Chronik | Österreich
24.02.2018

Die Kälte macht sogar das Burgenland zum Skigebiet

Wintereinbruch freut die Freizeitsportler. Obdachlosen droht aber wegen eisiger Temperaturen Gefahr.

In der burgenländischen Festivalgemeinde Wiesen herrscht am Freitagmittag dichter Schneefall. "Darauf haben wir den ganzen Winter gehofft", freut sich Lukas Weghofer, Präsident des örtlichen "Schiklubs". Erstmals in dieser Wintersaison kann der Klub die Piste eröffnen. "Wir haben gar nicht mehr damit gerechnet", sagt Weghofer. Zwei der vier Schneekanonen sind zusätzlich in Betrieb, um den Besuchern einen perfekten Pistenzauber bieten zu können.

"Am Wochenende können unsere Gäste Rodeln. Nächste Woche wollen wir auch den Lift für die Skifahrer in Betrieb nehmen", erklärt Weghofer. Besucher aus Wien, Niederösterreich und Ungarn werden zum Wintersport in der 2800-Einwohner-Gemeinde erwartet. Vor allem bei Kindern und Senioren ist die 300 Meter lange Abfahrt beliebt. Außerdem ist es ein vergleichsweise günstiges Vergnügen: 23 Euro kostet die Saisonkarte für Kinder, 27 Euro für Erwachsene. Frieren müssen die Besucher nicht: In einer Hütte gibt’s Tee und Glühwein.

Etwa 100 Kilometer weiter südlich, in Kukmirn (Bezirk Güssing), wedeln die ersten Besucher am Freitagmittag bereits die Pisten hinunter. "Wir haben so viel Naturschnee, dass wir gar nicht beschneien müssen", freut sich Obmann Rudi Mirth.

Die Gefahr, dass der Schnee schmilzt, besteht vorerst nicht: Am Sonntag kommt eine Kältewelle in Österreich an. Von Norden und Nordosten strömt sehr kalte kontinentale Luft ins Land. Vor allem im Bergland entlang der Alpennordseite gibt es etwas Schneefall. Gebietsweise ist es auch sehr sonnig. Zu Tagesbeginn hat es bis zu minus 16, tagsüber maximal null Grad. Montagfrüh wird es mit Tiefstwerten von minus 20 Grad noch kälter. Eisiger Wind soll die Kälte verschärfen. Am Dienstag geht es ähnlich weiter: Die tiefste Frühtemperatur liegt bei minus 22, der Tageshöchstwert bei minus vier Grad.

Wiener, die sich bei diesen Aussichten bereits auf eine Eislauf-Runde auf der Alten Donau freuen, sollten nicht auf die Sicherheit vergessen. Auch wenn es „sehr reizvoll“ sei, auf dem Naturgewässer dahinzugleiten, bestehe große Gefahr, einzubrechen, warnt die MA 45 (Wiener Gewässer). Denn die Eisdicke auf der Alten Donau sei wegen warmer Grundwasserzuflüsse schwer einzuschätzen. Alte und Neue Donau waren zuletzt im Jänner 2017 zugefroren – damals brachen mehrere Personen ein. Ob und wie dick die Alte Donau kommende Woche zufrieren wird, sei nicht abschätzbar, sagt Ubimet-Meteorologe Sebastian Koblinger. Am Freitag hatte das Wasser noch zwei Grad plus.

Erfrierungen

Die Kälte kann altersschwachen Auto-Batterien zu schaffen machen, warnte am Freitag der ARBÖ. Um Startschwierigkeiten zu vermeiden, empfiehlt es sich, die Leistungsfähigkeit rechtzeitig zu überprüfen. Auch Fußgänger und Wintersportler sollten sich vor der Kälte schützen. "Die Gefahr von Erfrierungen droht bereits ab einer Temperatur von minus fünf Grad", sagt Wolfgang Schreiber, Chefarzt des Roten Kreuzes. Wer länger im Freien ist, sollte Fettcreme auftragen.

Menschen ohne Dach über dem Kopf haben besonders unter der Kälte zu leiden. "Die aktuelle Situation ist lebensbedrohlich", sagt Caritas-Präsident Michael Landau. Wer auf der Straße Menschen in Not sehe, solle die Rettung rufen oder beim lokalen Kältetelefon (in Wien 01 / 4804553, in Graz 0676 / 88015111) Sozialarbeitern die Schlafplätze von Obdachlosen melden. Der Fonds Soziales Wien erweitert wegen der anhaltenden Kälte nun das Winterpaket der Wiener Wohnungslosenhilfe. Zu den 1230 Not-Schlafplätzen kommen jetzt 45 weitere dazu. Tagsüber können sich Obdachlose in Wärmestuben der Stadt und Pfarren aufwärmen.