Mayrhofen war jahrelang der beliebteste Skiort der Russen, die nicht nur bei Skischulen gern gesehene Gäste waren

© /Christian Willim

Trendumkehr
01/06/2017

Die Russen sind in den Skigebieten zurück

Nach zwei mageren Jahren erwarten die Touristiker im Jänner wieder mehr Gäste aus dem Osten.

Der 6. Jänner war jahrelang ein echter Freudenbringer für den heimischen Wintertourismus. An diesem Tag feiern die Russen ihr Weihnachtsfest. Zahlreiche Ski-Hochburgen schneiderten für diese Zielgruppe um dieses Datum Angebote und profitierten von den Jänner-Buchungen der Gäste aus dem Osten. Die blieben über den Dreikönigstag hinaus, der in Österreich und Deutschland das Ende der Ferien markiert.

Doch die EU-Sanktionen gegen Russland und noch viel mehr der Rubelverfall versetzten dem Geschäft mit den nicht zuletzt wegen ihrer Zahlungskraft geschätzten Urlaubern einen krassen Dämpfer. Kommende Woche starten Österreich und Russland ein gemeinsames Tourismusjahr, um die wechselseitigen Gästeströme wieder anzukurbeln. Und es zeichnet sich bereits jetzt eine Trendumkehr ab.

Das ist vor allem in Tirol spürbar. In der Vergangenheit kamen fast die Hälfte der Russen, die ihren Winterurlaub in den Alpen verbrachten, hierher. Beliebtester Skiort, noch vor Ischgl und Sölden, war für dieses Klientel Mayrhofen. "In den vergangenen beiden Wintern haben wir jeweils ein Minus von über 30 Prozent verzeichnet", sagt Andreas Lackner vom Tourismusverband der Gemeinde im Zillertal. Für heuer gibt es zwar noch keine belastbaren Zahlen. "Aber was aus den Betrieben zu hören ist, wurde der Rückgang gestoppt und es könnte ein leichtes Plus geben."

Der Skiort wurde von den ausbleibenden Russen zwar nicht aus der Bahn geworfen und konnte das Minus mit Zuwächsen aus anderen Ländern ausgleichen. "Aber wir freuen uns natürlich über jeden Gast, der zu uns kommt", sagt Lackner lachend.

Aktiv um den russischen Gast bemüht haben sich die Touristiker aus Ischgl im Paznauntal. "Das ist ein wichtiger Markt für uns. Wir haben im September Pressekonferenzen in Moskau und St. Petersburg gemacht. Schon da gab es starke Anzeichen dafür, dass es der russischen Wirtschaft wieder besser geht", erzählt Andreas Steibl vom Tourismusverband des Dorfs. Vor 2014 machten die Russen 10 bis 15 Prozent der Jänner-Gäste im Ort aus. "Das ist bis auf drei Prozent runtergegangen. Aber jetzt gibt es wieder eine klare Steigerung. Ich glaube, dass wir in ein bis zwei Jahren wieder auf dem Niveau von vor fünf Jahren sein werden", zeigt sich Steibl optimistisch.

Qualität als Bonus

Er sieht das aber nicht nur im russischen Aufschwung begründet. "Nach den Sanktionen hat man versucht, die Leute in Skigebiete im eigenen Land wie Sotschi zu bringen. Aber die Gäste haben sicher gemerkt, dass es dort eben nicht die gleiche Qualität gibt, wie bei uns."

Im Ötztal, einer der "Russen-Hochburgen in Tirol", wie Carmen Fender vom Ötztal Tourismus sagt, seien die Gäste aus Russland vor dem Einbruch die drittwichtigste Gästegruppe gewesen, mittlerweile liegen die Russen um den zehnten Platz. Aber auch hier zeichnet sich ein Comeback ab. "Zuletzt gab es wieder mehr Nachfragen aus Russland", sagt Fender.

In Salzburg war Saalbach-Hinterglemm jahrelang eine beliebte Skidestination. An bis zu 30.000 russische Nächtigungen in Spitzenjahren erinnert sich Tourismus-Chef Wolfgang Breitfuß. "Das haben wir uns über 15 Jahre aufgebaut", sagt er. Seit den Sanktionen hätten sich die Zahlen halbiert. "Ich glaube aber, dass wir heuer die Talsohle durchschreiten", hofft Breitfuß, der ebenfalls positive Signale von Reiseveranstaltern ortet.

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