Chronik | Österreich
14.10.2017

Die Hälfte der illegalen Glücksspielautomaten stehen angeblich in Kulturvereinen

Experten fordern die Vereinheitlichung der österreichischen Glücksspiel-Gesetze, Kritik an einzelnen Bezirkshauptmannschaften.

Das illegale Glücksspiel feiert in Österreich fröhliche Urständ. Doch Finanz und Polizei vermasseln den Drahtziehern durch Razzien die lukrativen Geschäfte. Die Finanzpolizei hat heuer bereits 2228 Spielautomaten aus dem Verkehr gezogen und 36,13 Millionen Euro Strafen beantragt.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren wurden bundesweit 5764 verbotene Automaten eingezogen und Strafanträge in Höhe von 103,88 Millionen Euro gestellt.

Was unter dem Strich tatsächlich fließt, das wissen am Ende allerdings nur die dafür zuständigen Bezirkshauptmannschaften und in Wien die Polizei. Die Strafgelder landen in der Regel in den Landesbudgets.Wie der KURIER berichtete, hat die Wiener Finanzpolizei mit der Polizei-Sondereinheit WEGA am Donnerstag ein Glücksspiel-Kellerlokal eines amtsbekannten bosnisch-serbischen Kapos und vorbestraften Gewalttäters ausgehoben.

Migrationsmilieu

"In Wien stehen mehr als die Hälfte der illegalen Glücksspielautomaten in verschiednen Kulturvereinen. In diesem Migrationsmilieu spielt sich viel ab", sagt Marktforscher Andreas Kreutzer, der seit 2010 jährlich eine umfangreiche Studie über das illegale Glücksspiel erstellt. "Wir haben dort Hinterzimmer, in denen bis zu 20 Geräte stehen." Die Erkenntnisse stammen von Kreutzers Informanten, die regelmäßig zur Erkundung der Lage ausschwärmen.

Es gibt aber große Unterschiede bei den Beschlagnahmen in den einzelnen Bundesländern. Das Glücksspielgesetz ist nämlich Ländersache. Den Aufgriffsrekord hält heuer Oberösterreich mit 950 sichergestellten Gaming-Geräten. Das Burgenland ist mit 65 sichergestellten Geräten das Schlusslicht, gefolgt von Vorarlberg mit 77 Geräten und Kärnten mit 87 Automaten.

"Das Problem ist, dass die derzeitigen Gesetze ein klare Verfolgung des illegalen Glücksspiels nicht einfach machen", sagt Kreutzer. "Die Gesetze werden auch nicht überall ausgeschöpft, weil die Rechtsprechung der Gerichte regional unterschiedlich ist und es mitunter Schlupflöcher gibt."

Demnach soll es Bezirke geben, wo Bezirkshauptleute aus Furcht vor Amtshaftungsklagen Gastro-Lokale mit verbotenen Geräten nicht schließen. Denn: Die Betreiber werden meist von Top-Anwälten vertreten.

Experten fordern aber eine österreichweite Vereinheitlichung der Glücksspielgesetze. Dem nicht genug. Kreutzer: "Man kann das illegale Glückspiel nur austrocknen, indem man Glücksspiel-Lizenzen mit ordentlichen Anforderungen vergibt."