, anschließend geht es weiter zum Truppenübungsplatz Allentsteig. Wegstrecke insgesamt: 360 Kilometer.

So funktioniert’s
Die Speisen werden herkömmlich zubereitet und kurz vor der Fertigstellung des Kochvorganges einem Schnellkühlprozess unterzogen. Damit kommt es zu einer Unterbrechung im Garprozess, die Speisen werden verpackt und bei ca. 4 Grad Celsius gelagert. In den österreichweit 58 Finalisierungsküchen erfolgt dann die Fertigstellung.

Vitamine
Das Heer betont, dass durch dieses Verfahren der Erhalt von Nährstoffen und Vitaminen gesteigert werden könne.

Bereits kurz nach ihrem Amtsantritt soll sich Verteidigungsministerin Klaudia Tanner mit dieser Problematik auseinandergesetzt haben. In manchen Regionen werde deshalb auch die Rückkehr zur eigenständigen Küche an den jeweiligen Standorten geprüft. Die ÖVP-Politikerin formuliert es so: „Zur Autarkie einer Kaserne gehört auch die Autarkie der Küchen. Es wird bei jeder Kaserne individuell beurteilt und wo immer es möglich ist, die Regionalität noch wesentlich stärker betont. Dort, wo es machbar ist, wird auch wieder in der Kaserne gekocht werden.“ Die ehemalige niederösterreichische Bauernbund-Chefin will zudem noch mehr Regionalität auf die Teller der Soldaten bringen, bisher stammen 80 Prozent der Zutaten aus heimischen Gefilden. „Wir werden in Zukunft die Nachhaltigkeit noch stärker betonen“, sagt Tanner.

Tageskostgeld

Dafür nimmt die Armee mehr Geld in die Hand. Im Oktober 2020 wurde das Tageskostgeld für die Verpflegung der Soldaten in Kasernen und auf Dienststellen von vier auf fünf Euro angehoben, der Anteil der heimischen Getreidesorten im Essen gesteigert.

An den österreichweit sechs Zentralküchen (Wr. Neustadt, Klagenfurt, Graz, Salzburg, Hörsching und Innsbruck) wird aber weiter festgehalten. Der Ausbau des Standortes in Salzburg sei der nächste Schritt, berichtet Heeressprecher Michael Bauer.

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